Rund 540.000 Wienerinnen und Wiener zwischen 45 und 75 Jahren erhalten in den kommenden Monaten eine Einladung zum neuen Darmkrebs-Screening. Das Programm setzt auf kostenlose FIT-Tests für zuhause und soll die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen erhöhen. Bei einem auffälligen Ergebnis wird eine Darmspiegelung innerhalb von 14 Tagen organisiert.
Mit einem neuen, flächendeckenden Darmkrebs-Screening möchte die Stadt Wien die Früherkennung von Darmkrebs ausbauen. Das Programm richtet sich an Wienerinnen und Wiener im Alter von 45 bis 75 Jahren. Insgesamt sollen rund 540.000 Personen bis Frühjahr 2027 ein Einladungsschreiben erhalten.
Nach Angaben der Stadt Wien basiert das Screening auf den Empfehlungen der EU-Kommission sowie des Nationalen Screening Komitees für Krebserkrankungen. Dieses empfiehlt für die Altersgruppe zwischen 45 und 75 Jahren entweder eine Vorsorge-Koloskopie alle zehn Jahre oder einen fäkalen immunochemischen Stuhltest (FIT) alle zwei Jahre.
In Wien gehören rund 700.000 Menschen dieser Altersgruppe an. Von der Einladung ausgenommen sind Personen, bei denen in den vergangenen Jahren bereits eine Koloskopie durchgeführt wurde.
FIT-Test als Ergänzung zur Koloskopie
Das neue Angebot soll die bestehende Vorsorge im niedergelassenen Bereich ergänzen. Die Teilnahme ist freiwillig und kostenlos.
Die Zielgruppe erhält zunächst ein Einladungsschreiben. Wer am Screening teilnehmen möchte und keine Vorsorge-Koloskopie wählt, kann anschließend kostenlos einen FIT-Test für zuhause bestellen. Diesen fordert man online über die Plattform darmgesundheit.wien oder telefonisch über die Gesundheitsberatung 1450 an. Das Testkit wird danach zugesandt und kann durchgeführt werden. Anschließend schicken die Teilnehmenden die entnommene Probe in einem vorfrankierten Rücksendekuvert an ein Labor. Die Auswertung erfolgt laut den Projektverantwortlichen innerhalb weniger Tage.
Darmspiegelung bei auffälligem Befund binnen 14 Tagen
Fällt der FIT-Test auffällig aus, wird zunächst versucht, einen Termin im niedergelassenen Bereich zu organisieren. Sollte dort innerhalb von 14 Tagen kein Termin verfügbar sein, übernimmt das Projektkonsortium aus Endomed Wien Mitte und dem Franziskusspital die Terminvergabe.
Zusätzlich steht während des gesamten Prozesses eine zentrale Servicestelle über die Gesundheitsberatung 1450 zur Verfügung. Laut Stadt Wien besteht dort auch die Möglichkeit einer telemedizinischen Beratung bei auffälligen Testergebnissen.
Einladungsschreiben werden schrittweise versendet
Die ersten Einladungen werden seit dem 9. Juni 2026 versendet. Ab Juli 2026 sollen über einen Zeitraum von zehn Monaten monatlich rund 50.000 Wienerinnen und Wiener angeschrieben werden.
Die Aussendungen erfolgen alphabetisch absteigend nach Nachnamen. Die Schreiben werden neben Deutsch auch in Englisch, Türkisch sowie Bosnisch-Kroatisch-Serbisch angeboten.
Finanzierung für zwei Jahre gesichert
Das Programm ist zunächst für zwei Jahre finanziert. Die Kosten belaufen sich auf rund 7,5 Millionen Euro pro Jahr. Finanziert wird das Screening jeweils zur Hälfte vom Wiener Gesundheitsfonds und den Krankenversicherungsträgern.
Bei der Präsentation des Programms verwies Bürgermeister Michael Ludwig darauf, dass Darmkrebs in Österreich zu den häufigsten Krebserkrankungen zählt. Das neue Angebot solle dazu beitragen, Erkrankungen früher zu erkennen. Zugleich betonte er, dass das Screening die Darmspiegelung nicht ersetzen, sondern ergänzen soll.
Fachliche Begleitung durch Advisory Board
Ein eigens eingerichtetes Advisory Board begleitet das Screening fachlich. Vertreten sind unter anderem die Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie, die Ärztekammer für Wien, die Krebshilfe Wien, sowie weitere Organisationen aus dem Gesundheits- und Patientenbereich.
Mit dem Programm erhält Wien nach Angaben der Stadt erstmals ein durchgehend organisiertes und qualitätsgesichertes Darmkrebs-Screening, das von der Einladung über die Testdurchführung bis zur weiteren Abklärung strukturiert begleitet wird.
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