Start Apotheke APOkongress 2026: Auftakt mit klaren Botschaften aus Pörtschach

APOkongress 2026: Auftakt mit klaren Botschaften aus Pörtschach

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Beim APOkongress 2026 in Pörtschach rückt die Wundversorgung in den Fokus – praxisnah und alltagsrelevant. Zum Auftakt nutzte die Apothekerkammer die Bühne aber auch für standespolitische Themen: von Elaboration über Honorierung bis hin zum Impfen in der Apotheke. Rund 330 Apothekerinnen und Apotheker sind vor Ort.

Pörtschach ist für viele mehr als ein Fortbildungskongress. Für Mag.pharm. Raimund Podroschko, erster Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, ist es „sein Lieblingskongress“. Nicht nur wegen des Ortes, sondern wegen des inhaltlichen Anspruchs: „Pörtschach blick über den Tellerrand“, so Podroschko bei der Eröffnung. 

Wundversorgung im Fokus der Praxis

Der diesjährige Schwerpunkt „Wundversorgung – einfach und praxisnah“ zieht sich durch das gesamte Programm. Dahinter steht ein klarer Anspruch: Alltagssituationen aus der Offizin aufzugreifen und konkret zu beantworten.

Mag.pharm. Karoline Sindelar, Teil des Tagungspräsidiums, brachte es in ihren Eröffnungsworten auf den Punkt: „Schauen’s, ich hab da was. Was kann ich denn da drauf geben?“ Dieser Satz sei tägliche Realität in Apotheken. Ziel des Kongresses sei es daher, Apothekerinnen und Apothekern „das nötige Handwerkszeug“ zu geben, um Patientinnen und Patienten evidenzbasiert beraten zu können. 

Das Programm deckt die Bandbreite der Wundversorgung ab: von chronischen Wunden und dem diabetischen Fuß über akute Verletzungen und Brandwunden, Phytotherapie bis hin zu Ernährung, Schlaf und sogar KI-gestützter Wundanalyse. 

Austausch als zentrales Element

Neben der fachlichen Fortbildung betonte Podroschko die Bedeutung des direkten Austauschs. Pörtschach sei eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Funktionärinnen und Funktionäre sowie Kammermitarbeitende unmittelbar mit Apothekerinnen und Apothekern ins Gespräch kommen.

Mit rund 330 Teilnehmenden ist der Kongress auch 2026 stark nachgefragt. Die APOkongresse sind stets gut besucht, seit der Einführung der verpflichtenden Fortbildung jedoch regelmäßig ausgebucht. Man habe darauf reagieren wollen, so Mag.pharm. Stefan Deibl, MSc PhD, Leiter der Fortbildungsabteilung. Die Apothekerkammer werde daher 2027 einen Testbetrieb zur Kapazitätserweiterung starten: Durch eine Verdichtung auf zwei parallele Zeitfenster (Fr–Sa und So–Mo) soll die Teilnehmerzahl auf etwa 600 steigen. 

Klare Kritik an Rahmenbedingungen

Die Eröffnungsrede nutzte Podroschko bewusst, um zentrale standespolitische Themen anzusprechen – und fand dabei deutliche Worte.

Elaboration: Erfolg gegen Einschränkungen
Ein wichtiger Punkt war die sogenannte Elaboration, also die Vorratsproduktion von Arzneimitteln in Apotheken. Eine geplante Einschränkung hätte diese Tätigkeit auf bestimmte Apotheken begrenzt. „Wir sind daher von Pontius zu Pilatus gelaufen“, schilderte Podroschko die Verhandlungen. Letztlich sei es gelungen, die Regelung abzuwenden – die Elaboration bleibe weiterhin allen Apotheken möglich. 

Wirtschaftsverhandlungen: „Keine Augenhöhe“
Deutlich kritischer fiel seine Bilanz zu den laufenden Wirtschaftsverhandlungen aus. Zwar würden die Umsätze steigen, die Deckungsbeiträge jedoch stagnieren oder sinken. Das habe man den Stakeholdern klarmachen wollen. Die Reaktion des Dachverbands der Sozialversicherungen zitierte Podroschko wörtlich: „Nett, aber wir haben kein Geld“– später sogar: „Seid froh, dass wir euch nichts wegnehmen“. Für ihn ist klar: So sehen keine „Verhandlungen auf Augenhöhe“ aus. 

Medikationsanalyse: Bewegung über Umwege
Als zentrales Zukunftsthema nannte Podroschko die Medikationsanalyse. Pilotprojekte hätten gezeigt, dass sie Patientinnen und Patienten nützt und das Gesundheitssystem entlastet.

Da öffentliche Finanzierung derzeit fehlt, verhandelt die Apothekerkammer mit privaten Krankenversicherungen. Zwei Anbieter seien konkret interessiert. „Wenn alles gut geht, werden die Verträge in den nächsten Wochen unterzeichnet“, so Podroschko. Rund 100.000 Versicherte könnten davon profitieren – langfristig sei jedoch eine flächendeckende Lösung über die gesetzliche Krankenversicherung das Ziel. 

Impfen in der Apotheke: in der Warteschleife
Auch das Thema „Impfen in der Apotheke“ sprach Podroschko an. Trotz politischer Ankündigungen liege bislang kein Gesetzesentwurf vor. Die Gespräche seien zwar „grundsätzlich positiv“, dennoch kritisierte er mangelnden Fortschritt: Die Politik habe sich noch nicht „getraut“, den nächsten Schritt zu setzen. Hinter den Verzögerungen vermutet er Interessen, die „mit Apotheken gar nichts zu tun haben“.

Ein Kongress zwischen Praxis und Politik

Der APOkongress 2026 zeigt einmal mehr seine doppelte Rolle: fachliche Fortbildung auf hohem Niveau und Plattform für berufspolitische Standortbestimmung. Während im Congress Center Wörthersee über Wundversorgung diskutiert wird, werden zugleich zentrale Weichen für die Zukunft der Apotheke gestellt. Pörtschach bleibt damit ein Ort, an dem Praxis und Politik eng miteinander verknüpft sind.

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