Start Wissenschaft Neuer Antikörper zeigt Potenzial bei Lupus-Therapie

Neuer Antikörper zeigt Potenzial bei Lupus-Therapie

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Eine beim Europäischen Rheumatologenkongress (EULAR) präsentierte Studie macht Hoffnung für Menschen mit systemischem Lupus erythematodes. Der monoklonale Antikörper Dapirolizumab Pegol verbesserte bei vielen Betroffenen die Krankheitskontrolle deutlich. Zudem gelang es häufiger, die Kortison-Dosis zu reduzieren.

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) zählt zu den schwersten Autoimmunerkrankungen. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Zellbestandteile und löst Entzündungen aus, die nahezu jedes Organsystem betreffen können. Typische Beschwerden sind starke Müdigkeit, Gelenksschmerzen, Hautveränderungen und Organbeteiligungen, insbesondere der Nieren. Die Erkrankung verläuft häufig schubweise und betrifft überwiegend Frauen im jungen bis mittleren Erwachsenenalter.

Neue Therapie beim EULAR-Kongress vorgestellt

Beim Jahreskongress der European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR) in London wurden nun Ergebnisse einer internationalen Phase-III-Studie mit dem Wirkstoff Dapirolizumab Pegol präsentiert. Die Untersuchung wurde zudem zeitgleich im Fachjournal The Lancet veröffentlicht. An der klinischen Studie in 25 Ländern waren auch Rheumatologinnen und Rheumatologen aus Wien und Linz beteiligt.

Die derzeit verfügbaren Behandlungen – darunter Kortison, Antimalariamittel, Immunsuppressiva und bereits zugelassene monoklonale Antikörper – können die Erkrankung oft nur begrenzt kontrollieren. 

Die Studienautorinnen und -autoren schreiben dazu: „Dennoch benötigen viele SLE-Patienten weiterhin eine Langzeittherapie mit Kortison, die mit einem erhöhten Risiko für Organschäden einhergeht. (…) Daher sind Therapien erforderlich, die eine umfassende und dauerhafte Krankheitskontrolle über alle Organsysteme hinweg gewährleisten, die Symptome der Patienten verbessern und den Einsatz von Kortison minimieren.“

Angriffspunkt im Immunsystem

Dapirolizumab Pegol ist ein monoklonaler Antikörper, der an den sogenannten CD40-Liganden bindet. Dieser spielt eine wichtige Rolle bei der Aktivierung verschiedener Immunzellen und damit bei Entzündungsreaktionen.

Durch die Blockade dieses Signalwegs soll die fehlgeleitete Immunreaktion bei Lupus abgeschwächt werden.

Deutlich bessere Krankheitskontrolle

In die Studie wurden 321 Patientinnen und Patienten mit moderatem bis schwerem SLE aufgenommen. Zwei Drittel erhielten zusätzlich zur Standardtherapie einmal monatlich eine Infusion mit Dapirolizumab Pegol. Die übrigen Teilnehmenden bekamen ein Placebo. Für die endgültige Auswertung standen Daten von 315 Personen zur Verfügung.

Die Ergebnisse fielen zugunsten der neuen Therapie aus: 50 Prozent der mit Dapirolizumab Pegol behandelten Personen zeigten eine Verbesserung aller ursprünglich betroffenen Organsysteme. In der Placebogruppe traf dies auf 35 Prozent der Teilnehmenden zu. Der Anteil jener Patientinnen und Patienten mit nur noch geringer Krankheitsaktivität und niedrigem Kortisonbedarf stieg in der mit Wirkstoff behandelten Gruppe von null auf 41 Prozent. In der Placebogruppe erreichten dieses Ziel 20 Prozent.

Weitere Studie bereits gestartet

Auf Basis der vorliegenden Daten startete bereits eine weitere ähnliche Studie begonnen. Sie soll die Wirksamkeit und Sicherheit des Antikörpers zusätzlich bestätigen.

Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter halten in ihrer Publikation fest: „Dapirolizumab Pegol führte zu einer signifikanten Verbesserung der Krankheitsaktivität bei Patienten mit SLE. Diese Ergebnisse unterstützen die weitere Erforschung von Dapirolizumab Pegol als Behandlungsoption für SLE.“

Sollten die Ergebnisse bestätigt werden, könnten in weiterer Folge Zulassungsanträge bei den Arzneimittelbehörden eingereicht werden.

Bedarf an neuen Therapien bleibt hoch

Der Bedarf an wirksameren Behandlungen ist groß. Bei besonders schweren Verläufen wird derzeit sogar die CAR-T-Zell-Therapie untersucht. Dabei werden körpereigene Immunzellen so verändert, dass sie fehlgeleitete Bestandteile des Immunsystems gezielt beseitigen und gewissermaßen einen „Neustart“ des Immunsystems ermöglichen sollen.

Ob Dapirolizumab Pegol künftig eine neue Standardoption für Menschen mit systemischem Lupus erythematodes werden kann, müssen die laufenden Untersuchungen zeigen. Die aktuellen Daten deuten jedoch auf einen möglichen Fortschritt bei einer Erkrankung hin, deren Behandlung seit Jahren eine große Herausforderung darstellt.

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