Wie gesund fühlen sich die Menschen in Österreich, welche Krankheiten belasten sie und wie zufrieden sind sie mit der medizinischen Versorgung? Die Österreichische Gesundheitsbefragung 2025 liefert dazu neue Zahlen. Während chronische Erkrankungen weit verbreitet sind und junge Menschen ihre Gesundheit zunehmend kritischer beurteilen, zeigen sich auch Veränderungen bei Adipositas, Nikotinkonsum und der Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem.
Rund drei Viertel der Menschen in Österreich schätzen ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. Gleichzeitig zeigt die neue Österreichische Gesundheitsbefragung 2025, dass sich die gesundheitliche Situation und das Gesundheitsverhalten in mehreren Bereichen verändert haben. Besonders auffällig sind die kritischere Gesundheitswahrnehmung jüngerer Menschen, die langfristige Zunahme von Adipositas und die sinkende Zufriedenheit mit der medizinischen Versorgung.
Die Ergebnisse stammen aus einer umfangreichen Untersuchung von Statistik Austria, die am 20. Oktober 2026 veröffentlicht wurde. Der Bericht umfasst 271 Seiten und dokumentiert neben dem Gesundheitszustand auch das Gesundheitsverhalten, die Lebensqualität, den Versorgungsbedarf und die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen.
Was ist die Österreichische Gesundheitsbefragung?
Der Austrian Health Interview Survey (ATHIS) ist eine repräsentative Gesundheitsbefragung, die in Österreich alle sechs Jahre durchgeführt wird. Sie basiert auf dem European Health Interview Survey (EHIS), der vergleichbare Gesundheitsdaten innerhalb der Europäischen Union ermöglichen soll.
Für die aktuelle Erhebung befragte Statistik Austria im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz sowie der Bundesgesundheitsagentur insgesamt 16.446 zufällig ausgewählte Personen ab 15 Jahren. Die Datenerhebung erfolgte von April 2025 bis Mai 2026. Die Ergebnisse sind repräsentativ für rund 7,8 Millionen Menschen ab 15 Jahren, die 2025 in österreichischen Privathaushalten lebten.
Untersucht wurden unter anderem chronische Erkrankungen, psychische Gesundheit, Ernährung, Bewegung, Tabak- und Alkoholkonsum, Prävention sowie die Nutzung und Bewertung medizinischer Leistungen. Ergänzend wurden Eltern zum Gesundheitszustand ihrer Kinder befragt.
Da der Fragenkatalog gegenüber den Erhebungen 2014 und 2019 weitgehend unverändert blieb, lassen sich zahlreiche Entwicklungen über mehrere Jahre vergleichen. Die Ergebnisse beruhen allerdings überwiegend auf Selbstauskünften. Sie sind daher nicht mit einer flächendeckenden medizinischen Untersuchung der Bevölkerung gleichzusetzen.
Junge Menschen beurteilen ihre Gesundheit kritischer
Insgesamt bewerteten 72,5 Prozent der Befragten ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut. Weitere 21,1 Prozent bezeichneten ihn als mittelmäßig, 6,4 Prozent als schlecht oder sehr schlecht.
Im Vergleich zu 2019 ging insbesondere der Anteil jener zurück, die ihre Gesundheit als sehr gut einschätzen. Diese Entwicklung betrifft vor allem jüngere Menschen. Bei älteren Personen zeigt sich dagegen eine zunehmend positivere Wahrnehmung der eigenen Gesundheit.
Auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde 2025 in nahezu allen untersuchten Bereichen schlechter beurteilt als 2019. Die stärksten Rückgänge betrafen den sozialen Bereich, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Hinzu kommt ein Anstieg selbst berichteter Depressionen bei jüngeren Erwachsenen. Die Ergebnisse verdeutlichen damit Unterschiede zwischen den Generationen, erlauben aber keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Ursachen dieser Entwicklungen.
3,2 Millionen Menschen mit chronischen Erkrankungen
Rund 3,2 Millionen Menschen beziehungsweise etwa 40 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren berichteten über eine chronische Erkrankung oder ein dauerhaftes Gesundheitsproblem.
Zu den häufigsten Beschwerden zählen chronische Kreuzschmerzen, Allergien, erhöhte Cholesterinwerte, Bluthochdruck und chronische Nackenschmerzen. Mit zunehmendem Alter verändert sich das Krankheitsspektrum. Während bei jüngeren Menschen Allergien und Depressionen häufiger auftreten, gewinnen Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Arthrose in höheren Altersgruppen an Bedeutung. Die gesundheitlichen Folgen reichen über die Erkrankungen selbst hinaus. Rund ein Drittel der Bevölkerung gab an, durch gesundheitliche Probleme bei alltäglichen Tätigkeiten eingeschränkt zu sein. Unter den über 74-Jährigen betraf dies mehr als 60 Prozent.
Adipositas nimmt langfristig zu
Mehr als jede zweite Person ab 15 Jahren ist laut den erhobenen Angaben zumindest übergewichtig. Als adipös gelten nach der WHO-Definition 18,7 Prozent der Männer und 17,0 Prozent der Frauen.
Während die Häufigkeit von Übergewicht seit 2006/07 weitgehend unverändert blieb, nahm Adipositas langfristig zu. Im altersstandardisierten Vergleich stieg der Anteil adipöser Männer bis 2025 um 6,1 Prozentpunkte, bei Frauen um 3,7 Prozentpunkte.
Die Befragung zeigt außerdem, dass Bluthochdruck, Diabetes mellitus, erhöhte Cholesterinwerte und chronische Rückenbeschwerden bei adipösen Personen häufiger vorkommen als bei normalgewichtigen Menschen.
Auch bei Ernährung und Bewegung besteht eine deutliche Abweichung von den untersuchten Empfehlungen. Nur 4,6 Prozent der Männer und 9,9 Prozent der Frauen konsumierten täglich mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse. Beide WHO-Empfehlungen für Ausdauerbewegung und Muskelkräftigung erfüllten 31 Prozent der Männer und 25,2 Prozent der Frauen.
Neue Nikotinprodukte verändern das Konsumverhalten
Beim herkömmlichen Tabakkonsum setzt sich der langfristige Rückgang fort. Im Jahr 2025 rauchten 19,1 Prozent der Männer und 14,9 Prozent der Frauen täglich.
Gleichzeitig gewinnen neue Nikotinprodukte an Bedeutung. Dazu zählen E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel. Besonders verbreitet sind Nikotinbeutel unter jungen Männern. Werden herkömmliche Tabakprodukte und neue Nikotinprodukte gemeinsam betrachtet, konsumierten 20,2 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren täglich zumindest eines dieser Produkte.
Zufriedenheit mit medizinischer Versorgung sinkt
Deutliche Veränderungen zeigen sich auch bei der Bewertung des österreichischen Gesundheitssystems. Nur noch 44,0 Prozent der Bevölkerung beurteilten die Qualität der medizinischen Versorgung als hervorragend oder sehr gut. Gegenüber 2019 ist das ein merklicher Rückgang. Dabei unterscheiden sich die Bewertungen je nach Versorgungsbereich. Mit der Behandlung durch Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner, Fachärztinnen und Fachärzte sowie Therapeutinnen und Therapeuten waren jeweils mehr als 80 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden.
Weniger positiv fiel die Bewertung der Spitalsambulanzen aus. Dort lag der Anteil der Zufriedenen und sehr Zufriedenen bei 63,7 Prozent.
Die Befragung erfasste außerdem die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Rund acht von zehn Menschen hatten innerhalb eines Jahres eine allgemeinmedizinische Ordination aufgesucht, knapp 80 Prozent zumindest eine fachärztliche Ordination. Etwa ein Viertel nahm Leistungen einer Spitalsambulanz in Anspruch.
Mehr Kinder mit speziellem Versorgungsbedarf
Auch die Kindergesundheit wurde untersucht. Nach Einschätzung ihrer Eltern befanden sich rund 96 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in einem guten oder sehr guten allgemeinen Gesundheitszustand. Gleichzeitig hatten 11,7 Prozent einen speziellen Bedarf an Gesundheitsversorgung. Dieser Anteil ist gegenüber 2019 sowohl bei Buben als auch bei Mädchen gestiegen. Für rund ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen mit entsprechendem Bedarf stand laut Elternangaben keine adäquate Behandlung oder Beratung zur Verfügung.
Auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen wurde 2025 schlechter bewertet als 2019. Besonders deutlich war der Rückgang im Bereich Selbstwert.
Was die Ergebnisse für das Gesundheitswesen bedeuten
Die Gesundheitsbefragung zeichnet kein einheitlich negatives Bild. Die Mehrheit der Bevölkerung fühlt sich weiterhin gesund, und viele medizinische Leistungen werden überwiegend positiv bewertet. Gleichzeitig zeigen sich Belastungen, die je nach Alter und Lebenssituation unterschiedlich ausgeprägt sind.
Für das Gesundheitswesen liefern die Ergebnisse wichtige Informationen über chronische Erkrankungen, Präventionsverhalten und den Bedarf an medizinischer Unterstützung. Auch für Apotheken sind insbesondere die Daten zu chronischen Gesundheitsproblemen, Nikotinkonsum und gesundheitsbezogenen Risikofaktoren von fachlichem Interesse.
ATHIS ermöglicht es, langfristige Veränderungen sichtbar zu machen und Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen zu untersuchen. Die Befragung zeigt allerdings nicht, welche konkreten Maßnahmen diese Entwicklungen verursachen oder verändern würden.
Damit bildet sie eine Datengrundlage für gesundheitspolitische Planung, Prävention und die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung in Österreich.




