Start News Drei Wochen ohne Smartphone: Studie zeigt Effekte bei Jugendlichen

Drei Wochen ohne Smartphone: Studie zeigt Effekte bei Jugendlichen

Werbung

Mehr als 45.000 Schülerinnen und Schüler nahmen am „ORF-Dok-1-Handyexperiment“ teil. Laut Anton Proksch Institut verbesserten sich psychisches Wohlbefinden, Schlafqualität und problematisches Internetnutzungsverhalten deutlich. Zwei Drittel der Teilnehmenden sprechen sich zudem für ein Social-Media-Verbot für Kinder aus.

Drei Wochen ohne Smartphone haben bei Kindern und Jugendlichen deutliche Auswirkungen auf Schlaf, Wohlbefinden und depressive Symptome gezeigt. Das geht aus dem „ORF-Dok-1-Handyexperiment“ hervor, das wissenschaftlich vom Anton Proksch Institut begleitet wurde. Mehr als 72.000 Jugendliche aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol meldeten sich für das Projekt an, 45.656 Schülerinnen und Schüler nahmen schließlich an den wissenschaftlichen Befragungen teil.

Rund 32.000 Jugendliche wurden einer Versuchsgruppe zugeteilt – entweder mit vollständigem Handy-Verzicht oder einer eingeschränkten „Light“-Variante. Etwa 14.000 Jugendliche bildeten die Kontrollgruppe und nutzten ihr Smartphone wie gewohnt weiter.

Weniger depressive Symptome und besserer Schlaf

Laut den erhobenen Daten verbesserten sich mehrere psychische Gesundheitsparameter innerhalb von drei Wochen deutlich. Zu Beginn der Untersuchung berichtete mehr als die Hälfte der befragten Jugendlichen über leichte bis mittelgradige depressive Symptome. Acht Prozent zeigten mittelgradig schwere Symptome, drei Prozent schwere Symptome.

Nach dem Experiment stieg der Anteil jener Jugendlichen ohne depressive Symptome um rund 15 Prozent. Gleichzeitig gingen leichte bis mittelgradige depressive Symptome um etwa zehn Prozent zurück. Auch schwere depressive Symptome nahmen ab – von 2,9 auf 1,7 Prozent.

Besonders deutlich fiel der Effekt beim Schlaf aus: Ein- und Durchschlafstörungen reduzierten sich laut den Angaben um mehr als 20 Prozent. Laut Dr. Oliver Scheibenbogen vom Anton Proksch Institut zeigen die Ergebnisse, dass sich die Schlafqualität bereits durch den Verzicht auf das Handy verbessern könne.

Millionen Stunden weniger Bildschirmzeit

Zwei Drittel der Jugendlichen hielten das Experiment über die gesamten 21 Tage durch. Jüngere Teilnehmende waren dabei erfolgreicher als ältere. Die meisten Rückfälle gab es bereits am ersten Tag: 16 Prozent jener Jugendlichen, die das Experiment abbrachen, griffen schon am ersten Tag wieder zum Smartphone.

Die Gruppe mit vollständigem Handy-Verzicht sparte laut den Studienergebnissen insgesamt 7.373.016 Stunden Smartphone-Nutzung ein.

Auch problematisches Internetnutzungsverhalten ging zurück. Zu Beginn der Untersuchung zeigten laut den Angaben knapp 71 Prozent ein problematisches Nutzungsverhalten. Nach drei Wochen lag dieser Wert bei 58 Prozent.

Zwei Drittel wünschen Social-Media-Verbot

Ein weiterer Befund betrifft die Einstellung der Jugendlichen zu sozialen Netzwerken. Zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler sprachen sich für ein Social Media-Verbot für Kinder aus. 

Scheibenbogen verwies zudem darauf, dass selbst in der Kontrollgruppe Verbesserungen messbar gewesen seien. „Allein durch das Reflektieren und durch die Beschäftigung mit dem eigenen Internet-Nutzungsverhalten hat es hier also Veränderungen zum Positiven gegeben“, sagte der Psychologe.

Langzeiteffekt wird weiter untersucht

Im Rahmen des Projekts wurden drei wissenschaftliche Befragungen durchgeführt: vor Beginn des Experiments am 4. März 2026, direkt nach Ende der drei Wochen am 24. März 2026 sowie fünf Wochen später zur Erhebung möglicher Langzeiteffekte.

Die Ergebnisse werden heute Abend (27.05.2026) in der ORF-Sendung „Das große Dok-1-Handyexperiment“ präsentiert. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) will die Ergebnisse zudem gemeinsam mit Expertinnen und Experten bei einer Pressekonferenz zum Thema Social-Media-Verbot diskutieren.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
• Handy-Fasten: Schulprojekt zeigt überraschende Effekte
• Ö3-Jugendstudie: Zwischen Optimismus und Belastung
• Social Media-Verbot bis 14 und Lehrplanreform fix

Neue Artikel

Österreicher sehen Gesundheitsversorgung zunehmend kritisch

Eine neue Umfrage des Austrian Health Forum zeigt wachsende Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem. Gleichzeitig unterstützt eine Mehrheit Reformideen wie...

Kraniosynostose: Forschende suchen Ansatz gegen vorzeitigen Schädelnahtverschluss

Bei Kraniosynostose verknöchern Schädelnähte von Säuglingen zu früh. Forschende aus Hannover suchen nun nach einem Ansatz, um den vorzeitigen...

Neues Glaukom-Implantat soll Vernarbungen verhindern

Ein Forschungsverbund rund um die Medizinische Hochschule Hannover arbeitet an einem neuartigen Implantat gegen Grünen Star. Das System soll...

STI-Zahlen in Europa erreichen Höchststand

Die Zahl sexuell übertragbarer Infektionen in Europa steigt deutlich. Laut ECDC erreichen Gonorrhö und Syphilis Rekordwerte, während Chlamydien weiterhin...

 Weitere Artikel

Österreicher sehen Gesundheitsversorgung zunehmend kritisch

Eine neue Umfrage des Austrian Health Forum zeigt wachsende Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem. Gleichzeitig unterstützt eine Mehrheit Reformideen wie...

Kraniosynostose: Forschende suchen Ansatz gegen vorzeitigen Schädelnahtverschluss

Bei Kraniosynostose verknöchern Schädelnähte von Säuglingen zu früh. Forschende aus Hannover suchen nun nach einem Ansatz, um den vorzeitigen...

Neues Glaukom-Implantat soll Vernarbungen verhindern

Ein Forschungsverbund rund um die Medizinische Hochschule Hannover arbeitet an einem neuartigen Implantat gegen Grünen Star. Das System soll...