Start Wissenschaft Neues Glaukom-Implantat soll Vernarbungen verhindern

Neues Glaukom-Implantat soll Vernarbungen verhindern

Ein Forschungsverbund rund um die Medizinische Hochschule Hannover arbeitet an einem neuartigen Implantat gegen Grünen Star. Das System soll den Augeninnendruck individuell regulieren und gleichzeitig Vernarbungen nach Operationen verhindern.

Das Glaukom zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen für Erblindung. Laut Schätzungen sind rund 76 Millionen Menschen betroffen. Ziel der Behandlung ist es, den Augeninnendruck dauerhaft zu senken, um Schäden am Sehnerv zu verhindern. Dafür kommen Augentropfen, Laserbehandlungen oder operative Eingriffe zum Einsatz.

Ein Forschungsverbund unter Leitung der Klinik für Augenheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entwickelt nun ein Implantat, das den Augeninnendruck individuell steuerbar machen soll. Gleichzeitig soll das System das Risiko von Vernarbungen nach der Operation reduzieren. Das Projekt „Antifibrotisches Glaukom-Implantat (Glaukom AF)“ wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) über drei Jahre mit rund 1,8 Millionen Euro gefördert.

Vernarbungen als Problem bei Glaukom-Operationen

Zu den Standardverfahren bei fortgeschrittenem Glaukom zählt die sogenannte filtrierende Trabekulektomie. Dabei schaffen Chirurginnen und Chirurgen einen zusätzlichen Abflussweg für das Kammerwasser unter die Bindehaut des Auges. Alternativ kommen auch Stents oder künstliche Klappen zum Einsatz.

Ein wesentliches Problem dieser Eingriffe sind jedoch Vernarbungsprozesse. Verantwortlich dafür sind sogenannte Tenon-Fibroblasten, spezialisierte Bindegewebszellen des Auges. Sie fördern die Wundheilung, können aber gleichzeitig dazu führen, dass der künstlich geschaffene Abflussweg wieder verschlossen wird.

Um diese Fibrosebildung zu hemmen, erhalten viele Patientinnen und Patienten derzeit Mitomycin C. Das aus der Krebsmedizin bekannte Medikament kann jedoch auch gesundes Gewebe angreifen.

„Der Nachteil dieses chemotherapeutischen Zellgiftes ist, dass es nicht nur die Tenon-Fibroblasten, sondern auch die Bindehaut sowie die schützende Lederhaut des Auges angreift“, erklärt Dr. Maximilian Binter von der MHH.

Implantat soll individuell steuerbar werden

Grundlage des Projekts ist ein bereits entwickeltes Implantat mit integrierter Klappe. Diese kann auch nach der Operation noch geöffnet werden, um einen zu starken Abfall des Augeninnendrucks zu verhindern.

Im Rahmen des aktuellen Projekts soll der Mechanismus weiterentwickelt werden. Ziel ist es, den Augeninnendruck künftig schrittweise und individuell anpassen zu können.

Zusätzlich planen die Forschenden eine Beschichtung des Implantats mit fibrosehemmenden Wirkstoffen. Dafür untersucht das Team mehrere Medikamente, die teilweise bereits für andere Krebserkrankungen zugelassen sind.

Suche nach augenschonenden Wirkstoffen

„Wir haben Zellkulturen aus unterschiedlichen Zelltypen des Auges erstellt und testen nun in Lebendzellanalysen mehrere, teilweise bereits für andere Krebserkrankungen zugelassene Medikamente in unterschiedlichen Dosierungen“, sagt Dr. Heiko Fuchs, Leiter des MHH-Forschungslabors Augenheilkunde.

Gesucht wird ein Wirkstoff, der gezielt die Tenon-Fibroblasten hemmt, ohne anderes Augengewebe zu schädigen. Laut den Forschenden könnte ein bereits zugelassenes Medikament den Vorteil bieten, dass keine vollständige Neuzulassung erforderlich wäre.

Kontrollierte Wirkstofffreisetzung geplant

Der fibrosehemmende Wirkstoff soll künftig direkt aus dem Implantat freigesetzt werden. Dadurch könnte eine zusätzliche Belastung des operierten Auges vermieden werden. Zudem ließe sich der Wirkstoff über einen längeren Zeitraum einsetzen und besser dosieren.  

Nach Angaben des Forschungsteams könnte das Implantat langfristig dazu beitragen, die Behandlungsmöglichkeiten bei Glaukom zu verbessern und das Risiko einer Erblindung zu senken.

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