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Warum das Gehirn unterschiedlich altert

Neue Studien zeigen, dass Gehirngesundheit nicht nur vom Lebensstil abhängt. Auch Umwelt, soziale Bedingungen und politische Rahmenbedingungen beeinflussen, wie schnell das Gehirn altert. Forschende des Forschungszentrums Jülich waren an zwei internationalen Studien beteiligt, die das Zusammenspiel dieser Faktoren untersucht haben.

Warum manche Menschen bis ins hohe Alter geistig fit bleiben und andere früher kognitive Einschränkungen entwickeln, lässt sich nicht auf einen einzelnen Risikofaktor zurückführen. Das zeigen zwei internationale Studien, die in Nature Communications und Nature Medicine veröffentlicht wurden. Beide Arbeiten untersuchten das sogenannte Exposom – die Gesamtheit aller Umwelt-, Lebensstil- und Gesundheitsfaktoren, denen Menschen im Laufe ihres Lebens ausgesetzt sind.

Mehr als 260 Einflussfaktoren analysiert

Für die in Nature Communications veröffentlichte Studie werteten Forschende Daten der britischen UK Biobank aus. Unter Leitung von Prof. Dr. Sarah Genon vom Forschungszentrum Jülich analysierte das Team mithilfe von KI-gestützten Modellen den Einfluss von mehr als 260 Faktoren auf die Gehirngesundheit.

Dabei wurden MRT-Daten mit Informationen zu Lebensstil, Gesundheit und sozialen Faktoren verknüpft. Besonders deutlich zeigte sich der Einfluss von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie von Rauchen, Alkoholkonsum und Ernährung. Die Forschenden fanden zudem Hinweise darauf, dass nicht nur die Art eines Risikofaktors entscheidend ist, sondern auch dessen Dauer und der Zeitpunkt im Lebensverlauf. Langjährige Belastungen wie Bluthochdruck oder Rauchen standen mit einer ungünstigeren Entwicklung der Gehirnstruktur in Zusammenhang.

Auch Umwelt und Gesellschaft spielen eine Rolle

Die zweite Studie, veröffentlicht in Nature Medicine, weitete den Blick von individuellen Faktoren auf gesellschaftliche und ökologische Einflüsse aus. Dafür analysierte ein internationales Forschungsteam Daten von rund 18.700 Personen aus 34 Ländern.

Die Ergebnisse zeigen, dass Faktoren wie Luftverschmutzung, klimatische Bedingungen, sozioökonomische Ungleichheit und der Zugang zu Gesundheitsversorgung mit der Geschwindigkeit der Gehirnalterung zusammenhängen. Laut den Forschenden wirken diese Einflüsse teilweise unabhängig von individuellen Risikofaktoren oder bestehenden Erkrankungen.

An der Studie beteiligt waren ebenfalls Prof. Dr. Sarah Genon und Dr. Masoud Tahmasian vom Forschungszentrum Jülich.

Exposom-Ansatz gewinnt an Bedeutung

Ergänzend ordnet ein Übersichtsartikel in Nature Reviews Neuroscience die Ergebnisse in einen größeren wissenschaftlichen Zusammenhang ein. Die Erstautorin Sarah Genon beschreibt darin Gehirngesundheit als Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels biologischer, individueller und gesellschaftlicher Faktoren. Der Beitrag weist zudem darauf hin, dass viele bisherige Modelle vor allem auf Daten aus wohlhabenden Ländern beruhen und globale Unterschiede bislang nur unzureichend berücksichtigen.

„Einzelne Risikofaktoren greifen oft zu kurz. Entscheidend ist, ihr Zusammenspiel über die Lebensspanne hinweg zu verstehen“, wird Genon zitiert.

Bedeutung für Prävention

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer frühen Prävention. Neben individuellen Maßnahmen wie Rauchstopp, ausgewogener Ernährung oder der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnten auch gesellschaftliche Faktoren zur Förderung der Gehirngesundheit beitragen. Dazu zählen etwa eine bessere Luftqualität, soziale Stabilität und ein guter Zugang zur Gesundheitsversorgung.

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