Start Apotheke Adrenalin-Pens: Lieferprobleme in starkem Wespenjahr

Adrenalin-Pens: Lieferprobleme in starkem Wespenjahr

Adrenalin-Autoinjektoren sind für Menschen mit schwerer Insektengiftallergie ein wichtiges Notfallmedikament. Mitten in der starken Wespensaison gibt es jedoch Lieferprobleme. Eine Recherche von PharmaNow bei mehreren Apotheken zeigt eine eingeschränkte Lieferbarkeit.

Für Menschen mit einer Insektengiftallergie kann ein Wespenstich schwere und im Extremfall lebensbedrohliche allergische Reaktionen auslösen. Im Notfall kommt Adrenalin zum Einsatz. Zur Selbstverabreichung stehen dafür Adrenalin-Autoinjektoren, umgangssprachlich Adrenalin-Pens, zur Verfügung.

Gerade in der aktuellen Wespensaison ist die Verfügbarkeit von Adrenalin-Autoinjektoren für Menschen mit Insektengiftallergie von besonderer Bedeutung. Für genau jene Präparate bestehen jedoch derzeit laut BASG (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen) Lieferprobleme.

PharmaNow hat die aktuelle Verfügbarkeit in mehreren Apotheken geprüft. Zum Zeitpunkt der Nachfrage zeigte sich eine eingeschränkte Verfügbarkeit. Auch Abfragen über Apps ergaben, dass Adrenalin-Pens zwar noch in einzelnen Apotheken lagernd waren, insgesamt jedoch nur vereinzelt Bestände aufschienen.

Damit ist zwischen der grundsätzlichen Verfügbarkeit verschiedener Präparate und deren aktueller Lieferbarkeit beziehungsweise Lagerverfügbarkeit in den Apotheken zu unterscheiden. Für Patientinnen und Patienten kann die Suche nach einem verfügbaren Adrenalin-Autoinjektor derzeit entsprechend schwieriger sein.

Starkes Wespenjahr hatte sich abgezeichnet

Bereits Anfang Juli gab es Hinweise auf einen möglicherweise starken Wespen-Sommer. Dr. Gernot Kunz vom Institut für Biologie an der Karl-Franzens-Universität Graz erklärte damals in einer Aussendung von ALK, dass Wespen von warmen und trockenen Bedingungen profitieren.

„Wird es warm und eher trocken, kann genug Nahrung für die Aufzucht der Larven in das Nest eingetragen werden, wodurch sich die Wespenvölker sehr gut entwickeln können. Ein kühler oder verregneter Sommer hingegen würde viele junge Nester schwächen oder sogar zugrunde gehen lassen“, so Kunz.

Im Spätsommer sind besonders viele Wespen auf Nahrungssuche. Gleichzeitig nimmt das natürliche Nahrungsangebot ab. Laut ALK verschärft die anhaltende Trockenheit den Nahrungsmangel heuer zusätzlich. Lebensmittel und reifes Obst können dadurch für Wespen besonders attraktiv werden.

Adrenalin ist für den allergischen Notfall entscheidend

In Österreich sind laut einer von ALK zitierten wissenschaftlichen Arbeit aus dem Jahr 2011 mehr als 300.000 Menschen gegen Bienen- oder Wespengift allergisch.

Bei einer schweren allergischen Reaktion nach einem Stich können u.a. Schwellungen im Gesicht oder Hals, Atemnot, Schwindel, Herzrasen oder Kreislaufprobleme auftreten. Adrenalin ist das wichtigste Medikament für den allergischen Notfall und steht zur Selbstverabreichung in Form von Autoinjektoren zur Verfügung.

Die aktuell eingeschränkte Lieferbarkeit ist daher insbesondere in der Wespensaison von Bedeutung.

Immuntherapie ist von Akutversorgung zu unterscheiden

ALK verweist in seiner Aussendung zudem auf die allergenspezifische Immuntherapie bei diagnostizierter Insektengiftallergie. Dabei wird das jeweilige Allergen über einen längeren Zeitraum verabreicht, um das Risiko schwerer allergischer Reaktionen bei weiteren Stichen zu reduzieren.

Assoz.-Prof. Dr. Gunter Sturm, Leiter des Allergieambulatoriums Reumannplatz in Wien und der Forschungsgruppe Klinische Allergologie an der Univ.-Hautklinik Graz, gibt die Wirksamkeit bei Wespengiftallergie mit über 90 Prozent an. Die Behandlung erstreckt sich laut der Aussendung üblicherweise über drei bis fünf Jahre.

Die allergenspezifische Immuntherapie ist von der Versorgung eines akuten allergischen Notfalls mit Adrenalin zu unterscheiden. Voraussetzung für die Therapie ist eine entsprechende fachärztliche Diagnose.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Neue Artikel

Sechs von zehn nutzen KI bei Gesundheitsfragen

Künstliche Intelligenz ist bei Gesundheitsfragen für viele Menschen in Österreich bereits Teil der Informationssuche. Sechs von zehn Befragten haben...

Fachgesellschaft ehrt Bionorica-Chef Dr. Michael Popp

Die Society for Medicinal Plant and Natural Product Research (GA) hat Prof. Dr. Michael A. Popp, CEO und Inhaber...

Apothekerverbandswahl: Vier Landesgruppen mit neuer Spitze

Nach dem Ergebnis der Apothekerverbandswahl 2026 wechseln in Niederösterreich, Oberösterreich, Vorarlberg und Wien die Landesgruppenspitzen. Auch in mehreren Landesvorständen...

Frag doch den digitalen Zwilling!

90 Prozent der Entwicklungsprojekte der Pharmaindustrie gehen fehl. Digitale Anwendungen sollen die Erfolgsraten erhöhen und Kosten sparen helfen.  Erst vor...

 Weitere Artikel

Sechs von zehn nutzen KI bei Gesundheitsfragen

Künstliche Intelligenz ist bei Gesundheitsfragen für viele Menschen in Österreich bereits Teil der Informationssuche. Sechs von zehn Befragten haben...

Fachgesellschaft ehrt Bionorica-Chef Dr. Michael Popp

Die Society for Medicinal Plant and Natural Product Research (GA) hat Prof. Dr. Michael A. Popp, CEO und Inhaber...

Apothekerverbandswahl: Vier Landesgruppen mit neuer Spitze

Nach dem Ergebnis der Apothekerverbandswahl 2026 wechseln in Niederösterreich, Oberösterreich, Vorarlberg und Wien die Landesgruppenspitzen. Auch in mehreren Landesvorständen...