Immer mehr Kinder leiden unter einem chronischen Handekzem. Eine Studie zeigt, dass der mit Abstand häufigste Auslöser selbstgemachter Slime ist. Apotheker und PKAs können durch gezieltes Nachfragen und Beratung zur Sensibilisierung beitragen.
Zunehmendes Problem im Kindesalter
Chronisches Handekzem (CHE) tritt häufig bei Erwachsenen auf, oft im Zusammenhang mit beruflicher Exposition. Eine aktuelle systematische Literaturübersicht von kanadischen und deutschen Forschenden zeigt jedoch, dass auch Kinder zunehmend betroffen sind.
Mit einer Prävalenz zwischen 6,5 und 13,3% handelt es sich um ein relevantes pädiatrisches Krankheitsbild, das erheblichen Einfluss auf Alltagsfunktionen und Lebensqualität hat.
Slime häufigste Ursache
Für die Analyse werteten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter die Daten von 62 klinischen Fallberichten von Kindern mit chronischem Handekzem aus.
Dabei stellten sie insgesamt 35 verschiedene Auslöser fest, die vier häufigsten waren:
- selbstgemachter Slime (in 45% der Fälle)
- gekaufter Slime (13%)
- Pflanzen im Freien, v.a. Korbblütler (6%)
- UV-härtender Methacrylat-Nagellack (6%)
Slime-Dermatitis besonders bei Mädchen
Mehr als die Hälfte der Fälle von chronischem Handekzem bei Kindern waren demnach durch – selbstgemachten oder gekauften – Slime verursacht. Mädchen zwischen 10 und 12 Jahren waren überproportional davon betroffen. Wahrscheinlich, weil das Spielen mit Slime bei ihnen beliebter ist als bei Buben, vermuten die Autoren. Typisch war, dass in diesen Fällen die Ekzeme beidseitig an den Handflächen auftraten und zusätzlich oft auch im Gesicht.
Die vier häufigsten durch Patch-Tests festgestellten Allergene im Zusammenhang mit Slime-Dermatitis waren:
- die Konservierungsstoffe Methylchloroisothiazolinon und/oder Methylisothiazolinon (MCI/MI, in 70% der Fälle),
- Linalool (bei 17%),
- Benzisothiazolinon (bei 17%) und
- Duftstoffmischungen (bei 13%).
Selbstgemacht bedeutet nicht automatisch unbedenklich
Die Studienautoren verweisen auf eine Analyse von 48 verschiedenen Online-Rezepten, die zeigt, dass Propylenglykol, MCI/MI und Duftstoffe die häufigsten Bestandteile von selbst hergestelltem Slime waren.
„Kinder folgen oft Online-Anleitungen, in denen die Verwendung von Haushaltsprodukten wie Rasierschaum, Spülmittel, Kontaktlinsenflüssigkeit, Duftstoffen und Klebstoffen empfohlen wird, die nie für längeren Hautkontakt vorgesehen waren. Sie enthalten Inhaltsstoffe wie die Konservierungsmittel MCI/MI in hohen Konzentrationen, die sonst in Produkten, die auf der Haut verbleiben, nicht zulässig wären“, erklären die Wissenschafter.
Bei kindlichem Handekzem an Slime denken
Der wichtigste Behandlungsansatz ist die konsequente Allergen- und Triggervermeidung. Deshalb sollte man bei Kindern mit chronischem Handekzem in der Beratung an Slime denken und danach fragen. Denn nicht selten wird angenommen, dass selbstgemachte Produkte unbedenklich seien.
„Im Allgemeinen gilt im Handel erhältlicher Slime, der von einem regulierten Hersteller produziert wird, als sicherere Alternative. Dennoch besteht weiterhin ein Allergierisiko durch die enthaltenen Konservierungs- und Duftstoffe“, so die Wissenschafter.
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