Fast die Hälfte der über 80-Jährigen stürzt mindestens einmal im Jahr. Eine deutsche Langzeitstudie zeigt, dass neben gesundheitlichen Einschränkungen auch bestimmte Arzneimittel mit einem erhöhten Sturzrisiko verbunden sein können. Für die Prävention ist das Zusammenspiel mehrerer Risikofaktoren entscheidend.
Stürze können im hohen Alter schwere Verletzungen und Krankenhausaufenthalte verursachen. Wie häufig sie auftreten, zeigt die deutsche Studie „Gesundheit 65+“ mit insgesamt 3.694 Teilnehmenden, darunter mehr als 1.700 Personen über 80 Jahre.
Bei der ersten Befragung berichteten 38,1 Prozent der über 80-Jährigen von mindestens einem Sturz innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Ein Jahr später waren es bereits 46,7 Prozent. Bei der zweiten Befragung gab zudem rund ein Drittel der Teilnehmenden an, mindestens zweimal gestürzt zu sein.
Arzneimittel als möglicher Risikofaktor
Das Forschungsteam um die Epidemiologin Giselle Sarganas vom Robert-Koch-Institut untersuchte dabei unter anderem den Einfluss potenziell sturzfördernder Arzneimittel, sogenannter Fall-Risk-Increasing Drugs (FRIDs). Diese können Nebenwirkungen wie Schwindel, Sedierung, niedrigen Blutdruck oder Gleichgewichtsstörungen verursachen.
In einer ersten Analyse war die Einnahme solcher Arzneimittel mit einem um 93 Prozent erhöhten Sturzrisiko assoziiert. Zu den häufig eingesetzten Wirkstoffgruppen zählten:
– Diuretika: 37,9 Prozent
– Opioide: 11,9 Prozent
– Alphablocker: 9 Prozent
– Antidepressiva: 8,8 Prozent
– Antiepileptika: 8,1 Prozent
Mehrere Faktoren erhöhen das Sturzrisiko
Bei gemeinsamer Berücksichtigung aller untersuchten Einflussfaktoren blieben insbesondere drei Risikofaktoren statistisch signifikant:
– Harninkontinenz: plus 65 Prozent
– Depressionen: plus 61 Prozent
– Sehbeeinträchtigungen: plus 41 Prozent
Auch bei potenziell sturzfördernden Arzneimitteln zeigte sich ein Zusammenhang mit häufigeren Stürzen. Dieser war nach Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren jedoch statistisch nicht mehr signifikant.
Die Studienautorinnen und -autoren betonen daher die Bedeutung einer umfassenden Sturzprävention. Dazu zählen die Überprüfung verordneter Arzneimittel auf mögliche sturzfördernde Wirkungen, Sehkontrollen, die Behandlung von Inkontinenz und Depressionen sowie individuell angepasste Bewegungsprogramme.
Für Apotheken sind die Ergebnisse relevant. Bei der Überprüfung der Medikation älterer Patientinnen und Patienten können potenziell sturzfördernde Arzneimittel und mögliche Wechselwirkungen berücksichtigt werden. Die Studie unterstreicht dabei, dass die Arzneimitteltherapie nur ein Teil des Sturzrisikos ist und weitere gesundheitliche Faktoren in die Prävention einbezogen werden sollten.
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