Mikroorganismen in Tumoren wirken aktiv auf Tumorbiologie und Immunantwort. Ein internationales Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung fordert nun standardisierte Methoden zur Analyse – mit Blick auf personalisierte Therapien.
Bakterien, Pilze und Viren sind nicht nur Begleiter von Tumorerkrankungen, sondern können aktiv in Krankheitsverläufe eingreifen. Darauf weist ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung von Maria Rescignovom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien hin. In einem Konsensartikel im Fachjournal „Cancer Cell“ fassen die Wissenschafterinnen und Wissenschafter den aktuellen Stand zur sogenannten Tumormikrobiota zusammen.
Mikroben beeinflussen auch entfernte Tumore
Insbesondere Darmmikroben spielen laut Studien eine zentrale Rolle bei der Krebsentstehung und können den Erfolg von Immuntherapien maßgeblich beeinflussen. Veränderungen dieser mikrobiellen Gemeinschaften wirken sich jedoch nicht nur auf Tumore im Darm aus. Auch Tumore in Gehirn, Leber, Bauchspeicheldrüse, Brust, Knochen und Haut können betroffen sein.
Die Mechanismen dahinter sind vielfältig: Mikrobielle Bestandteile wie Zellwandfragmente oder Nukleinsäuren können über den Blutkreislauf in Tumorgewebe gelangen und dort die lokale Immunaktivität beeinflussen. Zudem können lebende Mikroorganismen aus dem Darm oder anderen Schleimhäuten direkt in Tumore eindringen.
Keine passiven Begleiter
„Tumorassoziierte Mikroben sind keine passiven Begleiter, sondern aktive Modulatoren der Tumorbiologie und der Therapieantwort“, erklärte Maria Rescigno in einer Aussendung. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus den USA, Israel und Italien hat sie die aktuelle Evidenzlage systematisch aufgearbeitet.
Forschung steht vor methodischen Hürden
Die Analyse der Tumormikrobiota ist jedoch komplex. Mikroorganismen kommen im Tumorgewebe oft nur in sehr geringer Menge vor. Gleichzeitig besteht ein hohes Risiko für Kontaminationen und methodische Verzerrungen. Das Forschungsteam identifizierte daher zentrale Herausforderungen und schlägt standardisierte Verfahren vor, um reproduzierbare Ergebnisse zu ermöglichen. Ziel sei es, die Forschung stärker auf klinisch relevante Fragen auszurichten.
Potenzial für personalisierte Therapien
Im Fokus steht künftig die Frage, wie Mikroben gezielt für die Krebsbehandlung genutzt werden können. Denkbar ist etwa ihr Einsatz als Biomarker zur Vorhersage von Therapieerfolgen. „Ein besseres Verständnis der Rolle der Tumormikrobiota wird entscheidend sein, um gezieltere therapeutische Strategien zu entwickeln“, betonte Rescigno.
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