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Alterndes Gehirn besser verstehen

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Forschende der Med Uni Graz zeigen, wie sich das Gehirn im Alter verändert und warum nicht jeder Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit krankhaft bedingt ist. Neue Technologien sollen die Früherkennung deutlich verbessern. 

Vergessene Namen, verlegte Schlüssel – viele Menschen verbinden solche Momente mit dem Älterwerden. Doch nicht jede Gedächtnislücke ist ein Grund zur Sorge. Wissenschafterinnen und Wissenschafter der Med Uni Graz beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie sich das Gehirn im Laufe des Lebens verändert und wo die Grenze zwischen normalem Altern und Erkrankung verläuft.

Komplexe Prozesse im Gehirn

Der Fachbereich Neuropsychologie & Neuroscience an der Med Uni Graz untersucht, wie sich kognitive Fähigkeiten im Laufe des Lebens verändern und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Ziel ist es, Veränderungen früh zu erkennen und besser einschätzen zu können. Neuropsychologin Marisa Koini von der Med Uni Graz beschäftigt sich mit den strukturellen und funktionellen Veränderungen des Gehirns sowie mit Biomarkern, die Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Sprache beeinflussen. 

© Med Uni Graz / Lunghammer

Das alternde Gehirn zu verstehen, heißt, es ganzheitlich zu betrachten: Was ist altersnormal und was bereits auffällig?

Assoc.-Prof. PD Mag. Dr. Marisa Koini
Neuropsychologin, Med Uni Graz

Dabei geht es nicht nur um einzelne Symptome, sondern um ein Gesamtbild. Forschungsergebnisse zeigen, dass sich strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn mit Lebensstil und Umweltfaktoren überschneiden. Diese Zusammenhänge sollen künftig noch präziser analysiert werden.

Digitale Modelle als Zukunftsvision

Ein wichtiges Forschungsziel ist die Entwicklung eines digitalen Abbilds des Gehirns. Dieser „digitale Zwilling“ soll individuelle Risikoprofile ermöglichen. Neben biologischen Faktoren werden auch Einflüsse wie Bewegung, Schlaf oder Umweltbedingungen berücksichtigt. Solche Modelle könnten helfen, Veränderungen frühzeitig sichtbar zu machen und gezielt gegenzusteuern.

Altern ist nicht gleich Abbau

Auch wenn sich bestimmte Prozesse verlangsamen, bedeutet Altern nicht automatisch Leistungsverlust. Während die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung abnimmt, bleiben andere Fähigkeiten stabil oder verbessern sich sogar. Dazu zählen etwa Erfahrungswissen, emotionale Stabilität und die Fähigkeit, komplexe Situationen zu beurteilen. Ein entscheidender Faktor ist die sogenannte neuronale Plastizität – die Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen und neue Verbindungen zu bilden.

Wann wird Vergessen problematisch?

Gelegentliche Gedächtnisprobleme gelten als normal. Kritisch wird es dann, wenn sie den Alltag beeinträchtigen. Schwierigkeiten bei gewohnten Abläufen oder Orientierung können Hinweise auf eine Erkrankung sein. In solchen Fällen sind umfassende Untersuchungen notwendig. Dabei werden verschiedene kognitive Bereiche systematisch getestet, um eine fundierte Diagnose zu ermöglichen.

Lebensstil beeinflusst das Risiko

Ein wesentlicher Faktor für die Gehirngesundheit ist der Lebensstil. Studien zeigen, dass viele Risiken für den kognitiven Abbau beeinflussbar sind. Dazu gehören unter anderem Bewegungsmangel, Rauchen oder soziale Isolation. Diese Faktoren wirken sich auf die sogenannte kognitive Reserve aus. Sie beschreibt, wie gut das Gehirn altersbedingte Veränderungen kompensieren kann. Ein aktiver Lebensstil kann dazu beitragen, diese Reserve zu stärken.

Neue Wege in der Früherkennung

Technologische Entwicklungen eröffnen neue Möglichkeiten in der Diagnostik. Digitale Tests, Wearables oder Virtual-Reality-Anwendungen könnten künftig helfen, Veränderungen früher zu erkennen als bisher. Ein Beispiel ist das Forschungsprojekt LETHE-AT, an dem die Med Uni Graz beteiligt ist. In einer langfristigen Studie wird untersucht, wie sich gezielte Lebensstiländerungen auf das Demenzrisiko auswirken. Gleichzeitig sollen neue digitale Präventionsansätze entwickelt werden.

Was dem Gehirn guttut

Auch im Alltag lässt sich viel für die eigene Gehirngesundheit tun. Besonders wirksam ist eine Kombination mehrerer Faktoren:

  • regelmäßige Bewegung
  • soziale Interaktion
  • geistige Aktivität
  • ausreichend Schlaf
  • ausgewogene Ernährung

Diese Maßnahmen können dazu beitragen, die geistige Leistungsfähigkeit möglichst lange zu erhalten.

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