Start Wissenschaft Psychische Erkrankungen nehmen weltweit deutlich zu

Psychische Erkrankungen nehmen weltweit deutlich zu

Eine neue Analyse der Global Burden of Disease Study zeigt einen starken Anstieg psychischer Erkrankungen weltweit. Auch Österreich ist von dieser Entwicklung betroffen. Fachleute sehen einen steigenden Bedarf an psychologischer und psychiatrischer Versorgung. Gleichzeitig werden neue Angebote geschaffen – von Kassenplätzen für klinisch-psychologische Behandlungen bis hin zu tagesklinischen Versorgungsmodellen.

Weltweit lebten im Jahr 2023 rund 1,17 Milliarden Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Das geht aus einer Ende Mai im Fachjournal The Lancet veröffentlichten Analyse der Global Burden of Disease Study (GBD) hervor. Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter werteten Gesundheitsdaten aus 204 Ländern und Regionen aus und untersuchten die Entwicklung psychischer Erkrankungen zwischen 1990 und 2023.

Demnach waren 2023 rund 14,2 Prozent der Weltbevölkerung von einer psychischen Störung betroffen – das entspricht fast jeder siebten Person weltweit. Gegenüber 1990 stieg die Zahl der Betroffenen um 95,5 Prozent.

Angststörungen und Depressionen besonders häufig

Die Analyse berücksichtigt zwölf psychische Störungsbilder, darunter u.a. Depressionen, Essstörungen oder ADHS. 

Besonders deutlich nahmen laut der Analyse Angststörungen und depressive Erkrankungen zu. Psychische Erkrankungen verursachen mittlerweile weltweit die höchste Zahl an gesundheitlichen Einschränkungen und zählen zu den wichtigsten Ursachen für Krankheitslast.

Die Studie zeigt außerdem, dass Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Die höchste Belastung wurde bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen festgestellt. Besonders betroffen war die Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen.

Österreich liegt über dem EU-Durchschnitt

Auch Österreich verzeichnet seit Jahren eine hohe Belastung durch psychische Erkrankungen. Laut dem „Country Health Profile 2023“ im Rahmen von „State of Health in the EU“ liegen die Prävalenzen von Angststörungen, depressiven Erkrankungen sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch über dem europäischen Durchschnitt.

Vor diesem Hintergrund weisen Fachorganisationen auf den wachsenden Bedarf an Unterstützungsangeboten hin. Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) sieht die aktuellen Daten als weiteres Signal für den Ausbau der psychischen Gesundheitsversorgung.

Seit Jänner 2026 stehen österreichweit erstmals kostenfreie Kassenplätze für klinisch-psychologische Behandlungen zur Verfügung. Nach Angaben des BÖP ist die Nachfrage nach diesem Angebot hoch.

Parallel dazu wird auch die psychiatrische Versorgungslandschaft erweitert. In der Klinik Donaustadt wurde kürzlich eine neue Psychiatrische Tagesklinik eröffnet. Das Angebot richtet sich an Menschen mit Depressionen, Angst-, Anpassungs- und Persönlichkeitsstörungen. Die Tagesklinik schließt die Lücke zwischen ambulanter und stationärer Behandlung: Patientinnen und Patienten erhalten tagsüber eine intensive therapeutische Betreuung und verbringen die Nächte weiterhin zu Hause. Die Einrichtung ergänzt bestehende tagesklinische Angebote des Wiener Gesundheitsverbunds in den Kliniken Floridsdorf, Hietzing, Landstraße und Ottakring.

Versorgungssysteme unter Druck

Die Autorinnen und Autoren der Lancet-Analyse betonen, dass psychische Erkrankungen unabhängig vom jeweiligen Gesundheitssystem in allen Regionen der Welt eine erhebliche Krankheitslast verursachen. Sie sprechen sich für bessere Datenerfassung, frühzeitige Behandlung und gezielte Präventionsmaßnahmen aus.

Auch in Österreich dürfte die Nachfrage nach psychologischen und psychiatrischen Leistungen angesichts der aktuellen Entwicklung weiter steigen. Der Ausbau niederschwelliger Angebote gilt daher als wichtiger Baustein, um Betroffenen rasch Zugang zu Unterstützung zu ermöglichen.

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