Start Wissenschaft Mit Augentropfen gegen Altersweitsichtigkeit

Mit Augentropfen gegen Altersweitsichtigkeit

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Mit zunehmendem Alter ist der Großteil der Menschen von der sogenannten Altersweitsichtigkeit betroffen. Was früher unweigerlich zum Kauf einer Lesebrille geführt hat, kann nun – zumindest für zehn Stunden – mit Augentropfen „behandelt“ werden. Die entsprechende FDA-Zulassung für das Produkt VizzTM wurde vor Kurzem erteilt.

Presbyopie (auch Alterssichtigkeit oder Altersweitsichtigkeit) ist keine klassische Erkrankung, sondern eine physiologische Veränderung des Auges im Alter. Um ein scharfes Bild sehen zu können, ist u.a. die Krümmung der Linse im Auge notwendig, die Einstellung der Linsenform für die Sehschärfe wird als Akkommodation bezeichnet.

Mit dem Alter nimmt jedoch die Elastizität der Linse und damit folglich auch die Akkommodationsfähigkeit ab. Meist macht sich dann das unscharfe Sehen in der Nähe zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr erstmals bemerkbar, von dem weltweit geschätzt über eine Milliarde Menschen betroffen sind.

Aceclidin statt Brille?

Lösungsansatz dieses Problems waren bisher das Tragen einer Lese- oder Gleitsichtbrille bzw. von Kontaktlinsen, was aber zum Teil als störend empfunden werden kann. Ein neuer Ansatz könnte nun das Produkt VizzTM der amerikanischen Firma Lenz Therapeutics sein: Augentropfen mit dem Wirkstoff Aceclidin.

Aceclidin bewirkt selektiv eine leichte Verengung der Pupille: Es kontrahiert den Sphinktermuskel der Iris, das führt zu einem Pinhole- bzw. Lochblendeneffekt. Dieser Pinhole-Effekt beschreibt die optische Eigenschaft, dass Licht, das durch ein kleines Loch (Pinhole) fällt, ein schärferes Bild erzeugt. Grund dafür ist, dass das kleine Loch nur einen kleineren Teil des Lichtes durchlässt – dadurch wird vermieden, dass Lichtstrahlen, die nicht genau auf den Brennpunkt treffen würden, eindringen und das Bild unscharf machen. Folglich wird durch diese Verengung die Tiefenschärfe im Auge und die Nahsicht für die Betroffenen deutlich verbessert, aber ohne dass es zu einer myopischen Verschiebung kommt.

Die FDA-Zulassung des Produkts basiert laut Herstellerangaben auf den Ergebnissen von drei randomisierten, kontrollierten Doppelblind-Studien. In den ersten beiden wurden die Augentropfen bei insgesamt über 400 Teilnehmenden über 42 Tage einmal täglich angewandt: Die Nahsicht verbesserte sich reproduzierbar innerhalb von 30 Minuten, der Effekt hielt bis zu zehn Stunden an. In der dritten Studie wurden die Augentropfen nochmals von über 200 Probanden ebenfalls einmal täglich, aber über einen Zeitraum von sechs Monaten angewandt. In allen Studien zeigte sich eine gute Verträglichkeit, als Nebenwirkungen wurden beispielsweise Reizungen an der Applikationsstelle oder Kopfschmerzen genannt, die meisten unerwünschten Reaktionen waren leicht, vorübergehend und klangen von selbst ab.

Das Konzept Augentropfen gegen Alterssichtigkeit ist nicht komplett neu – so wurden in den letzten Jahren in den USA beispielsweise zwei Produkte von der FDA in dieser Indikation zugelassen: QlosiTM von Orasis Pharmaceuticals und Vuity® von der Firma AbbVie, beide mit dem Wirkstoff Pilocarpin HCl. Pilocarpin ist ein direktes Parasympathomimetikum, stimuliert den Akkommodationsmuskel, senkt den Augeninnendruck und verengt die Pupille. Der neue Wirkstoff Aceclidin in VizzTM wirkt hingegen selektiver auf die Pupille und nur gering auf den Ziliarmuskel, auch zeigt das Produkt mit bis zu zehn Stunden eine längere Wirkdauer im Vergleich zu den sechs bzw. acht Stunden der beiden pilocarpinhaltigen Präparate.

Ausblick Europa?

Die FDA hat die Zulassung für VizzTM Ende Juli 2025 erteilt, in den USA sollen laut herstellendem Unternehmen Muster im Oktober 2025 und das Produkt flächendeckend Mitte Q4 2025 verfügbar sein. In Europa wird es wohl noch etwas länger dauern, bei Redaktionsschluss war noch kein Zeitraum bekannt gegeben.

Quellen:

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