Jeder dritte Bub und jedes vierte Mädchen in Wien sind übergewichtig. Vier Prozent leiden bereits an extremer Adipositas. Fachleute warnen vor chronischen Entzündungen, genetischen Krebsrisiken und dramatischen Folgen für das Gesundheitssystem.
Bei einer Veranstaltung des Praevenire Gesundheitsforums in Wien stand die zunehmende Verbreitung von Adipositas bei Kindern und deren langfristige gesundheitliche Folgen im Mittelpunkt. Der Internist und Hämatoonkologe Dr. Felix Keil vom Hanusch-Krankenhaus zeigte sich alarmiert: „In der dritten Klasse Volksschule weisen bereits vier Prozent extreme Adipositas auf.“ Die Daten stammen von der Klinik Floridsdorf.
Veränderte Ernährung als treibender Faktor
Hoch verarbeitete Lebensmittel gelten laut Keil als zentrale Ursache. Ein aktueller Bericht in der Fachzeitschrift „The Lancet“ zeigt, dass in den USA bereits 60 Prozent der täglichen Kalorienaufnahme aus solchen Produkten stammen – in den 1980er-Jahren waren es noch 40 Prozent. In Österreich liegt der Anteil von Zucker an der Gesamtenergiezufuhr mittlerweile bei 16 bis 18 Prozent – empfohlen werden maximal 10, besser 5 Prozent. Die Hälfte des Zuckerkonsums entfällt auf gesüßte Getränke.
Darüber hinaus belaste ein Übermaß an gesättigten Fettsäuren, Salz und industriellen Zusatzstoffen die Gesundheit von Kindern langfristig. Die Folge sei eine stetige Entzündungsreaktion im Körper.
Adipositas fördert Krebsentstehung
Besonders kritisch ist laut Keil der Zusammenhang zwischen viszeralem Fett und Tumorerkrankungen. „Mehr Bauchfett führt zu einer erhöhten Mutationsrate von Zellen“, so der Mediziner. Das könne die Entstehung von Leukämien und anderen Krebsformen genetisch begünstigen.
Weltweit waren im Jahr 2022 rund eine Milliarde Menschen adipös (Body-Mass-Index über 30). Seit 1970 hat sich die Zahl verdreifacht. Die Onkologie bestätigt zunehmend die genetische Verknüpfung zwischen Fettleibigkeit und bösartigen Erkrankungen.
Mangelernährung als Gegenpol
Auch das andere Extrem – Mangelernährung – wurde beim Symposium thematisiert. Denn laut Dr. Ute Ganswindt, Radioonkologin an der Universitätsklinik Innsbruck, sind zwischen 20 und 30 Prozent aller stationär aufgenommenen Patientinnen und Patienten unterernährt. Dies führe zu deutlich höheren Komplikationsraten, sowie zu verlängerten Aufenthalten und erhöhter Mortalität.
Ein frühzeitiges Ernährungsscreening sei entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden und gezielt therapeutisch eingreifen zu können.




