Start Wissenschaft Tabakerhitzer beeinträchtigen akut die Gefäße

Tabakerhitzer beeinträchtigen akut die Gefäße

Bereits die einmalige Nutzung eines Tabakerhitzers kann messbare Veränderungen der Gefäßfunktion und des Blutdrucks auslösen. Eine Untersuchung eines deutschen Forschungsteams mit 30 gesunden erwachsenen Rauchenden zeigt zudem Hinweise auf oxidativen Stress und DNA-Schäden. Wie lange diese Auswirkungen anhalten, ist noch unklar.

Tabakerhitzer kommen ohne die klassische Verbrennung von Tabak aus. Das bedeutet allerdings nicht, dass ihre Verwendung ohne unmittelbare Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System bleibt. Eine Untersuchung unter der Leitung von Lea Strohm vom Universitätsklinikum Mainz zeigt, dass bereits nach einer einzelnen Anwendung Veränderungen an Blutgefäßen und Blutzellen messbar sind.

Die Ergebnisse wurden am 27. Oktober 2026 im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlicht. An der Untersuchung nahmen 30 gesunde erwachsene Rauchende mit einem Durchschnittsalter von 34 Jahren teil.

Blutdruck steigt, Gefäßfunktion nimmt ab

Für die Untersuchung wurden vor und nach der Nutzung eines Tabakerhitzers mehrere Messwerte erhoben. Dazu gehörten Blutproben, Blutdruckmessungen und eine Ultraschalluntersuchung der Hauptarterie im rechten Arm. Die Tests wurden zweimal unabhängig voneinander durchgeführt.

Nach der Anwendung stellten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter folgende Veränderungen fest:

– Blutdruck: Der systolische Blutdruck stieg um drei Millimeter Quecksilbersäule (mmHg).
– Gefäßfunktion: Die flussvermittelte Dilatation (FMD) nahm um elf Prozent ab. Dieser Messwert beschreibt, wie stark sich eine Arterie bei erhöhtem Blutfluss erweitert.
– Sauerstoffsättigung: Die venöse Sauerstoffsättigung sank von etwa 71 Prozent auf rund 46 Prozent.

Die Messwerte weisen auf eine akute Beeinträchtigung der Gefäßfunktion und Veränderungen der Sauerstoffversorgung hin.

DNA-Schäden und oxidativer Stress festgestellt

Neben den Veränderungen im Herz-Kreislauf-System fanden die Forschenden auch DNA-Schäden an Blutzellen. Die Untersuchung auf DNA-Schäden erfolgte anhand von Blutproben von sechs Studienteilnehmenden. Zudem beobachteten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter eine oxidative Stressreaktion, die auf eine Belastung der Zellen hinweist.

Strohm sieht darin einen Hinweis darauf, dass Tabakerhitzer auch ohne klassische Tabakverbrennung biologische Veränderungen auslösen können. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Produkte nicht biologisch neutral sind.“

Die Wissenschafterin stellt damit auch die Vermarktung von Tabakerhitzern als weniger schädliche Alternative zu herkömmlichen Zigaretten infrage. Die Untersuchung erfasst allerdings ausschließlich unmittelbare Veränderungen nach der Anwendung. Aussagen über langfristige gesundheitliche Folgen lassen sich daraus noch nicht ableiten.

Größere Langzeitstudien erforderlich

Die Untersuchung liefert Daten zu den akuten Auswirkungen erhitzter Tabakprodukte. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl und des kurzen Beobachtungszeitraums bleibt jedoch offen, wie lange die gemessenen Veränderungen bestehen bleiben.

Strohm betont deshalb die Notwendigkeit größerer Langzeitstudien. Diese sollen insbesondere klären, wie dauerhaft die beobachteten Effekte sind.

Einheitliche Regulierung von Nikotinprodukten gefordert

Studien-Co-Autor Thomas Münzel vom Universitätsklinikum Mainz spricht sich angesichts der Ergebnisse für eine einheitliche Regulierung sämtlicher Nikotinprodukte aus. „Kein nikotinhaltiges Produkt, egal ob geraucht, erhitzt, verdampft oder oral aufgenommen, kann als unbedenklich für Herz und Blutgefäße gelten.“ Er verweist zudem darauf, dass erhitzter Tabak zwar weniger Verbrennungsprodukte erzeugt, aber weiterhin Nikotin freisetzt. Dieses könne die Gefäßwände schädigen, den Blutdruck erhöhen und die Entstehung von Atherosklerose fördern.

Der Wissenschafter fordert deshalb, Aromabeschränkungen, Werbeverbote und Rauchverbote auf sämtliche Nikotinprodukte auszuweiten.

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