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Kriegsbilder auf Social Media belasten viele Jugendliche

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Kriegs- und Gewaltvideos auf Social Media können Jugendliche psychisch belasten. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass nicht die Häufigkeit der Konfrontation entscheidend ist, sondern die emotionale Verarbeitung der Inhalte. Besonders empathische Jugendliche reagieren häufiger mit Belastungssymptomen.

Bilder zerstörter Städte, verletzter Menschen oder kämpfender Soldaten erscheinen in sozialen Medien häufig unvermittelt im Feed. Für viele Jugendliche gehören solche Inhalte inzwischen zum digitalen Alltag. Forschende der Universität Regensburg und der medbo Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie haben nun untersucht, welche psychischen Folgen diese Inhalte haben können und welche Jugendlichen besonders gefährdet sind.

Fast alle Jugendlichen sehen Kriegs- und Gewaltinhalte

Für die deutsche, bevölkerungsrepräsentative Studie wurden zunächst 2.000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 21 Jahren befragt. 1.860 von ihnen gaben an, bereits Kriegs- oder Gewaltinhalte in sozialen Medien gesehen zu haben und bildeten die Grundlage der weiteren Analysen. Erfasst wurden unter anderem die Nutzung sozialer Medien, mögliche Symptome einer posttraumatischen Belastungsreaktion (PTBS), Empathie sowie die Fähigkeit, eigene Gefühle wahrzunehmen und einzuordnen.

93 Prozent der Teilnehmenden gaben an, bereits Kriegs- oder Gewaltdarstellungen in sozialen Medien gesehen zu haben. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) berichtete, diesen Inhalten unbeabsichtigt über algorithmisch zusammengestellte Feeds begegnet zu sein.

Ein Teil der Jugendlichen berichtete über typische Stressreaktionen nach dem Konsum solcher Inhalte. Rund jeder Vierte (26,1 Prozent) berichtete von Vermeidungsverhalten. Aufdrängende Gedanken oder Bilder nannten 21,7 Prozent der Teilnehmenden, 14,7 Prozent fühlten sich anhaltend angespannt und 10,6 Prozent litten unter Schlafproblemen.

Emotionale Verarbeitung spielt eine größere Rolle als die Bildschirmzeit

Die wichtigste Erkenntnis der Studie betrifft jedoch nicht in der Häufigkeit des Medienkonsums. Zwar untersuchten die Forschenden auch, wie oft Jugendliche Kriegs- und Gewaltinhalte konsumieren. Nachdem jedoch verschiedene Einflussfaktoren statistisch berücksichtigt wurden, zeigte sich: Die reine Häufigkeit des Konsums stand nicht mehr in einem signifikanten Zusammenhang mit der Stärke der berichteten Belastungssymptome.

Stattdessen erwiesen sich andere Faktoren als wichtiger. Jugendliche mit einer ausgeprägten somatischen Empathie – also der Fähigkeit, das körperliche Leid anderer besonders intensiv mitzuerleben – berichteten häufiger über stärkere Belastungssymptome. Gleiches galt für Jugendliche mit einer eingeschränkten emotionalen Bewusstheit (Alexithymie). Darunter versteht man Schwierigkeiten, eigene Gefühle wahrzunehmen, einzuordnen oder in Worte zu fassen.

Darüber hinaus waren eine hohe subjektive Belastung durch aktuelle politische Krisen, ein jüngeres Alter sowie persönliche Erfahrungen mit Krieg oder Flucht ebenfalls mit stärkeren Symptomen verbunden.

Keine Aussage über Ursache und Wirkung

Die Forschenden weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass ihre Untersuchung keine Aussagen über Ursache und Wirkung zulässt. Da es sich um eine einmalige Online-Befragung handelt, lässt sich nicht beantworten, ob Kriegsbilder die Beschwerden auslösen oder ob emotional stärker belastete Jugendliche auf solche Inhalte sensibler reagieren.

Auch das statistische Modell erklärt lediglich rund 14 Prozent der Unterschiede zwischen den Befragten. Weitere persönliche, soziale oder psychische Faktoren dürften ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Was die Ergebnisse bedeuten

Nach Ansicht der Forschenden unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung von Medienkompetenz und emotionaler Selbstwahrnehmung. Jugendliche, die ihre Gefühle besser erkennen und regulieren können, scheinen belastende Nachrichten eher verarbeiten zu können. Besonders empathische junge Menschen könnten dagegen von Strategien profitieren, die helfen, sich bewusst von belastenden Inhalten abzugrenzen – etwa durch Gespräche, Pausen von sozialen Medien oder den gezielten Umgang mit algorithmisch ausgespielten Inhalten.

Die Studie macht damit deutlich, dass nicht alle Jugendlichen gleichermaßen auf Kriegs- und Gewaltbilder reagieren. Entscheidend scheint weniger die bloße Konfrontation mit Kriegs- und Gewaltinhalten zu sein als die individuelle emotionale Verarbeitung.

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