Start News Weibliche Genitalverstümmelung: Mehr Sensibilisierung im Gesundheitswesen 

Weibliche Genitalverstümmelung: Mehr Sensibilisierung im Gesundheitswesen 

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Weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C) betrifft auch in Österreich tausende Mädchen und Frauen. Gesundheitsbehörden, die Österreichische Ärztekammer und die FGM/C-Koordinationsstelle wollen deshalb Prävention, Früherkennung und Beratung weiter stärken. Ein neuer Handlungsleitfaden soll Fachkräften dabei helfen, Gefährdungen rechtzeitig zu erkennen und Betroffene besser zu unterstützen.

Unter Female Genital Mutilation/Cutting (FGM/C) versteht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die teilweise oder vollständige Entfernung beziehungsweise Verletzung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane aus nicht-medizinischen Gründen. Die Praxis gilt als schwere Menschenrechtsverletzung und kann lebenslange gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.

Art und Schwere der Beschwerden hängen vom jeweiligen Eingriff ab. Zu den häufigsten Folgen zählen: 

  • Chronische Schmerzen und wiederkehrende Entzündungen im Genital- und Beckenbereich
  • Beschwerden beim Wasserlassen sowie wiederkehrende Harnwegsinfektionen
  • Schmerzen während der Menstruation
  • Schmerzen bei Intimität
  • Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt
  • Psychische Belastungen wie Depressionen, Angstzustände usw. 

Tausende Betroffene in Österreich

Das Thema betrifft auch Frauen in Österreich. Laut einer Studie der Medizinischen Universität Wien aus dem Jahr 2024 leben hierzulande rund 11.000 potenziell betroffene Mädchen und Frauen. Weitere 3.000 Mädchen gelten als potenziell gefährdet.

Im Vorfeld einer Fachkonferenz gegen weibliche Genitalverstümmelung in Wien betonte Familien- und Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP), dass es für den Schutz gefährdeter Mädchen klare gesetzliche Regelungen, wirksame Präventionsmaßnahmen und kompetente Beratungsstellen brauche. Ziel sei es, Gefährdungen möglichst früh zu erkennen und betroffene Frauen rasch an passende Unterstützungsangebote zu vermitteln.

Früherkennung durch Gesundheitsberufe

Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Gesundheitswesen zu. Ärztinnen und Ärzte, Hebammen, Pflegekräfte sowie weitere Gesundheitsberufe können Hinweise auf eine bestehende oder drohende Genitalverstümmelung erkennen und Betroffene an spezialisierte Stellen weitervermitteln.

Die Österreichische Ärztekammer verweist zudem auf die gesetzliche Verpflichtung zur Anzeige, wenn Ärztinnen oder Ärzte im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit von einer entsprechenden schweren Körperverletzung erfahren. Gleichzeitig seien Sensibilität und ein vertrauensvoller Umgang mit den Betroffenen entscheidend.

Um Fachkräfte zu unterstützen, werden weiterführende Informationen wie auch eine Hotline und Schulungsangebote für Gesundheitsberufe, Behörden und Institutionen angeboten. Darüber hinaus ist geplant, FGM/C künftig im Eltern-Kind-Pass zu dokumentieren. Bereits im Frühjahr kündigte die Bundesregierung weitere Maßnahmen an, darunter Sensibilisierungsangebote für Gesundheitspersonal sowie eine stärkere Verankerung des Themas in Aus- und Fortbildungen.

Koordinationsstelle als zentrale Anlaufstelle

Eine wichtige Rolle übernimmt die österreichweite FGM/C-Koordinationsstelle. Gemeinsam mit Partnerorganisationen bietet sie Beratung, Information und Schulungen für Betroffene und Fachkräfte an. Nach Angaben der Koordinationsstelle wurden seit 2022 mehr als 1.000 Personen beraten und rund 3.000 Angehörige von Gesundheitsberufen geschult.

Auch international rückt das Thema verstärkt in den Fokus. Die WHO veröffentlichte 2025 neue Empfehlungen zur Prävention von FGM/C und zur Versorgung betroffener Frauen und Mädchen. 

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