Rauchen schadet nicht nur dem Körper, sondern auch die Psyche leidet. Eine neue Analyse der deutschen NAKO-Gesundheitsstudie zeigt: Wer raucht oder geraucht hat, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für Depressionen.
Große Kohortenstudie liefert neue Erkenntnisse
Rauchen gilt seit Langem als bedeutender Risikofaktor für zahlreiche körperliche Erkrankungen. Eine aktuelle Auswertung der NAKO-Gesundheitsstudie zeigt nun erneut, dass auch die psychische Gesundheit betroffen ist. Menschen, die rauchen oder früher geraucht haben, berichten häufiger über Depressionen als Nie-Rauchende.
Mehr Zigaretten – stärkere depressive Symptome
Die NAKO-Gesundheitsstudie ist die größte Kohortenstudie Deutschlands, die im Oktober 2014 begann und für eine Laufzeit von mindestens 20 bis 30 Jahren angelegt ist.
Die Ergebnisse stammen aus einer Analyse von 173.890 Erwachsenen im Alter zwischen 19 und 72 Jahren, davon 50 Prozent Frauen, deren Daten zwischen 2014 und 2019 im Rahmen der NAKO erhoben wurden. Untersucht wurde nicht nur der Rauchstatus, sondern auch die Intensität des Zigarettenkonsums, das Alter beim Rauchbeginn sowie die Dauer seit dem Rauchstopp.
Von den Probanden waren 34.111 Rauchende, 58.004 ehemalige Rauchende und 81.775 Nie-Rauchende.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die klare Dosis-Wirkungs-Beziehung. Mit jeder zusätzlich gerauchten Zigarette pro Tag nahmen die depressiven Symptome messbar zu. Aktuell Rauchende wiesen insgesamt die höchsten Werte auf der Depressionsskala auf, gefolgt von ehemaligen Rauchenden. Personen, die nie geraucht hatten, zeigten die geringste Symptomlast. Besonders betroffen waren Personen in der Altersgruppe zwischen 40 und 59 Jahren.
Auch für die Lebenszeitprävalenz von Depressionen ergab sich ein deutlicher Zusammenhang. Sowohl aktuell als auch früher Rauchende hatten eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit, im Laufe ihres Lebens an einer Depression erkrankt zu sein.
Früher Rauchbeginn, frühere Depression
Neben der Rauchintensität spielte auch der Zeitpunkt des Rauchbeginns eine Rolle. Ein früher Einstieg ins Rauchen war mit einem früheren Auftreten der ersten depressiven Episode verbunden. Umgekehrt ging ein späterer Rauchbeginn mit einem späteren Erkrankungsalter einher. Da der Großteil der Betroffenen bereits vor der ersten Depression mit dem Rauchen begonnen hatte, legen die Ergebnisse nahe, dass Rauchen zur Entwicklung depressiver Symptome beitragen könnte.
Rauchstopp lohnt sich
Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft den Rauchstopp. Je länger dieser zurücklag, desto geringer fielen aktuelle depressive Symptome aus. Zudem lag die letzte depressive Episode bei ehemaligen Rauchenden umso weiter zurück, je länger sie abstinent waren. Die Daten deuten darauf hin, dass ein Rauchstopp langfristig mit einer Verbesserung der psychischen Gesundheit einhergehen kann.
Starke Hinweise – noch keine endgültigen Beweise
Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass es sich um eine Querschnittsanalyse handelt. Kausale Schlussfolgerungen sind daher nicht möglich. Zudem beruhen Angaben zu Rauchverhalten und Depression teilweise auf retrospektiver Selbstauskunft. Dennoch sprechen die konsistenten Befunde über verschiedene Alters-, Geschlechts- und Bildungsgruppen hinweg für einen robusten Zusammenhang.
Bedeutung für Prävention und Versorgung
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung früher Prävention und einer engen Verknüpfung von Tabakentwöhnung und psychischer Gesundheitsversorgung. Maßnahmen zur Reduktion des Rauchkonsums könnten nicht nur körperliche Erkrankungen verhindern, sondern auch zur Verringerung der Depressionslast beitragen.




