Wie gesund fühlen sich die Menschen in Europa? Worüber machen sie sich Sorgen? Welche Rolle sollen Künstliche Intelligenz und digitale Angebote künftig spielen? Der aktuelle STADA Health Report zeichnet ein vielschichtiges Bild: Die Menschen wünschen sich mehr Prävention, stehen neuen Technologien offen, aber kritisch gegenüber und setzen weiterhin auf persönliche Betreuung durch Gesundheitsberufe. Österreich zählt dabei zu den Ländern, in denen das Vertrauen in die direkte Versorgung besonders hoch ist.
Gesundheit bleibt eines der wichtigsten Themen der Europäerinnen und Europäer. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und der demografische Wandel die Erwartungen an die medizinische Versorgung. Der STADA Health Report 2026, für den Menschen in 20 europäischen Ländern befragt wurden, zeigt dabei ein Spannungsfeld: Technologische Innovationen werden begrüßt, ersetzen sollen sie den persönlichen Kontakt jedoch nicht.
Gerade Österreich nimmt dabei in mehreren Bereichen eine besondere Rolle ein. Die Studie zeigt, dass persönliche Beratung und der direkte Kontakt zu Gesundheitsberufen hierzulande einen besonders hohen Stellenwert haben.
Gesundheit umfasst längst mehr als körperliches Wohlbefinden
Der Report macht deutlich, dass Gesundheit heute weit über die Behandlung von Krankheiten hinausgeht. Körperliches Wohlbefinden, psychische Gesundheit und Prävention rücken für viele Menschen stärker in den Mittelpunkt.

Viele Befragte wünschen sich daher einen einfacheren Zugang zu Gesundheitsleistungen und eine stärkere Unterstützung dabei, Krankheiten möglichst zu vermeiden. Prävention wird zunehmend als wesentlicher Bestandteil eines funktionierenden Gesundheitssystems gesehen.
Auch psychische Belastungen bleiben ein wichtiges Thema. Stress, Unsicherheit und die Anforderungen des Alltags wirken sich für viele Menschen auf ihre Lebensqualität aus. Der Report zeigt, dass mentale Gesundheit inzwischen einen ähnlich hohen Stellenwert einnimmt wie die körperliche Gesundheit.
Österreich vertraut auf persönliche Betreuung
Während digitale Angebote europaweit zunehmen, bevorzugen die Menschen in Österreich weiterhin den persönlichen Kontakt.
87 Prozent der Befragten möchten Arzttermine vor Ort wahrnehmen, 88 Prozent ziehen persönliche Vorsorgeuntersuchungen vor. Auch bei psychischen Erkrankungen wünschen sich 77 Prozent eine direkte Betreuung durch medizinisches Fachpersonal. Damit zählt Österreich zu jenen Ländern Europas, in denen persönliche Gesundheitsleistungen besonders hoch geschätzt werden.
Künstliche Intelligenz soll unterstützen – nicht ersetzen
Ein Schwerpunkt des diesjährigen Reports ist der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild. Viele Befragte erkennen das Potenzial von KI etwa bei der Auswertung medizinischer Daten oder der Entlastung von Gesundheitssystemen. Geht es jedoch um Diagnosen oder Therapieentscheidungen, überwiegt die Skepsis.
Europaweit befürchten 54 Prozent, dass KI zu Fehldiagnosen führen könnte. Österreich zählt zu den Ländern mit der größten Zurückhaltung gegenüber KI-Diagnosen. Laut STADA Health Report sträuben sich hier 50 Prozent gegen deren Einsatz.
Trotz technologischer Entwicklungen erwarten die meisten Menschen nicht, dass Ärztinnen, Ärzte oder Apothekerinnen und Apotheker an Bedeutung verlieren. Nur 20 Prozent gehen davon aus, dass Gesundheitsberufe künftig eine geringere Rolle spielen werden. Die Mehrheit sieht KI vielmehr als Werkzeug, das medizinisches Fachpersonal unterstützt.
Gesundheitsberufe bleiben wichtigste Vertrauenspersonen
Mit der wachsenden Menge an Gesundheitsinformationen steigt auch der Wunsch nach Orientierung. In Österreich sehen 71 Prozent der Befragten Gesundheitsberufe in der Verantwortung, Gesundheitswissen zu vermitteln und Menschen bei gesundheitlichen Fragen zu begleiten. Dieser Wert gehört zu den höchsten in Europa.

Die Studie unterstreicht damit die Bedeutung qualifizierter Beratung – gerade in einer Zeit, in der digitale Informationsquellen und KI-Anwendungen immer stärker in den Alltag Einzug halten.
Digitalisierung verändert auch die Apotheke
Der STADA Health Report zeigt außerdem, dass sich die Erwartungen an öffentliche Apotheken verändern. Für viele Menschen sind sie längst mehr als reine Abgabestellen für Arzneimittel.
39 Prozent der Europäer wünschen sich, dass Apotheken Dauerrezepte für chronisch kranke Menschen ausstellen dürfen. Jeweils 29 Prozent sprechen sich für eine persönliche Beratung auf Basis ihrer Krankengeschichte, einen erleichterten Zugang zu Fachärzten über die Apotheke oder eine Medikamentenlieferung mit pharmazeutischer Beratung aus. Ein digitales Medikamentenmanagement wünschen sich 26 Prozent, Gesundheits-Checks 25 Prozent der Befragten.
Auffällig ist zugleich, dass digitale Angebote den persönlichen Kontakt nicht ersetzen sollen. Nur 17 Prozent wünschen sich einen KI-gestützten Symptomchecker als zusätzliche Apothekenleistung.
Auch beim Online-Handel zeigt sich ein klares Bild. Reine Online-Apotheken genießen nur eingeschränktes Vertrauen. 29 Prozent der Europäer vertrauen ihnen überhaupt nicht. Weitere 25 Prozent würden sie ausschließlich für rezeptfreie Arzneimittel nutzen, während 23 Prozent Online-Apotheken nur dann vertrauen, wenn diese mit einer lokalen Apotheke verbunden sind. Uneingeschränktes Vertrauen sprechen lediglich 13 Prozent reinen Online-Apotheken aus.
Beratung in der Apotheke – Kauf im Internet (Österreich)

Für öffentliche Apotheken bringt die Digitalisierung dennoch Herausforderungen mit sich. Mehr als ein Drittel der Europäer hat sich bereits in einer Apotheke beraten lassen und anschließend online eingekauft. Als wichtigste Gründe nennen die Befragten günstigere Preise und mehr Bequemlichkeit.
Europas Gesundheitssysteme stehen vor einem Wandel
Die Ergebnisse des STADA Health Reports zeigen, dass sich die Erwartungen an die Gesundheitsversorgung verändern. Die Menschen wünschen sich moderne digitale Angebote, gleichzeitig aber persönliche Ansprechpartner, denen sie vertrauen können. Prävention, Gesundheitskompetenz und eine wohnortnahe Versorgung gewinnen weiter an Bedeutung.
Gerade Österreich zeigt, dass technologische Innovationen allein nicht ausreichen. Der persönliche Kontakt zu Ärztinnen, Ärzten, Apothekerinnen und Apothekern sowie anderen Gesundheitsberufen bleibt für viele Menschen der entscheidende Faktor für Vertrauen in das Gesundheitssystem.




