Hitze, Waldbrandrauch, veränderte Übertragungsrisiken für Infektionskrankheiten und eine steigende Belastung durch allergene Pollen: Der Klimawandel wirkt sich zunehmend auf die Gesundheit der Bevölkerung europäischer Städte aus. Der „2026 Europe Cities Report“ des Lancet Countdown zeigt zugleich, dass die bisherigen Anpassungsmaßnahmen nicht ausreichen.
Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels werden in Europas Städten immer deutlicher. Besonders sichtbar ist die Entwicklung bei hitzebedingten Todesfällen. Doch auch die klimatischen Bedingungen für die Übertragung bestimmter Infektionskrankheiten verändern sich. Gleichzeitig steigt in vielen Städten die Belastung durch allergene Pollen.
Das zeigt der „2026 Europe Cities Report of the Lancet Countdown on health and climate change“, der in „The Lancet Public Health“ veröffentlicht wurde. 58 Wissenschafterinnen und Wissenschafter aus 31 wissenschaftlichen Einrichtungen entwickelten dafür 28 Indikatoren zu Klimawandel und Gesundheit. Je nach untersuchtem Indikator flossen Daten aus bis zu 885 Städten in 32 Ländern ein.
Hitzebedingte Sterblichkeit steigt
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei der Hitze. Für 845 Städte untersuchten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter die Veränderung der hitzebedingten Sterblichkeit bei Menschen ab 20 Jahren.
In 834 dieser Städte (98,7 %), nahm die geschätzte hitzebedingte Sterblichkeit zu. Im Zeitraum 2015 bis 2024 lag sie im Durchschnitt um 82 jährliche Todesfälle pro eine Million Einwohner höher als zwischen 1991 und 2000. Besonders stark betroffen waren Städte in Südeuropa. Dort betrug der durchschnittliche Anstieg 132 Todesfälle pro eine Million Einwohner. Die Studienautorinnen und -autoren sehen deshalb einen weiteren Bedarf an Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen.
Waldbrandrauch belastet die Gesundheit
Auch Waldbrände stellen ein Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung europäischer Städte dar. Der dabei entstehende Feinstaub kann über weite Entfernungen transportiert werden und die Luftqualität auch fernab der Brände beeinträchtigen. Die Studie zeigt dabei deutliche Unterschiede zwischen den untersuchten Städten und keinen einheitlichen Trend für Europa.
Bedingungen für Dengue, Chikungunya und Zika verändern sich
Der Klimawandel beeinflusst auch die Bedingungen für die Übertragung von Infektionskrankheiten. Die Studie untersuchte dazu unter anderem die klimatische Eignung für Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren.
Für Dengue stieg das durchschnittliche modellierte Übertragungsrisiko in europäischen Städten zwischen 2015 und 2024 gegenüber dem Vergleichszeitraum 1981 bis 2010 um 110,5 Prozent. Am stärksten war die Zunahme in osteuropäischen Städten. Ähnliche Entwicklungen zeigten die Berechnungen für Chikungunya und Zika.
Auch für nicht Cholera verursachende Vibrionen haben sich die Bedingungen verändert. Diese Bakterien kommen in warmem Salzwasser vor. Die durchschnittliche Zahl europäischer Städte mit geeigneten Bedingungen für eine Übertragung nahm im Vergleich der untersuchten Zeiträume um 19 Prozent zu.
Mehr Belastung durch allergene Pollen
Auch Allergien rücken stärker in den Fokus. Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter untersuchten Veränderungen bei Birken-, Erlen- und Olivenpollen.
In west- und osteuropäischen Städten nahm die saisonale Konzentration von Birkenpollen gegenüber dem Zeitraum 1991 bis 2000 zu. Zudem begann die Birkenpollensaison in nahezu allen untersuchten europäischen Städten ein bis zwei Wochen früher. In südeuropäischen Städten startete die Olivenpollensaison zwei bis drei Wochen früher und ging mit höheren Pollenkonzentrationen einher.
Grünflächen können Hitzebelastung reduzieren
Die Studie untersucht nicht nur Gesundheitsrisiken, sondern auch Möglichkeiten zur Anpassung. Eine wichtige Rolle spielen dabei städtische Grünflächen und Bäume. Sie können Hitzestress reduzieren, die Luftqualität verbessern und zum psychischen Wohlbefinden beitragen.
Die Ergebnisse zeigen allerdings ein gemischtes Bild. Zwar gibt es in europäischen Städten Anzeichen für naturbasierte Anpassungsmaßnahmen. Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren reichen die bisherigen Maßnahmen jedoch nicht aus, um die Stadtbevölkerung angemessen vor zunehmenden klimabedingten Gesundheitsrisiken zu schützen.
Neben mehr städtischem Grün nennt der Bericht unter anderem Hitze-Frühwarnsysteme und Hitzeaktionspläne sowie eine Stadtplanung, die weniger wärmeabsorbierende Baumaterialien, Entsiegelung und den öffentlichen sowie aktiven Verkehr berücksichtigt.




