Ein neues Verfahren aus Großbritannien liefert bei Harnwegsinfektionen binnen sechs Stunden ein Ergebnis zur Antibiotika-Empfindlichkeit. Das könnte die Therapie deutlich beschleunigen und gezielter machen.
Harnwegsinfektionen zählen zu den häufigsten bakteriellen Erkrankungen weltweit. Millionen Betroffene erhalten jährlich Antibiotika. Doch in vielen Fällen wirkt das zuerst eingesetzte Medikament nicht. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrifft das rund ein Drittel der Infektionen. Die Folgen sind verzögerte Heilung, zusätzliche Arztkontakte und ein erhöhtes Risiko für Komplikationen.
Forschende der University of Reading haben nun ein Verfahren entwickelt, das die Bestimmung der Antibiotika-Empfindlichkeit deutlich beschleunigt. Statt wie bisher zwei bis drei Tage auf ein Ergebnis zu warten, liefert der neue Test innerhalb von rund sechs Stunden eine verlässliche Grundlage für die Therapieentscheidung.
Bisherige Diagnostik braucht Zeit
Aktuell erfolgt die Diagnostik über eine Keimkultur im Labor. Labore bebrüten die Urinprobe zunächst über Nacht, damit sich die Bakterien vermehren. Erst danach testen sie, welche Antibiotika wirksam sind. Dieser Prozess verzögert den Therapiebeginn oder führt dazu, dass zunächst ein Breitbandantibiotikum eingesetzt wird. Gerade im niedergelassenen Bereich und in der Akutversorgung ist das ein Problem. Patientinnen und Patienten beginnen die Behandlung oft, bevor ein Ergebnis vorliegt. Ist das gewählte Antibiotikum unwirksam, muss die Therapie später angepasst werden.
Der Bedarf an schnelleren Resistenztests ist seit Jahren bekannt. Antibiotika-Empfindlichkeitstests werden benötigt, um den gezielten Einsatz von Antibiotika zu ermöglichen und Behandlungsergebnisse zu verbessern. Gerade bei Harnwegsinfektionen ist die Zahl der Proben hoch. Allein in Großbritannien werden jährlich mehr als 65 Millionen Urinproben in Labors untersucht.
Vor diesem Hintergrund entwickelte ein Forschungsteam der University of Reading das neue Testverfahren, das deutlich schneller Ergebnisse liefert. Die Leistungsfähigkeit der Methode wurde in Studien im Fachjournal „Journal of Antimicrobial Chemotherapy“ untersucht.
Einfaches Testprinzip mit schneller Auswertung
Das neue Verfahren setzt direkt an der Urinprobe an. Eine spezielle Kartusche enthält mehrere feine Röhrchen, die jeweils mit unterschiedlichen Antibiotika befüllt sind. Diese wird in die Probe eingebracht und anschließend in ein Analysegerät eingesetzt. Dieses erfasst mittels optischer Bildgebung, ob Bakterien wachsen oder nicht. Bleibt das Wachstum aus, wirkt das jeweilige Antibiotikum. Vermehren sich die Keime weiter, besteht eine Resistenz. Ärztinnen und Ärzte erhalten so noch am selben Tag eine klare Entscheidungsgrundlage.
Hohe Genauigkeit in Studien
Die Methode wurde mit 352 Urinproben im Basingstoke and North Hampshire Hospital getestet. Untersucht wurden gängige Wirkstoffe wie Ampicillin, Amoxicillin/Clavulansäure, Nitrofurantoin, Trimethoprim, Ciprofloxacin, Cefalexin und Cefoxitin. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Übereinstimmung mit etablierten Referenzmethoden. In der Studie lag diese bei 96,95 Prozent. Eine zweite Untersuchung mit 90 Duplikatproben erreichte sogar 98,75 Prozent Übereinstimmung. Die Resultate waren unabhängig davon, ob die Proben mit oder ohne Konservierungsmittel gelagert wurden.
Relevanz für Praxis und Antibiotikaeinsatz
Schnell verfügbare Testergebnisse könnten den Umgang mit Antibiotika wesentlich verbessern. Eine gezielte Therapie reduziert unnötige Wirkstoffwechsel und senkt das Risiko für Resistenzentwicklung.
Für Apotheken und ärztliche Praxen bedeutet das potenziell weniger Rückfragen, klarere Therapieentscheidungen und eine bessere Beratung. Auch die Gefahr schwerer Verläufe könnte sinken, wenn rascher das passende Antibiotikum eingesetzt wird.
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