Start Apotheke Boehringer steigt in Markt für Abnehmspritzen ein

Boehringer steigt in Markt für Abnehmspritzen ein

Werbung

Mit Survodutid positioniert sich Boehringer Ingelheim im wachsenden Markt für Adipositas-Therapien. Der Konzern setzt dabei auf Patientinnen und Patienten mit Begleiterkrankungen und die Qualität des Gewichtsverlusts statt auf schnelle Lifestyle-Erfolge. Erste Phase-3-Daten zeigen einen deutlichen Gewichtsverlust.

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hat mit seinem Hoffnungsträger Survodutid einen wichtigen Schritt im Markt für Abnehmmedikamente gesetzt. In einer Phase-3-Studie verloren übergewichtige Probandinnen und Probanden ohne Typ-2-Diabetes innerhalb von 76 Wochen im Schnitt 16,6 Prozent ihres Körpergewichts. In der Placebo-Gruppe lag der Gewichtsverlust bei 3,2 Prozent.

Damit positioniert sich das Unternehmen in einem stark umkämpften Markt, der aktuell von Novo Nordisk mit Wegovy und Eli Lilly mit Mounjaro dominiert wird. Während die Wirksamkeit von Survodutid in einer ähnlichen Größenordnung wie Wegovy liegt, bleibt sie hinter den Spitzenwerten von Mounjaro zurück.

Differenzierung über Wirkmechanismus

Für Shashank Deshpande, CEO von Boehringer Ingelheim, ist der spätere Markteintritt kein Nachteil. „Wir wussten ja, dass wir etwas später auf den Markt kommen werden, aber mit der Glukagon-Komponente in Survodutid haben wir uns die Möglichkeit geschaffen, uns zu differenzieren“, sagte er.

Survodutid ist ein dualer Agonist, der zwei Wirkmechanismen kombiniert. Die GLP-1-Komponente reduziert den Appetit und erhöht das Sättigungsgefühl. Der Glukagon-Anteil wirkt direkt in der Leber, fördert den Fettabbau, reguliert den Stoffwechsel und kann Entzündungen sowie Gewebeverhärtungen reduzieren.

Fokus auf Patienten mit Begleiterkrankungen

Boehringer Ingelheim setzt bewusst nicht auf kurzfristige Gewichtsreduktion aus ästhetischen Gründen. „Wenn Sie einfach nur vor dem Strandurlaub zehn Wochen vorher mal ein paar Kilo verlieren wollen, dann bin ich mir nicht sicher, ob das die Patientinnen und Patienten sind, die wir am besten bedienen können.“

Im Fokus stehen vielmehr Betroffene mit Begleiterkrankungen wie viszeralem Fett oder Lebererkrankungen wie MASH. In einer Phase-2-Studie zeigte Survodutid bei bis zu 83 Prozent der Teilnehmenden eine deutliche Verbesserung.

Erste Auswertungen zeigen zudem, dass der Gewichtsverlust überwiegend auf den Abbau von Fettgewebe zurückzuführen ist, während die Muskelmasse größtenteils stabil bleibt. Die berichteten Nebenwirkungen betreffen vor allem den Magen-Darm-Trakt, sind in der Regel jedoch nur leicht bis moderat ausgeprägt und bewegen sich im Rahmen vergleichbarer Therapien.

Milliardenmarkt mit starkem Wettbewerb

Der globale Markt für Abnehmmedikamente wächst rasant. Laut Einschätzung von Boehringer Ingelheim könnte er ein Volumen von bis zu 150 Milliarden Dollar (127,7 Mrd. Euro) erreichen. Weltweit sind mehr als eine Milliarde Menschen von Adipositas betroffen.

Konkrete Marktanteile nennt das Unternehmen nicht. Nach Einschätzung des Managements ist das Marktpotenzial jedoch groß, da viele Patientinnen und Patienten bereits andere Therapien genutzt haben und weiterhin Bedarf besteht. Gleichzeitig geht Boehringer Ingelheim davon aus, dass der Wettbewerbsdruck zunehmen wird – insbesondere durch neue Anbieter sowie den Markteintritt von Generika.

Neue Wirkstoffe und politische Herausforderungen

Neben Survodutid arbeitet Boehringer Ingelheim an weiteren Therapien im Bereich Stoffwechselerkrankungen. Ein Dreifach-Agonist soll noch dieses Jahr in die Phase-2-Entwicklung starten. Zudem arbeitet das Unternehmen an oralen Alternativen zu Abnehmspritzen – wie auch die Konkurrenzunternehmen. 

Mit Blick auf regulatorische Rahmenbedingungen warnt Deshpande jedoch vor Nachteilen für Europa. „Es muss uns allen klar sein, dass hier sicherlich die Zukunft der Pharmaindustrie ein Stück weit auf dem Spiel steht.“ Zu restriktive Erstattungsmodelle könnten dazu führen, dass Innovationen verstärkt in andere Märkte abwandern.

Studiendaten im Juni erwartet

Die detaillierten Ergebnisse der Phase-3-Studie sollen im Juni präsentiert werden. Ein konkreter Zeitpunkt für den Zulassungsantrag steht noch nicht fest. Das Unternehmen will die Einreichung jedoch so rasch wie möglich vorantreiben.

Survodutid wurde vom dänischen Unternehmen Zealand Pharma einlizenziert. Boehringer Ingelheim ist für die weltweite Entwicklung und Vermarktung verantwortlich.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
• Novo Nordisk senkt Wegovy®-Preis deutlich

Neue Artikel

Rauchen schadet den Augen stärker als gedacht

Rauchen zählt zu den größten vermeidbaren Risiken für die Augengesundheit. Neue Daten zeigen, wie stark Tabakkonsum das Risiko für...

St. Anna Kinderspital startet digitalen Survivorship Passport

Ein neues digitales Angebot soll die lebenslange Nachsorge von ehemaligen Kinderkrebspatientinnen und -patienten verbessern. Das St. Anna Kinderspital integriert...

Asthma in der Allergiezeit: Neue Therapien im Fokus

Die Allergiesaison wird für viele Menschen mit Asthma zur Dauerbelastung. Moderne Therapien setzen gezielt an den Ursachen der Entzündung...

Kinderapotheke im Wiener Apothekerhaus: Pharmazie spielerisch entdecken

Wie arbeitet eine Apotheke? Die Kinderapotheke im Wiener Apothekerhaus gibt am 28. und 29. Mai 2026 praxisnahe Einblicke und...

 Weitere Artikel

Rauchen schadet den Augen stärker als gedacht

Rauchen zählt zu den größten vermeidbaren Risiken für die Augengesundheit. Neue Daten zeigen, wie stark Tabakkonsum das Risiko für...

St. Anna Kinderspital startet digitalen Survivorship Passport

Ein neues digitales Angebot soll die lebenslange Nachsorge von ehemaligen Kinderkrebspatientinnen und -patienten verbessern. Das St. Anna Kinderspital integriert...

Asthma in der Allergiezeit: Neue Therapien im Fokus

Die Allergiesaison wird für viele Menschen mit Asthma zur Dauerbelastung. Moderne Therapien setzen gezielt an den Ursachen der Entzündung...