Start Apotheke Entspannung für Magen und Darm: Kümmel aus der Familie der Apiaceae

Entspannung für Magen und Darm: Kümmel aus der Familie der Apiaceae

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Die Familie der Apiaceae umfasst zahlreiche Arznei- und Gewürzpflanzen mit ähnlichen Inhaltsstoffen. Am Beispiel von Kümmel zeigt sich, welche Bedeutung diese Pflanzenfamilie für die Phytotherapie hat und wie ihr Potenzial in der Praxis genutzt werden kann.

Selten liegen Heilung, Genuss und Toxizität so nah beieinander wie in der Familie der Doldenblütler, auch Apiaceae genannt. Zu ihr gehören allseits bekannte Gewürzpflanzen wie Anis (Pimpinella anisum L.), Fenchel (Foeniculum vulgare Mill.), Koriander (Coriandrum sativum L.), Petersilie (Petroselinum crispum Mill.) oder Kümmel (Carum carvi L.), aber auch hochgiftige Vertreter wie der berühmtberüchtigte Gefleckte Schierling (Conium maculatum L.). Die Familienbezeichnung „Apiaceae“ leitet sich von Apium, dem lateinischen Namen für Sellerie, ab. Wie die Karotte ist auch er Teil dieser großen Pflanzenfamilie.

Pflanzenanatomie

Streift man aufmerksam durch blühende Wiesen, sind Doldenblütler nicht zu übersehen. Wie ihr Name schon verrät, bilden ihre Blütenstände sogenannte Dolden oder Doppeldolden aus, deren Aufbau an den Bau eines Regenschirms erinnert. Ähnlich den Striemen des Schirms entspringen mehrere Blütenstiele einem gemeinsamen Punkt. Aus dieser Analogie rührt die alte Familienbezeichnung „Umbelliferae“ (lat. umbella = Schirm, ferre = tragen), zu Deutsch „Schirmträger“.

Schematische Darstellung von Dolde und Doppeldolde als typische Blütenstände der Apiaceae (Doldenblütler)
© Julia Schröckenfuchs

Die Vertreter der Apiaceae sind stets krautige Pflanzen, die oft kräftige Pfahlwurzeln ausbilden. Im Falle der Karotte sind diese sogar genießbar. Die Blätter der Doldenblütler sind wechselständig angeordnet und ein- bis mehrfach gefiedert. Ein typisches Familienmerkmal stellen ihre Spaltfrüchte dar, die im Zuge der Reife in zwei Teilfrüchte zerfallen. Aufgrund ihres hohen Anteils an ätherischem Öl besitzen sie einen aromatischen Duft und werden häufig als Küchengewürze eingesetzt.

Wenn Pflanzenkontakt Spuren hinterlässt

Wussten Sie, dass manche Pflanzenarten schwerwiegende Hautreaktionen hervorrufen können? Die sogenannte Phototoxizität (griech. photos = Licht, toxikon = Giftigkeit) ist ein bekanntes Phänomen, das nach direktem Kontakt mit Doldenblütlern auftreten kann und schmerzhafte Hauterscheinungen mit sich bringt. Grund dafür sind die in den Pflanzen enthaltenen Furanocumarine, die bei Berührung in die oberen Hautschichten eindringen und durch die UV-Strahlung des Sonnenlichts photochemisch aktiviert werden. In diesem Prozess kommt es zur Bildung schädlicher Radikale, auch ROS (reaktive Sauerstoffspezies) genannt, welche die betroffenen Hautzellen schädigen und schwerwiegende Entzündungsreaktionen hervorrufen. Optisch erinnern sie an Verbrennungserscheinungen und müssen je nach Schweregrad mit Cortison behandelt werden. Nach Abheilung bleibt eine dunkle Verfärbung (Hyperpigmentierung) sichtbar, die Wochen bis Monate anhalten kann. Den wohl bekanntesten Auslöser stellt der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum Sommier & Levier) dar.

Der Kümmel – Carum carvi L.

Getrocknete Kümmelfrüchte (Carum carvi L.) als Arzneidroge zur Unterstützung der Verdauung und bei Magen-Darm-Beschwerden
© Michelle – stock.adobe.com

Obwohl er den meisten als Gewürzpflanze bekannt ist, hat diese Heilpflanze weitaus mehr zu bieten als nur ihre aromatische Note. Pharmazeutisch verwendet werden die reifen, getrockneten Spaltfrüchte. Sie sind sichelförmig gebogen, braun und leicht anhand ihres typischen Geruchs und Geschmacks erkennbar. Der Kümmel wird seit jeher als verdauungsförderndes und krampflösendes Mittel in diversen Darreichungsformen eingesetzt. Für die Wirkung verantwortlich ist das vor allem in den Früchten enthaltene ätherische Öl, dessen Hauptbestandteile Carvon und Limonen sind. Nicht zu verwechseln ist der Kümmel mit seinem Namensverwandten, dem „Schwarzkümmel“ (Nigella sativa L.) – dieser gehört nämlich einer vollkommen anderen Pflanzenfamilie an, den Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae).

Linderung von Magen-Darm-Beschwerden

Als stärkstes pflanzliches Karminativum (blähungstreibendes Mittel) kann Kümmel krampfartige Bauchschmerzen lindern und gasbildende Speisen bekömmlicher machen. Aus diesem Grund wird er oft schwer verdaulichen oder fetten Gerichten, wie Kohl- und Krautgerichten oder Backwaren, zugesetzt. Belegt wurden seine muskelrelaxierenden (muskelentspannenden), spasmolytischen (krampflösenden) und sekretionsfördernden Wirkungen, wodurch typische Verdauungsprobleme gelindert werden können. Sogar eine antimikrobielle Wirkung gegen schädliche Darmbakterien und Pilze wurde festgestellt. Demnach hat sein Zusatz als Küchengewürz auch positive Effekte auf unseren Magen-Darm-Trakt.

Wann soll auf Kümmel besser verzichtet werden?

Dank seiner guten Verträglichkeit treten Nebenwirkungen nach der Einnahme nur sehr selten auf. Vorsicht ist bei Patienten mit Leber- oder Gallenproblemen geboten, da sich diese nach längerer Einnahme verstärken können. Liegt eine bekannte Allergie gegen Doldenblütler vor, ist der Einsatz von Kümmel jedenfalls kontraindiziert. 

Reizdarm – ein Beschwerdebild mit vielen Ursachen

Rund zwei Drittel aller Österreicherinnen und Österreicher leiden an Verdauungsbeschwerden. Schätzungen zufolge ist jeder Fünfte mit den Anzeichen eines Reizdarmsyndroms (RDS) konfrontiert, wobei Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Die Gründe der Symptome können von einfachen Nahrungsmittelunverträglichkeiten bis hin zu schwerwiegenden chronischen Darmerkrankungen reichen. Einen wesentlichen Einflussfaktor stellen psychische und seelische Belastungen dar, da diese ganz unbewusst unsere Darmtätigkeit beeinflussen können. Die Reduktion von Stress im Alltag sowie regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung sind daher wichtige Therapieempfehlungen. 

Da sich ein Reizdarmsyndrom sehr individuell äußert und es bislang keine allgemeingültige Standardtherapie gibt, kann eine Behandlung nur symptomatisch erfolgen. Besonders bewährt hat sich die Kombination aus Kümmel- und Pfefferminzöl, welche in Form von magensaftresistenten Kapseln als Fertigpräparat erhältlich ist. Gemeinsam kann ihre spasmolytische und muskelrelaxierende Wirkung sowie die Sekretion von Verdauungssäften verstärkt werden. Studien haben gezeigt, dass Menthol aus Pfefferminzöl unsere Calciumkanäle blockieren kann, welche für die Muskelanspannung wichtig sind. Zudem besitzt Menthol leicht betäubende (lokalanästhetische) Eigenschaften, die zur Schmerzlinderung beitragen. Um unangenehme Nebenwirkungen wie Sodbrennen zu vermeiden und die Magenschleimhaut zu schonen, wird die Kombination in Form von magensaftresistenten Kapseln eingesetzt. Diese sollen mit ausreichend Flüssigkeit mindestens 30 Minuten vor den Mahlzeiten eingenommen werden.     

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