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Österreicher sehen Gesundheitsversorgung zunehmend kritisch

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Eine neue Umfrage des Austrian Health Forum zeigt wachsende Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem. Gleichzeitig unterstützt eine Mehrheit Reformideen wie mehr Kompetenzen für Apotheken oder eine stärkere Steuerung über die Gesundheitshotline 1450.

Die Zufriedenheit mit dem österreichischen Gesundheitssystem sinkt weiter. Gleichzeitig zeigt sich die Bevölkerung in vielen Bereichen reformbereit. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Austrian Health Forum (AHF) vor seinem Kongress Ende Mai in Schladming präsentiert hat.

Für die Erhebung befragte Demox Research im Mai 2026 insgesamt 1.000 Personen ab 16 Jahren in Österreich.

Mehrheit zweifelt an Reformfähigkeit der Politik

Laut Umfrage glauben 68 Prozent der Befragten nicht, dass es der Politik gelingen wird, die aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen zu bewältigen. Nur 15 Prozent trauen der Politik entsprechende Reformen zu. 82 Prozent rechnen in naher Zukunft mit Einschnitten im Gesundheitssystem – etwa durch Leistungskürzungen, höhere Selbstbehalte oder zusätzliche Kosten.

„Die Menschen spüren die dringende Notwendigkeit einer umfassenden Gesundheitsreform. Jetzt geht es darum, mit mutigen Schritten Handlungsfähigkeit zu beweisen“, erklärte Christoph Hörhan, Gründer des Austrian Health Forum.

Reformbereitschaft bei Apotheken und Patientensteuerung

Die Befragung zeigt zugleich Offenheit gegenüber mehreren Reformansätzen. Besonders hoch ist die Zustimmung zu Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel: 86 Prozent befürworten eine Attraktivierung der Gesundheitsberufe bereits beim Berufseinstieg. 80 Prozent sprechen sich für eine stärkere Einbindung von Wahlärztinnen und Wahlärzten in das öffentliche System aus. 66 Prozent können sich vorstellen, dass qualifiziertes Fachpersonal in Apotheken zusätzliche medizinische Leistungen übernimmt, die bisher Ärztinnen und Ärzten vorbehalten waren.

Auch die Steuerung von Patientinnen und Patienten über die Gesundheitshotline 1450 stößt auf Zustimmung. 53 Prozent würden sich nach einer telefonischen Abklärung einem Arzt oder einer Ärztin zuweisen lassen. 58 Prozent wären bereit, für einen schnelleren Termin einen vorgegebenen Behandlungspfad einzuhalten.

Die APA verweist darauf, dass ähnliche Zustimmungswerte zu erweiterten Leistungen in Apotheken bereits in früheren Befragungen erhoben wurden.

Skepsis bei Spitalsstandorten

Zur Diskussion um Krankenhausstandorte zeigt sich die Bevölkerung gespalten. 42 Prozent würden längere Fahrzeiten akzeptieren, wenn dadurch eine bessere spezialisierte Versorgung möglich wäre. Gleichzeitig lehnen 51 Prozent eine Reduktion von Spitalsstandorten im eigenen Bezirk strikt ab.

Immer mehr Menschen nutzen Privatangebote

Viele Menschen greifen laut Umfrage inzwischen auf private Gesundheitsleistungen zurück. 51 Prozent haben in den vergangenen sechs Monaten eine Wahlärztin oder einen Wahlarzt konsultiert. Laut APA lag dieser Wert 2025 noch bei 46 Prozent. 29 Prozent verfügen mittlerweile über eine private Kranken-Zusatzversicherung. Weitere 14 Prozent planen laut Umfrage den Abschluss einer solchen Versicherung.

Zufriedenheit sinkt weiter

Insgesamt geben 55 Prozent an, mit der medizinischen Versorgung in Österreich zufrieden zu sein. Gleichzeitig bezeichnen sich bereits 44 Prozent als unzufrieden. Laut APA sind davon 13 Prozent „sehr unzufrieden“ und 31 Prozent „eher unzufrieden“.

64 Prozent der Befragten sehen eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung. Als Hauptprobleme nennen sie längere Wartezeiten, schwierige Terminvergaben und Ärztemangel. Die Qualität medizinischer Behandlungen kritisieren hingegen vergleichsweise wenige Befragte.

„Die Kritik der Bevölkerung zielt vor allem auf organisatorische Aspekte des Gesundheitswesens und die Sicherung der Versorgung ab“, sagte Christoph Hörhan. „Allerdings ist jetzt der Zeitpunkt für grundlegende Reformen, um die teilweise 50 Jahre alten Strukturen den heutigen Anforderungen anzupassen.“

Das Austrian Health Forum findet von 28. bis 30. Mai 2026 in Schladming statt. Dort diskutieren rund 400 Expertinnen und Experten aus Medizin, Wissenschaft und Politik über die Zukunft des österreichischen Gesundheitssystems.

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