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Virusinfekte verschärfen Allergien

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Allergische Reaktionen können während Virusinfekten deutlich schwerer verlaufen, bis hin zur Anaphylaxie. Forschende der Universität Duisburg-Essen haben nun einen Mechanismus identifiziert, der diese gefährliche Wechselwirkung erklärt. Für die Praxis ergeben sich daraus neue Ansätze zur Risikobewertung.

Ein Forschungsteam der Universität Duisburg-Essen hat einen bislang nicht vollständig verstandenen Zusammenhang zwischen Virusinfektionen und schweren allergischen Reaktionen aufgeklärt. Die Ergebnisse wurden im Journal of Clinical Investigation veröffentlicht. Bekannt war bereits, dass allergische Beschwerden während akuter Virusinfekte oft intensiver ausfallen. Nun zeigt die Studie, welche Prozesse im Immunsystem dafür verantwortlich sind – und warum sich das Risiko für schwere Verläufe erhöht.

Monozyten statt Mastzellen im Fokus

Typischerweise werden allergische Reaktionen durch Mastzellen ausgelöst. Diese setzen Botenstoffe frei, die Symptome wie Juckreiz, Schwellungen oder Atemnot verursachen.

Die aktuelle Arbeit rückt jedoch eine andere Zellgruppe in den Mittelpunkt – entzündliche Monozyten. Diese Zellen gehören zur angeborenen Immunabwehr und werden bei Virusinfektionen verstärkt aktiviert. Unter diesen Bedingungen verändern sie ihr Verhalten deutlich und greifen aktiv in allergische Prozesse ein.

Verstärkte Empfindlichkeit durch Rezeptoren

Während einer Virusinfektion tragen Monozyten vermehrt ein bestimmtes Rezeptormolekül auf ihrer Oberfläche – FcγRIIIa (CD16). Dadurch reagieren sie empfindlicher auf immunologische Reize.

Dieser Effekt steht im Zusammenhang mit sogenannten Typ-I-Interferonen. Diese Botenstoffe werden früh im Verlauf einer Virusinfektion gebildet und versetzen das Immunsystem in einen Zustand erhöhter Alarmbereitschaft. Gleichzeitig fördern sie die verstärkte Ausbildung der relevanten Rezeptoren auf den Monozyten.

Schlüsselrolle von PAF bei schweren Reaktionen

Kommt es in dieser Situation zum Kontakt mit einem Allergen, reagieren die aktivierten Monozyten besonders stark. Sie setzen vermehrt den Botenstoff PAF (Platelet Activating Factor) frei. Dieser gilt als zentraler Auslöser schwerer allergischer Reaktionen, insbesondere der Anaphylaxie. Diese kann innerhalb kurzer Zeit zu einem drastischen Blutdruckabfall, Atemnot und Kreislaufversagen führen und ist potenziell lebensbedrohlich.

Bedeutung für die Praxis

Die Ergebnisse liefern eine plausible Erklärung dafür, warum Virusinfekte allergische Reaktionen deutlich verschärfen können. Für Apothekerinnen, Apotheker und medizinisches Fachpersonal ergibt sich daraus eine erhöhte Aufmerksamkeit bei Patientinnen und Patienten mit bekanntem Allergierisiko, die gleichzeitig an einer Virusinfektion leiden.

Ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen könnte künftig dazu beitragen, Risikobetroffene frühzeitig zu identifizieren und gezielter zu schützen.

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