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Alzheimer: Experten sehen Lücken in der Versorgung

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Fast 60 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher erwarten laut einer IMAS-Umfrage, dass Demenz und Alzheimer künftig mehr Menschen betreffen werden. Beim ersten Alzheimer-Gipfel in Wien rückten Expertinnen und Experten neben der frühen Diagnose auch Versorgungsstrukturen und die Situation pflegender Angehöriger in den Mittelpunkt.

Demenz und Alzheimer beschäftigen viele Menschen in Österreich. Fast 60 Prozent gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren immer mehr Menschen betroffen sein werden. Das geht aus einer IMAS-Umfrage im Auftrag des Pharmaunternehmens Eli Lilly hervor, die beim ersten Alzheimer-Gipfel am 3. September 2026 in Wien präsentiert wurde. 38 Prozent der Befragten machen sich demnach große Sorgen, selbst eine entsprechende Diagnose zu erhalten. Nur ein Drittel fühlt sich ausreichend über die Erkrankung informiert.

Beim Alzheimer-Gipfel diskutierten Expertinnen und Experten aus Medizin, Pflege und Politik über Früherkennung, Behandlung sowie die Versorgung von Betroffenen und die Unterstützung ihrer Angehörigen.

Frühe Diagnose gewinnt an Bedeutung

Eine frühe Diagnose kann bessere Voraussetzungen für spätere Phasen der Erkrankung schaffen, erklärte Stefanie Auervon der Universität für Weiterbildung Krems. Neurologe Udo Zifko, Leiter des Memory Centers im Wiener Rudolfinerhaus, verwies darauf, Veränderungen der eigenen Gedächtnisleistung im Vergleich zu früher zu beobachten. Auch Persönlichkeitsänderungen und andere Auffälligkeiten, die Angehörigen oder Freunden auffallen, könnten eine Rolle spielen.

Gegenüber ORF Wissen betonte Zifko, dass einzelne Gedächtnislücken noch keinen Grund zur Sorge darstellen. Häufen sich etwa Wortfindungs- oder Orientierungsprobleme auch in entspannten Situationen, sollte dies jedoch ärztlich abgeklärt werden.

Zifko sieht zugleich Nachholbedarf bei der Früherkennung. Er fordert mehr Bewusstsein für Alzheimer bei Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmedizinern, mehr Spezialistinnen und Spezialisten im ländlichen Raum sowie kürzere Wartezeiten bei Gedächtnisambulanzen. Auch einfach anzuwendende Bluttests könnten aus seiner Sicht künftig die Früherkennung unterstützen.

Neue Therapien, aber begrenzter Patientenkreis

Fortschritte gibt es laut Zifko auch bei der Behandlung. Er verwies auf neue Antikörpertherapien, die gegen Eiweißablagerungen im Gehirn gerichtet sind. Eine Heilung von Alzheimer ermöglichen diese Therapien jedoch nicht. Zudem kämen nicht alle Patientinnen und Patienten für eine solche Behandlung infrage. Er bezifferte den Anteil mit fünf bis zwanzig Prozent. Gründe seien unter anderem ein bereits zu weit fortgeschrittenes Krankheitsstadium oder andere medizinische Voraussetzungen.

Angehörige brauchen frühzeitig Unterstützung

Neben Diagnose und Therapie stand beim Alzheimer-Gipfel auch die Betreuung im familiären Umfeld im Mittelpunkt. Petra Hausteiner, Leiterin des Tageszentrums Kalksburg der Caritas Socialis in Wien, verwies auf die hohe Belastung pflegender Angehöriger. Diese müssten nicht nur lernen, mit den Veränderungen der Betroffenen umzugehen, sondern auch ihre eigenen Grenzen erkennen und rechtzeitig Unterstützung annehmen. Angebote wie Demenzbegleitung, Begleitdienste oder Tageszentren könnten Angehörige dabei entlasten.

Hausteiner sprach sich zudem für einen österreichweiten Ausbau teilstationärer Betreuungsangebote aus. Handlungsbedarf sieht sie auch beim Pflegegeld. Unterstützungsbedarf infolge einer Demenzerkrankung werde ihrer Einschätzung nach bei der Beurteilung nicht immer ausreichend erfasst.

Information als Voraussetzung für Selbstständigkeit

Auch nach einer Diagnose spielt Information eine wesentliche Rolle. Betroffene benötigen umfassende Aufklärung, damit sie möglichst lange selbstständig bleiben können. 

Als beeinflussbare Faktoren nannte Auer körperliche Aktivität, vernünftige Ernährung und geistige Beschäftigung. Hausteiner ergänzte soziale Kontakte. Diese Aussagen beziehen sich auf die beim Alzheimer-Gipfel dargestellten Einschätzungen der Expertinnen und Experten.

Für die weitere Versorgung sehen die Beteiligten damit mehrere Ansatzpunkte: frühere Diagnosen, ausreichende medizinische Kapazitäten, Unterstützungsangebote für Angehörige und Versorgungsstrukturen, die auf eine steigende Zahl von Menschen mit Demenz und Alzheimer vorbereitet sind.

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