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BMI und Taillenumfang im Alter gemeinsam betrachten

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Der Body-Mass-Index allein bildet das Mortalitätsrisiko bei Menschen ab 65 Jahren möglicherweise nur unzureichend ab. Eine US-amerikanische Langzeitstudie zeigt: Ein hoher Taillenumfang war unabhängig vom BMI mit einer höheren Gesamtmortalität assoziiert. Besonders deutlich werden die Grenzen des BMI bei der gemeinsamen Betrachtung beider Messgrößen.

Der Body-Mass-Index (BMI) zählt zu den am häufigsten verwendeten Maßzahlen zur Einordnung des Körpergewichts. Bei älteren Menschen kann er jedoch wichtige Unterschiede in der Körperzusammensetzung und Fettverteilung nicht erfassen. Darauf weisen Ergebnisse einer Studie hin, die am 19. August 2026 im „Journal of the American Geriatrics Society“ veröffentlicht wurde.

Furong Xu von der University of Rhode Island und ihre Co-Autoren untersuchten den Zusammenhang von BMI, Taillenumfang und Gesamtmortalität bei US-Amerikanerinnen und US-Amerikanern ab 65 Jahren. Grundlage waren Daten von 6.905 Teilnehmenden der National Health and Aging Trends Study (NHATS) aus den Jahren 2011 bis 2024.

BMI und Taillenumfang zeigen unterschiedliche Zusammenhänge

Die Forschenden werteten BMI und Taillenumfang nicht nur getrennt, sondern auch gemeinsam aus. Zudem wurden beide Messgrößen im Studienverlauf wiederholt berücksichtigt. Die statistischen Modelle berücksichtigten unter anderem demografische und gesundheitliche Einflussfaktoren.

Bei Männern war Übergewicht gegenüber Normalgewicht mit einer um 46 Prozent niedrigeren Mortalität assoziiert. Bei Adipositas Grad I und II mit einem BMI von 30 bis unter 40 kg/m² lag sie um 51 Prozent niedriger. Auch bei Frauen war Übergewicht gegenüber Normalgewicht mit einem um 27 Prozent niedrigeren Mortalitätsrisiko assoziiert. Für Adipositas Grad I und II war der Unterschied bei Frauen hingegen nicht statistisch signifikant.

Hoher Taillenumfang mit höherer Mortalität assoziiert

Beim Taillenumfang zeigte sich ein anderes Bild. Die Studie definierte einen hohen Taillenumfang als mehr als 40 Inch bei Männern beziehungsweise mehr als 35 Inch bei Frauen. Das entspricht mehr als 101,6 cm beziehungsweise mehr als 88,9 cm.

Unabhängig vom BMI war ein hoher Taillenumfang bei Männern und Frauen jeweils mit einer um 24 Prozent höheren Mortalität assoziiert. 

„BMI-Paradoxon“ mit Einschränkungen

Die Ergebnisse verdeutlichen nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren das sogenannte „BMI-Paradoxon“ bei älteren Menschen: Ein höherer BMI kann statistisch mit einer niedrigeren Mortalität einhergehen, während ein normaler BMI ein erhöhtes Risiko bei gleichzeitig ausgeprägter abdominaler Fettverteilung verdecken kann.

Die Autorinnen und Autoren nennen dafür mehrere mögliche Erklärungen. So könnten etwa Erkrankungen, die zugleich zu Gewichtsverlust und einer höheren Mortalität führen, die Ergebnisse beeinflussen. Auch Verzerrungen dadurch, dass bestimmte Personen ein höheres Alter überhaupt erst erreichen, lassen sich nicht ausschließen. 

Die Ergebnisse stützen nach Angaben der Studienautoren aktuelle Empfehlungen, bei älteren Menschen neben dem BMI zusätzliche Maße der zentralen Adipositas wie den Taillenumfang zu berücksichtigen.

Aussagekraft der Studie begrenzt

Zu den Stärken der Untersuchung zählen die national repräsentative US-Kohorte, der lange Beobachtungszeitraum und die wiederholte Erfassung von BMI und Taillenumfang. Dennoch bestehen Einschränkungen.

Körpergröße und Gewicht wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern selbst angegeben und könnten daher zu Fehlklassifikationen geführt haben. Der Taillenumfang wurde dagegen von geschultem Personal gemessen. Trotz des Ausschlusses von Personen, die innerhalb des ersten Jahres nach Studienbeginn starben, lässt sich Reverse Causation nicht vollständig ausschließen.

Einzelne Kombinationen aus BMI und Taillenumfang umfassten zudem nur wenige Personen. Das betrifft insbesondere Untergewicht mit hohem Taillenumfang sowie Adipositas Grad III mit niedrigem Taillenumfang und schränkt die Präzision entsprechender Schätzungen ein.

Die Studie zeigt damit vor allem die Grenzen einer Risikoeinschätzung allein anhand des BMI. Sie belegt nicht, dass Übergewicht oder Adipositas bei älteren Menschen grundsätzlich einen gesundheitlichen Vorteil darstellen.

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