Eine Langzeitstudie aus Wien zeigt: Allergische Sensibilisierungen bleiben nicht immer bestehen. Während sich bei manchen Menschen neue Allergien entwickeln, können bestehende Sensibilisierungen im höheren Alter auch wieder verschwinden. Die Forschenden sehen darin Hinweise auf einen dynamischen Prozess, der von Alter, Umwelt und Lebensstil beeinflusst wird.
Allergische Sensibilisierungen gelten häufig als dauerhafte Eigenschaft des Immunsystems. Daten aus der Wiener LEAD-Studie deuten jedoch darauf hin, dass sich dieses Bild differenzierter darstellt. Eine aktuelle Auswertung von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern des Ludwig Boltzmann Instituts für Lungengesundheit zeigt, dass Sensibilisierungen gegen Allergene im Laufe des Lebens sowohl neu entstehen als auch wieder verschwinden können. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Clinical and Translational Allergy veröffentlicht.
Mehr als 5.000 Personen über Jahre beobachtet
Für die Analyse wertete das Forschungsteam Daten von 5.046 Personen aus der Allgemeinbevölkerung aus. Alle Teilnehmenden hatten im Rahmen der LEAD-Studie drei Haut-Pricktests absolviert. Zwischen den Untersuchungen lagen jeweils etwas mehr als vier Jahre. Ziel war es, die Entwicklung allergischer Sensibilisierungen über einen längeren Zeitraum hinweg zu beobachten und mögliche Veränderungen zu erfassen.
Die Auswertung zeigte, dass bei 54,4 Prozent der untersuchten Personen während des gesamten Beobachtungszeitraums keine Sensibilisierung nachweisbar war. Bei 30,6 Prozent blieb eine bestehende Sensibilisierung konstant bestehen. Allerdings ergaben sich auch Veränderungen: Bei 5,6 Prozent verschwand eine zuvor festgestellte Sensibilisierung im Verlauf der Untersuchung. Bei 4,8 Prozent trat sie neu auf. Weitere 4,6 Prozent wiesen wechselnde Testergebnisse auf.
Unterschiede je nach Alter
Besonders deutlich zeigten sich altersabhängige Unterschiede. Neue Sensibilisierungen wurden vor allem bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren beobachtet. Demgegenüber trat ein Rückgang bestehender Sensibilisierungen am häufigsten bei Personen über 60 Jahren auf. In den mittleren Altersgruppen fanden die Forschenden häufiger schwankende Verläufe.
Einfluss von Vererbung, Umwelt und Lebensstil
Eine dauerhaft bestehende Sensibilisierung war laut der Studie häufiger bei Personen zu beobachten, deren Eltern bereits entsprechende Vorbelastungen aufwiesen.
Schwankende Befunde standen hingegen unter anderem mit Adipositas bei Menschen über 40 Jahren sowie mit Umweltbelastungen in Zusammenhang.
Auch bei den einzelnen Allergenen zeigten sich Unterschiede. Neu auftretende Sensibilisierungen wurden vor allem bei Außenallergenen wie Ragweed, Baumpollen oder Haustieren festgestellt. Wechselnde Testergebnisse traten besonders häufig bei saisonalen Pollenallergenen auf.
Traditionelle Sichtweise wird hinterfragt
Nach Einschätzung der Forschenden bleibt die allergische Sensibilisierung zwar in den meisten Fällen stabil. Die Daten zeigen jedoch, dass sich das immunologische Profil vieler Menschen im Laufe des Lebens verändern kann.
Die Autorinnen und Autoren der Studie sehen darin Hinweise darauf, dass Sensibilisierungen nicht ausschließlich als unveränderliche Eigenschaft betrachtet werden sollten. Vielmehr könnten Alter sowie Umwelt- und Lebensstilfaktoren einen relevanten Einfluss auf deren Entwicklung haben.




