Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den aktuellen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda zur „public health emergency of international concern“ (gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite) erklärt. Die Behörde reagiert damit auf eine steigende Zahl an Verdachtsfällen und Todesfällen in mehreren Regionen Zentralafrikas.
Im Zentrum des Ausbruchs steht die Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Laut der Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union (CDC) wurden bisher 336 Verdachtsfälle und 88 Todesfälle gemeldet. Laborbestätigt sind derzeit acht Infektionen. Ausgelöst wird der Ausbruch durch die Bundibugyo-Spezies des Ebola-Virus. Für diese Variante existieren aktuell weder ein zugelassener Impfstoff noch spezifische Medikamente.
Die WHO warnt, dass das tatsächliche Ausmaß des Ausbruchs deutlich größer sein könnte als bislang bekannt. Unsicherheiten gebe es sowohl bei der Zahl der Infizierten als auch bei der geografischen Verbreitung. Deshalb sei eine koordinierte internationale Reaktion notwendig.
Bereits jetzt zählt der Ausbruch zu den größten: „Wenn die Zahl der Infizierten bestätigt werden sollte, wäre es der siebtgrößte Ausbruch unter allen Ebola-Varianten“, zeigt sich Dr. Anne Cori besorgt. Sie ist außerordentliche Professorin für Infektionskrankheitsmodellierung am Imperial College London.
Fälle in Kampala bestätigt
Auch in Uganda wurden mittlerweile Ebola-Fälle bestätigt. Laut WHO wurden in Kampala zwei Infektionen festgestellt, darunter ein Todesfall. Die betroffenen Personen waren zuvor aus dem Kongo eingereist. Ein ursprünglich gemeldeter Verdachtsfall in Kinshasa bestätigte sich hingegen nicht.
Gesundheitsbehörden in Uganda setzen nun verstärkt auf Kontaktverfolgung und lokale Überwachungssysteme. Laut Gesundheitsministerin Jane Ocero verfüge das Land über ein dichtes Netz an Gesundheitshelferinnen und Gesundheitshelfern, die mögliche Fälle früh erkennen sollen.
Politische Krise erschwert Eindämmung
Die WHO sieht mehrere Faktoren, die eine Eindämmung erschweren. Genannt werden eine humanitäre Krise, hohe Mobilität der Bevölkerung sowie zahlreiche nicht staatlich organisierte Gesundheitseinrichtungen in der Region.
In Teilen der Provinz Ituri gilt seit 2021 faktisch Kriegsrecht. Bewaffnete Gruppen sind dort weiterhin aktiv. Menschenrechtsorganisationen berichten zudem von sinkendem Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Behörden und internationale Hilfsorganisationen.
Zusätzlich erhöht der grenzüberschreitende Reiseverkehr das Risiko einer weiteren Ausbreitung. Uganda verschob deshalb bereits ein großes katholisches Festival nahe Kampala, das normalerweise zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus Nachbarländern anzieht.
Was ist Ebola?
Ebola ist eine seltene, aber schwere Viruserkrankung mit hoher Sterblichkeit. Je nach Virus-Typ verläuft die Erkrankung in 25 bis 90 Prozent der Fälle tödlich. Übertragen wird das Virus durch direkten Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten infizierter Menschen oder Tiere.
Die ersten Symptome ähneln oft einem grippalen Infekt. Typisch sind plötzliches hohes Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Schwächegefühl. Im weiteren Verlauf können Erbrechen, Durchfall, innere Blutungen und Organversagen auftreten.
Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Ansteckend sind Erkrankte erst ab Auftreten der Symptome.
Lehren aus früheren Ausbrüchen
Besonders schwer betroffen waren 2014 und 2015 die westafrikanischen Staaten Guinea, Sierra Leone und Liberia. Damals starben laut WHO mehr als 11.000 Menschen. Seitdem kam es immer wieder zu regionalen Ausbrüchen, vor allem im Kongo und in Uganda.
Die WHO betont, dass der aktuelle Ausbruch nicht die Kriterien einer Pandemie erfüllt. Dennoch sei schnelles Handeln entscheidend, um eine weitere internationale Ausbreitung zu verhindern.
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