Start Wissenschaft Medizin Mammografie könnte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen

Mammografie könnte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen

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Die Mammografie wird bisher vor allem zur Früherkennung von Brustkrebs eingesetzt. Eine große US-Studie zeigt nun, dass dieselben Aufnahmen auch Hinweise auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen liefern können. Grundlage ist die KI-gestützte Analyse von Verkalkungen in den Brustarterien.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zu den häufigsten Todesursachen bei Frauen und bleiben oft lange unerkannt. Vor diesem Hintergrund gewinnen Screening-Methoden an Bedeutung, die ohne zusätzlichen Aufwand viele Patientinnen erreichen. Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt, dass die Mammografie über die Krebsfrüherkennung hinaus einen weiteren Nutzen bieten könnte.

Im Fokus stehen Verkalkungen in den Brustarterien. Diese Veränderungen lassen sich auf Mammografie-Aufnahmen darstellen und könnten Rückschlüsse auf das individuelle kardiovaskuläre Risiko erlauben.

KI analysiert Verkalkungen in der Brust

Ein Team von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern untersuchte in einer retrospektiven Kohortenstudie, ob sich diese Verkalkungen mithilfe künstlicher Intelligenz automatisiert erfassen und bewerten lassen. Die KI identifizierte die betroffenen Gefäße und bestimmte das Ausmaß der Verkalkungen.

Der Schweregrad wurde in vier Kategorien eingeteilt. Keine Verkalkung mit 0 mm². Mild mit mehr als 0 bis 10 mm². Moderat mit mehr als 10 bis 25 mm². Schwer mit mehr als 25 mm².

Anschließend prüften die Forschenden den Zusammenhang zwischen diesen Befunden und dem Auftreten schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse.

Daten von mehr als 123.000 Frauen

Die Analyse basierte auf Daten von insgesamt 123.762 Frauen. 74.124 Datensätze stammten von Emory Healthcare, weitere 49.638 von Mayo Clinic Enterprise. In der internen Kohorte zeigten 16,1 Prozent der Frauen entsprechende Verkalkungen, in der externen Kohorte lag der Anteil bei 20,6 Prozent.

In beiden Datensätzen zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Verkalkungen und dem Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse. Bereits milde Ausprägungen gingen mit einem erhöhten Risiko einher. Mit zunehmendem Schweregrad stieg dieses Risiko deutlich an. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei schweren Verkalkungen.

Zusätzlich zeigte die Analyse, dass jede Zunahme der Verkalkung um 1 mm² mit einem Anstieg des Risikos um etwa 2 bis 3 Prozent verbunden war.

Relevanz für die Praxis

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Mammografie-Aufnahmen ein bislang ungenutztes Potenzial für die Risikobewertung bieten. Ohne zusätzliche Untersuchungen könnten Ärztinnen und Ärzte, mithilfe einer KI Hinweise auf kardiovaskuläre Risiken erhalten und Patientinnen gezielter weiter untersucht werden. 

Für den klinischen Alltag bedeutet das eine mögliche Erweiterung bestehender Screening-Programme. Voraussetzung ist jedoch eine standardisierte Auswertung und Integration der KI-Systeme in die Routine.

Einordnung

Die Studie zeigt eine klare Assoziation zwischen Brustarterienverkalkungen und kardiovaskulären Ereignissen. Ob daraus konkrete Handlungsempfehlungen für Screening-Programme abgeleitet werden können, müssen weitere Untersuchungen klären. Fest steht jedoch, dass die Mammografie künftig mehr Informationen liefern könnte als bisher angenommen.

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