Die Österreichische Gesundheitskasse verzeichnet einen deutlichen Anstieg dokumentierter Adipositasdiagnosen bei Kindern und Jugendlichen. Innerhalb von zwei Jahren stieg die Zahl von 775 auf 1.415. Auch die ambulanten Behandlungen haben stark zugenommen. Die ÖGK verweist auf die Bedeutung frühzeitiger Prävention und ausreichender Bewegung.
Die Zahl der bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) dokumentierten Adipositasdiagnosen bei Kindern und Jugendlichen ist innerhalb von zwei Jahren um rund 83 Prozent gestiegen. Erfasst wurden Versicherte im Alter von null bis 17 Jahren. Auch bei den ambulanten Behandlungen zeigt sich eine deutliche Zunahme: Während 2024 insgesamt 503 Kinder und Jugendliche ambulant wegen Adipositas behandelt wurden, waren es 2025 bereits 1.047. Die meisten Diagnosen wurden im Vorjahr in der Steiermark dokumentiert, gefolgt von Salzburg.
Die Zahlen zeigen eine deutliche Zunahme der erfassten Fälle. Wie sich die tatsächliche Erkrankungshäufigkeit in der gesamten Altersgruppe entwickelt hat, lässt sich daraus allein jedoch nicht ableiten.
WHO-Bericht: Viele Schulkinder betroffen
Auch die Ergebnisse der österreichischen Childhood Obesity Surveillance Initiative (COSI) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verdeutlichen die Bedeutung des Themas. Dem aktuellen Bericht zufolge ist rund jeder dritte Bub und jedes vierte Mädchen in der dritten Schulstufe von Übergewicht oder Adipositas betroffen.
Als mögliche Einflussfaktoren nennt der Bericht unter anderem eine verkürzte Schlafdauer, einen erhöhten Medienkonsum und das Bildungsniveau der Eltern. Gleichzeitig wurden an Schulen Verbesserungen beim Angebot von Obst und Gemüse sowie bei gesundheitsfördernden Projekten festgestellt. Der Bericht sieht sowohl im schulischen als auch im familiären Umfeld wichtige Ansatzpunkte für eine frühzeitige Prävention.
Bewegung als Bestandteil der Prävention
Die ÖGK betont insbesondere die Bedeutung regelmäßiger körperlicher Aktivität. Für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren werden täglich mindestens 60 Minuten Bewegung mit mittlerer bis höherer Intensität empfohlen. Kindergartenkinder sollten insgesamt mindestens drei Stunden pro Tag körperlich aktiv sein, davon zumindest eine Stunde mit mittlerer bis höherer Intensität.
Dafür ist nicht zwingend die Mitgliedschaft in einem Sportverein erforderlich. Auch Alltagsaktivitäten wie Radfahren, Wege zu Fuß, Tanzen oder Bewegungsspiele können dazu beitragen. Regelmäßige Bewegung stärkt Muskeln und Knochen und wirkt sich positiv auf Konzentration, Selbstbewusstsein und psychische Gesundheit aus.
Angesichts des verbreiteten Medienkonsums, können gemeinsame Aktivitäten und bildschirmfreie Zeiten bewusst in den Familienalltag eingeplant werden.
Adipositas kann bereits im Kindesalter Folgen haben
Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die bereits bei Kindern mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen verbunden sein kann. Dazu zählen Bluthochdruck, Fettleber und Stoffwechselerkrankungen. Auch psychische Belastungen können auftreten.
Die ÖGK empfiehlt Eltern, mögliche Gewichtsprobleme frühzeitig anzusprechen, ohne Kinder unter Druck zu setzen. Bei Sorgen um das Gewicht eines Kindes wird eine Abklärung bei einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt empfohlen.
Zur Unterstützung betroffener Familien bietet die Gesundheitskasse die kostenlosen Programme „easykids“ und „easykids fix“ für übergewichtige Kinder zwischen sechs und 14 Jahren an. Die Angebote verbinden Bewegung, ausgewogene Ernährung und die Förderung eines gesunden Selbstbewusstseins. Eltern werden in die Programme einbezogen.
Weitere Informationen zu den Angeboten stellt die ÖGK unter www.oegk.at/kids bereit.




