Mit steigenden Temperaturen beginnt in Österreich wieder die Zeckensaison. Zecken können mehrere Krankheitserreger übertragen – am häufigsten Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Für Apotheken bedeutet das steigenden Beratungsbedarf zu Impfung, Prävention und Frühsymptomen.
Sobald die Temperaturen dauerhaft über etwa 10°C steigen, werden Zecken wieder aktiver. Damit beginnt üblicherweise auch die Zeckensaison. Allerdings können Zecken auch bei niedrigeren Temperaturen vorkommen. Bestimmte Arten wie die sogenannte Auwaldzecke sind auch bei kühlerem Wetter aktiv. Der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), die häufigste Zeckenart in Österreich, kann ebenfalls schon bei Temperaturen unter 10°C auftreten.
Zecken halten sich vor allem in hohem Gras, Gebüschen oder Waldrändern auf. Beim Kontakt mit Menschen oder Tieren können sie sich festsetzen und Krankheitserreger übertragen.
FSME: Österreich bleibt Endemiegebiet
Eine der wichtigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die Virusinfektion kann zu Entzündungen von Hirnhäuten, Gehirn oder Rückenmark führen.
Nach Daten der MedUni Wien mussten im Jahr 2025 in Österreich 132 Personen wegen FSME stationär behandelt werden. Besonders viele Fälle wurden in Oberösterreich registriert. Fachleute betonen jedoch, dass ganz Österreich als FSME-Endemiegebiet gilt. Die regionalen Schwerpunkte können sich von Jahr zu Jahr verschieben.
Durch mildere Winter wird FSME zudem zunehmend als Ganzjahresrisiko diskutiert. Erkrankungen können mittlerweile auch außerhalb der klassischen Zeckensaison auftreten.
Ältere Menschen besonders gefährdet
Schwere Krankheitsverläufe betreffen häufiger ältere Menschen. Besonders Personen über 50 Jahre müssen vergleichsweise oft im Krankenhaus behandelt werden. Aber auch Kinder können daran erkranken. Das zeigen Daten der hospitalisierten FSME-Erkrankten, die zum Teil auch jünger als 15 Jahre alt sind.
Die FSME-Impfung gilt daher als wichtigste Schutzmaßnahme. Der österreichische Impfplan sieht drei Teilimpfungen als Grundimmunisierung vor. Auffrischungen werden üblicherweise alle fünf Jahre, bei Personen über 60 Jahre alle drei Jahre empfohlen.
Borreliose: häufigste durch Zecken übertragene Krankheit
Noch deutlich häufiger als FSME ist die Lyme-Borreliose, eine bakterielle Infektionskrankheit. Sie wird durch Borrelien verursacht und ist die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in der nördlichen Hemisphäre. Ein relevanter Anteil der Zecken trägt diese Bakterien in sich. Symptomatisch typisch ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans) rund um die Einstichstelle. Unbehandelt kann die Infektion auch Gelenke, Nervensystem oder Herz betreffen.
Im Gegensatz zu FSME gibt es keine Impfung gegen Borreliose. Eine frühzeitige Diagnose und antibiotische Therapie sind daher entscheidend.
Neben Borreliose und FSME können Zecken auch andere Krankheitserreger übertragen, die in Österreich allerdings deutlich seltener auftreten.
Citizen-Science-Projekt sammelt Zecken
Die AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) untersucht regelmäßig Zecken und die von ihnen übertragenen Erreger. Dabei wird auch die Bevölkerung einbezogen. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 8.000 Zecken aus ganz Österreich eingesendet. Ein Teil davon trug Krankheitserreger wie Borrelien.
Auch heuer ruft die AGES wieder zur Beteiligung auf. Bürgerinnen und Bürger können gefundene Zecken an mehreren Standorten in Österreich abgeben. Die Daten helfen den Forschenden, die Verbreitung von Zeckenarten und Krankheitserregern besser zu verstehen.
Prävention bleibt zentral
Neben der Impfung gegen FSME spielen auch allgemeine Schutzmaßnahmen eine wichtige Rolle:
- geschlossene Kleidung bei Aufenthalten im hohen Gras
- Verwendung von Repellents
- gründliche Kontrolle des Körpers nach Aufenthalten im Freien
- rasches Entfernen von Zecken
Für Apotheken bedeutet der Start der Zeckensaison erfahrungsgemäß einen steigenden Beratungsbedarf. Neben Fragen zur FSME-Impfung suchen viele Patientinnen und Patienten auch Rat zu Zeckenschutzmitteln, zum richtigen Verhalten nach einem Stich oder zu möglichen Symptomen einer Infektion. Apothekenfachpersonal kann hier eine wichtige Rolle in der niederschwelligen Prävention und Aufklärung übernehmen.
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