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Neue Mechanismen der Metastasierung entdeckt

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Forschende aus Düsseldorf liefern neue Einblicke in die Ausbreitung von Tumorzellen. Im Zentrum stehen Signalwege, die für die Praxis künftig therapeutisch relevant werden könnten.

Metastasen entscheiden bei vielen Krebserkrankungen über den Verlauf. Auch bei Darmkrebs sind sie häufig der kritische Faktor. Während der Primärtumor oft behandelbar ist, erschwert die Ausbreitung der Krebszellen die Therapie deutlich. Ein Forschungsteam am Institut für Genetik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat nun zentrale Mechanismen identifiziert, die genau diese Ausbreitung steuern. Die Ergebnisse wurden in Nature Communications publiziert. Die Arbeit liefert neue Einblicke in frühe Schritte der Metastasierung.

Frühe Streuung als zentrales Problem

Zum Beispiel werden Darmtumore in vielen Fällen spät erkannt. Zu diesem Zeitpunkt haben sich einzelne Krebszellen oft bereits vom Tumor gelöst und im Körper verteilt. Sie gelangen über Blut- oder Lymphbahnen in andere Gewebe und können dort neue Tumore bilden. Das macht die Erkrankung deutlich gefährlicher. Laut Deutschem Krebsforschungszentrum gehen rund 90 Prozent der Krebstodesfälle auf Metastasen zurück und nicht auf den ursprünglichen Tumor.

Signalstoffe steuern Zellwanderung

Im Zentrum der aktuellen Arbeit stehen sogenannte Netrine sowie der dazugehörige DCC-Rezeptor. Diese Moleküle beeinflussen, ob und wann sich Tumorzellen aus ihrem Verband lösen und in andere Gewebe wandern. Untersucht wurde dies im Darmmodell, das zentrale Mechanismen von Darmtumoren abbildet. Die Ergebnisse zeigen, dass Netrine die Wanderungsrichtung von Zellen im Darm steuern. 

Als Modellorganismus diente die Fruchtfliege Drosophila melanogaster. Trotz ihrer einfachen Struktur weist sie zentrale genetische Gemeinsamkeiten mit dem Menschen auf. Besonders tumorrelevante Signalwege sind in weiten Teilen vergleichbar. Das erleichtert die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf menschliche Erkrankungen.

Mithilfe moderner Lasermikroskopie konnten Zellbewegungen in Echtzeit sichtbar gemacht werden. So ließ sich nachvollziehen, wie sich Stammzellen im Darm verhalten und welche Moleküle daran beteiligt sind.

Relevanz für zukünftige Therapien

Von besonderem Interesse ist der DCC-Rezeptor. Er ist bei rund 65 Prozent der Darmkrebspatientinnen und -patienten verändert. Das spricht dafür, dass dieser Signalweg eine zentrale Rolle bei der Tumorausbreitung spielt. Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Therapie. Künftige Studien sollen zeigen, ob gezielt in diese Mechanismen eingegriffen werden kann, um die Metastasierung somit zu bremsen. Noch handelt es sich um Grundlagenforschung. Für die Praxis bedeutet das aber einen wichtigen Schritt. Ein besseres Verständnis der Zellwanderung ist Voraussetzung für neue Behandlungsstrategien.

Die Forschungsarbeiten wurden von der Wilhelm Sander-Stiftung und der Deutschen Krebshilfe unterstützt.

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