Start Wissenschaft PMOS: Neuer Name rückt Stoffwechsel stärker in den Fokus

PMOS: Neuer Name rückt Stoffwechsel stärker in den Fokus

Die bisher als Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) bekannte Erkrankung trägt künftig den Namen Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS). Fachgesellschaften wollen damit verdeutlichen, dass die Erkrankung nicht nur den Zyklus und die Fruchtbarkeit betrifft, sondern auch mit Stoffwechselstörungen und einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sein kann.

Die Umbenennung von PCOS in PMOS soll das Verständnis der Erkrankung erweitern. Während die bisherige Bezeichnung den Fokus auf Veränderungen der Eierstöcke legte, soll der neue Name die hormonellen und metabolischen Ursachen stärker hervorheben. Hintergrund ist, dass Insulinresistenz bei vielen Betroffenen eine zentrale Rolle spielt und eng mit den hormonellen Veränderungen verknüpft ist.

Internationale Fachgesellschaften haben die neue Nomenklatur bereits übernommen. Auch mehrere deutschsprachige Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), unterstützen den Namenswechsel.

Stoffwechsel und Hormonhaushalt beeinflussen sich gegenseitig

Nach Angaben der Fachgesellschaften handelt es sich bei PMOS um eine hormonelle und stoffwechselbezogene Erkrankung. Eine verminderte Wirkung von Insulin führt dazu, dass der Körper mehr Insulin produziert. Dieser Insulinüberschuss kann die Bildung männlicher Hormone in den Eierstöcken fördern und dadurch den Eisprung sowie den Menstruationszyklus beeinträchtigen.

Die neue Bezeichnung soll deshalb verdeutlichen, dass PMOS nicht ausschließlich ein gynäkologisches Krankheitsbild ist. Vielmehr besteht bei Betroffenen häufig auch ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

„Stoffwechsel und weiblicher Zyklus lassen sich nicht getrennt betrachten. Sie beeinflussen sich gegenseitig: Diabetes, Gewicht und Insulinresistenz können den Zyklus verändern, zugleich muss die Diabetologie hormonelle Rhythmen stärker berücksichtigen. PMOS ist deshalb kein reines Zyklus- oder Fruchtbarkeitsthema, sondern ein oft übersehenes kardiometabolisches Risiko von Frauen“, sagte Professorin Dr.med. Susanne Reger-Tan laut Aussendung.

Viele Betroffene bleiben unerkannt

Weltweit sind Schätzungen zufolge mehr als 170 Millionen Frauen im reproduktiven Alter von der Erkrankung betroffen. Nach Angaben der Fachgesellschaften bleiben jedoch bis zu 70 Prozent der Fälle unerkannt.

Mit der neuen Bezeichnung soll daher auch das Bewusstsein für die Erkrankung geschärft werden. Ziel ist eine frühere Diagnose und eine interdisziplinäre Betreuung, bei der Gynäkologie, Endokrinologie und Diabetologie zusammenarbeiten.

Mögliche Hinweise auf PCOS

Typische Anzeichen können sein:

• Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruationsblutungen
• Lange Zyklusabstände
• Ausbleibender Eisprung
• Akne
• Haarausfall
• Vermehrte Körperbehaarung
• Unerfüllter Kinderwunsch

Hinweis: Diese Beschwerden können auch andere Ursachen haben. Eine ärztliche Abklärung ist erforderlich.

Eine neue Patientinnenleitlinie verwendet bereits die Bezeichnung PMOS. Sie empfiehlt unter anderem, bei betroffenen Frauen auch den Glukosestoffwechsel zu überprüfen. Umgekehrt sollte bei Frauen mit Diabetes und entsprechenden Beschwerden an PMOS gedacht werden. 

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