Neun von zehn Menschen über 80 sind mit ihrem Leben zufrieden. Gleichzeitig zeigt die Hochaltrigenstudie deutliche gesundheitliche Einschränkungen und soziale Unterschiede. Bildung, Geschlecht und Einkommen prägen die Lebensrealität im hohen Alter stark.
Die vierte Welle der Österreichischen Interdisziplinären Hochaltrigenstudie (ÖIHS) zeichnet ein differenziertes Bild der Lebenssituation von Menschen ab 80 Jahren in Österreich. Die Ergebnisse basieren auf 826 Befragten aus mehreren Bundesländern und zeigen: Hohe Lebenszufriedenheit und gesundheitliche Belastungen bestehen nebeneinander.
Hohe Lebenszufriedenheit trotz Einschränkungen
Rund 90 Prozent der über 80-Jährigen sind mit ihrem Leben zufrieden. Gleichzeitig ist nur etwa ein Drittel gesundheitlich und funktional gut aufgestellt. Mehr als die Hälfte lebt mit zwei oder mehr chronischen Erkrankungen, besonders häufig mit Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Dennoch lebt die große Mehrheit weiterhin im eigenen Zuhause, während nur ein kleiner Teil in Pflegeheimen wohnt.
Auch der Unterstützungsbedarf bleibt begrenzt: Weniger als die Hälfte benötigt Hilfe im Alltag. Im Pflegefall wird die Betreuung zu Hause klar bevorzugt, etwa durch Heimhilfe oder 24-Stunden-Betreuung.
Deutliche Unterschiede nach Geschlecht und Bildung
Die Studie zeigt klare Ungleichheiten. Männer schätzen ihren Gesundheitszustand häufiger als gut ein als Frauen. Gleichzeitig erreichen Frauen deutlich häufiger ein sehr hohes Alter, sind jedoch öfter von Einschränkungen betroffen und benötigen häufiger Unterstützung.
Auch das Bildungsniveau wirkt sich stark aus. Personen mit höherer Bildung sind deutlich häufiger fit und selbstständig. Menschen mit niedriger Bildung leiden öfter an mehreren chronischen Erkrankungen und sind häufiger pflegebedürftig. Diese Unterschiede ziehen sich durch nahezu alle untersuchten Bereiche.
Psychische Gesundheit stabil
Die psychische Situation ist insgesamt stabil. Der Großteil der Befragten leidet nicht an Depressionen, und Einsamkeit ist weniger verbreitet als oft angenommen. Besonders betroffen sind jedoch gesundheitlich stark eingeschränkte Personen, alleinlebende Menschen und Bewohner von Pflegeheimen.
Gleichzeitig zeigen kognitive Tests bei vielen Befragten Hinweise auf Einschränkungen. Ein unauffälliger Befund ist nur bei einer Minderheit zu beobachten, wobei Männer, Jüngere innerhalb der Altersgruppe und Personen mit höherer Bildung besser abschneiden.
Soziale Ungleichheit verstärkt sich im Alter
Ein zentrales Ergebnis ist die wachsende soziale Ungleichheit im hohen Alter. Einkommen, Bildung und Geschlecht beeinflussen Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität deutlich. Rund ein Viertel der Hochaltrigen gilt als armutsgefährdet. Frauen sind besonders betroffen, unter anderem aufgrund geringerer Einkommen und häufiger Verwitwung.
Die Nutzung digitaler Angebote ist weiterhin niedrig. Nur etwa ein Viertel der über 80-Jährigen verwendet das Internet regelmäßig, mehr als die Hälfte gar nicht. Besonders gering ist die Nutzung bei Personen mit niedriger Bildung.
Anpassungen im Wohnraum erfolgen häufig erst bei konkretem Bedarf. Obwohl die Bereitschaft steigt, werden altersgerechte Maßnahmen meist nicht vorausschauend umgesetzt. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Vorsorge über den gesamten Lebenslauf hinweg entscheidend ist, um Lebensqualität im Alter zu sichern.




