Internationale Forschungsteams haben 58 genetische Varianten identifiziert, die mit der Entstehung von Angststörungen in Zusammenhang stehen. Die Ergebnisse könnten langfristig zu neuen Therapieansätzen führen.
Angst ist ein natürliches Grundgefühl, das in Situationen, die als bedrohlich empfundenen werden, auftritt. Sie ist ein wichtiger Schutzmechanismus, der uns vor Gefahren warnt und zu erhöhter Wachsamkeit anregt. Außerdem zeigt sie sich in Form von Besorgnis und körperlicher Erregung, etwa durch Herzklopfen oder Schwitzen. Ausgelöst wird Angst durch erwartete oder plötzlich auftretende Bedrohungen, sei es für die körperliche Unversehrtheit, das Selbstbild oder die soziale Anerkennung.
Wenn Angst krankhaft wird
Angststörungen sind eine der weltweit häufigsten psychische Erkrankungen, bei denen Angstreaktionen übermäßig, irrational oder lähmend werden. Menschen mit Angststörung erleben häufig Panikattacken, ständige Sorgen oder entwickeln Vermeidungsverhalten gegenüber bestimmten Situationen. Zu den Symptomen zählen unter anderem Herzrasen, Zittern, Schwindel, Atemnot, Schlafstörungen oder Gedankenkreisen. Rund ein Viertel der Bevölkerung ist im Laufe des Lebens von einer Angsterkrankung betroffen.
Neue Erkenntnisse zur genetischen Grundlage
In der bislang größten genetischen Studie zu Angststörungen haben Forschende der Texas A&M University, der Dalhousie University, des King’s College London und der Universitätsmedizin Würzburg die Daten von über 850.000 Personen ausgewertet. 120.000 Menschen hatten eine diagnostizierte Angststörung und 730.000 hatten keinerlei Angsterkrankung. Dabei wurden 58 genetische Varianten identifiziert, die mit Angststörungen in Zusammenhang stehen.
Die Studie zeigt, dass Angststörungen auf Basis einer genetischen Anfälligkeit („polygenes Risiko“), ähnlich wie Depressionen entstehen können. Es gibt kein einzelnes „Angstgen“, sondern viele kleine genetische Einflüsse im Zusammenspiel.
Biologische Signalwege rücken in den Fokus
Besonders auffällig war die Rolle des sogenannten GABAergen Signalwegs, der die Aktivität von Nervenzellen reguliert. GABA ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter im Gehirn und spielt eine zentrale Rolle bei der Wirkung vieler beruhigender Medikamente. Die Studie lieferte Hinweise darauf, dass auch weitere, bislang wenig erforschte Signalwege beteiligt sind.
Nach Einschätzung von Prof. John Hettema (Texas A&M University) erweitern die Ergebnisse das Verständnis der biologischen Grundlagen von Angststörungen deutlich.
Warum genetisches Wissen hilft
Die genetischen Befunde ermöglichen zukünftig eine präzisere Identifikation von Risikogruppen und könnten dazu beitragen, individualisierte Therapien zu entwickeln. Gentests zur Diagnose sind derzeit zwar nicht sinnvoll, doch das Wissen um genetische Grundlagen könnte bestehende Behandlungen verbessern.
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