Eine aktuelle Analyse zeigt: Inhalte zu psychischen Erkrankungen auf TikTok sind häufig falsch oder irreführend. Besonders problematisch ist das für junge Nutzende, die sich dort über Symptome informieren.
Psychische Gesundheit ist auf TikTok ein viel diskutiertes Thema – allerdings oft mit problematischer Qualität. Eine aktuelle Studie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LVR-Universitätsklinik Essen sowie der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen zeigt deutliche Defizite. Demnach ist durchschnittlich nur jeder fünfte Beitrag inhaltlich korrekt.
Untersucht wurden 177 deutschsprachige Videos zu psychischen Störungen, mit insgesamt rund 94 Millionen Aufrufen. Nur 19,2 Prozent der Inhalte wurden als fachlich korrekt bewertet. Ein Drittel enthielt falsche Informationen, weitere 18,1 Prozent waren stark verallgemeinert und wissenschaftlich nicht fundiert. Knapp 30 Prozent der Videos beschränkten sich auf persönliche Erfahrungsberichte ohne medizinische Einordnung.
Typische Beispiele reichen von vereinfachten Symptomdarstellungen bis hin zu pauschalen Aussagen über psychische Erkrankungen.
Fachliche Inhalte schneiden deutlich besser ab
Die Auswertung macht deutliche Unterschiede je nach Herkunft der Inhalte sichtbar: Beiträge von Fachpersonen schneiden klar besser ab. Sie sind genauer, verständlicher aufbereitet und basieren auf wissenschaftlicher Evidenz.
Demgegenüber stehen Inhalte von Laien oder selbsternannten „Coaches“, die häufig unzureichend recherchiert sind. Diese Beiträge bergen ein erhöhtes Risiko für Fehlinformationen und Missverständnisse.
Risiko für falsche Selbstdiagnosen
Besonders bei jungen Nutzerinnen und Nutzern zeigt sich ein erhöhtes Risiko: TikTok dient vielen als niedrigschwellige Informationsquelle – auch bei gesundheitlichen Fragen. Treffen sie dabei auf verkürzte oder fehlerhafte Inhalte, kann das zu voreiligen Selbstdiagnosen führen und im schlimmsten Fall eine notwendige Behandlung verzögern.
Gleichzeitig werden psychische Erkrankungen auf der Plattform häufig vereinfacht dargestellt oder als Teil von Trends wahrgenommen. Dadurch besteht die Gefahr, dass alltägliche Belastungen oder Stimmungsschwankungen als krankhaft eingeordnet werden. Fachleute raten daher, solche Inhalte kritisch zu hinterfragen und Beschwerden stets professionell abklären zu lassen.
Mehr Präsenz von Fachkräften gefordert
Die Forschenden sehen daher Handlungsbedarf. Aaron Mroß, der gemeinsam mit Dr. Benedikt Langenbach und unter der Leitung von Prof. Dr. Katja Kölkebeck an der Studie beteiligt war, plädiert für eine stärkere Präsenz von Gesundheitsinstitutionen in sozialen Medien.
Ziel sei es, verständliche und zugleich evidenzbasierte Inhalte bereitzustellen, um Fehlinformationen entgegenzuwirken.
Zugleich weisen die Forschenden darauf hin, dass soziale Medien zwar den Austausch erleichtern, aber keine fundierte Diagnostik oder Behandlung ersetzen können. Verlässliche Informationen sind entscheidend, damit Betroffene zeitnah die passende Unterstützung und Behandlung erhalten.
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