Weltweit waren 2023 geschätzt 2,71 Milliarden Menschen Passivrauch ausgesetzt, darunter 767 Millionen Kinder. Eine neue Analyse beziffert die damit verbundene Krankheitslast auf 1,66 Millionen Todesfälle und 44,8 Millionen verlorene gesunde Lebensjahre.
Passivrauchen bleibt trotz Fortschritten bei der Tabakkontrolle ein erhebliches globales Gesundheitsrisiko. Das zeigt eine am 7. September 2026 in The Lancet Public Health veröffentlichte Analyse. Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter untersuchten die Exposition gegenüber Passivrauch und die damit verbundene Krankheitslast in 204 Ländern und Territorien zwischen 1990 und 2023.
Warum Passivrauch gesundheitsschädlich ist
Passivrauch setzt sich aus dem sogenannten Nebenstromrauch und dem Hauptstromrauch zusammen. Nebenstromrauch entsteht beim Rauchen einer Zigarette und gelangt direkt in die Umgebungsluft, während Hauptstromrauch zunächst eingeatmet und anschließend wieder ausgeatmet wird.
Als besonders schädlich gilt der Nebenstromrauch, da er ungefiltert in die Luft gelangt. Giftige und krebserregende Stoffe sind darin stärker konzentriert als im Hauptstromrauch.
1,66 Millionen Todesfälle Passivrauch zugeschrieben
Nach den Berechnungen der Studie waren 2023 weltweit 1,66 Millionen Todesfälle auf Passivrauchen zurückzuführen. Hinzu kamen 44,8 Millionen verlorene gesunde Lebensjahre (Disability-Adjusted Life Years, DALYs). Diese Kennzahl berücksichtigt sowohl durch vorzeitigen Tod verlorene Lebensjahre als auch Lebensjahre mit gesundheitlichen Einschränkungen.
Die größte Krankheitslast durch Passivrauchen entfiel insgesamt auf die ischämische Herzkrankheit. Sie war laut Studie mit 12,0 Millionen DALYs verbunden. Bei Kindern dominierten hingegen Infektionen der unteren Atemwege mit 5,16 Millionen DALYs.
Passivrauchexposition seit 1990 gesunken
Die altersstandardisierte Prävalenz der Passivrauchexposition ging weltweit zwischen 1990 und 2023 um 22,2 Prozent zurück. Dennoch reichte diese Entwicklung nicht aus, um auch die absolute Zahl der Betroffenen zu senken. Diese blieb global weitgehend stabil.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In Subsahara-Afrika nahm die absolute Zahl der exponierten Menschen im Untersuchungszeitraum um 98,5 Prozent zu, in Nordafrika und dem Nahen Osten um 72,1 Prozent. Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter führen diese Entwicklung insbesondere auf das Bevölkerungswachstum zurück.
Frauen und Kinder besonders betroffen
Frauen sind der Studie zufolge in einigen Ländern deutlich stärker Passivrauch ausgesetzt als Männer. Die Prävalenz lag dort bei Frauen fast 1,8-mal so hoch. Die Unterschiede zeigen sich insbesondere in Regionen, in denen vergleichsweise wenige Frauen selbst rauchen. Trotz der erheblichen Belastung werde Passivrauchen bislang nur selten als bedeutender Risikofaktor für die Gesundheit von Frauen wahrgenommen.
Auch Kinder sind in hohem Maß betroffen. Unter den weltweit geschätzt 2,71 Milliarden Menschen, die 2023 Passivrauch ausgesetzt waren, befanden sich 767 Millionen Kinder im Alter von null bis 14 Jahren. Bei ihnen entfiel die größte Passivrauch zugeschriebene Krankheitslast auf Infektionen der unteren Atemwege.
Die Studienautorinnen und -autoren fordern deshalb einen stärkeren Nichtraucherschutz. Um insbesondere Frauen und Kinder besser vor Passivrauchen zu schützen, seien wirksame Maßnahmen sowohl in öffentlichen als auch in privaten Räumen erforderlich.




