Eine Langzeitstudie aus Freiburg zeigt: Bestimmte Blutmarker in der Schwangerschaft stehen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen innerhalb von rund zwölf Jahren in Zusammenhang. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung strukturierter Nachsorge und geschlechtersensibler Prävention.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen in Österreich. Dennoch werden Risiken oft unterschätzt und Symptome später erkannt als bei Männern. Eine neue Studie des Universitätsklinikums Freiburg liefert nun einen weiteren wichtigen Baustein für eine frühere Risikoeinschätzung.
Blutmarker als Risikoindikator
Eine Schwangerschaft stellt für den weiblichen Körper eine erhebliche Belastung dar. Genau darin liegt laut Forschenden ein diagnostisches Potenzial.
Wissenschafterinnen und Wissenschafter des Universitätsklinikums Freiburg untersuchten gemeinsam mit dänischen Kolleginnen und Kollegen Blutproben von 2.056 schwangeren Frauen. Die Daten stammen aus einer süddänischen Kohortenstudie mit insgesamt 38.455 Schwangeren. Über rund zwölf Jahre wurde die gesundheitliche Entwicklung nachverfolgt.
28 der untersuchten Frauen entwickelten im Beobachtungszeitraum eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Zum Zeitpunkt der Erkrankung waren die Frauen im Durchschnitt rund 40 Jahre alt.
Besonders auffällig waren erhöhte Werte des Blutmarkers sFlt-1 im letzten Drittel der Schwangerschaft. Auch Schwangerschafts-Bluthochdruck erwies sich als signifikanter Risikofaktor.
Schwangerschaft als diagnostisches Fenster
„Eine Schwangerschaft wirkt wie ein natürlicher Stresstest für das Herz. Mit unseren Erkenntnissen können wir die Gesundheit von Frauen langfristig verbessern. Denn Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weiterhin die Todesursache Nummer eins bei Frauen“, sagt Prof. Dr. Dirk Westermann, ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Freiburg.
„Unsere Studie zeigt, dass sich bereits in der Schwangerschaft Hinweise finden lassen, die auf ein später erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hindeuten – lange bevor Beschwerden auftreten“, ergänzt Dr. Lucas Bacmeister, Erstautor und wissenschaftlicher Leiter der Studie.
Sechs bis zehn Prozent aller Schwangeren sind von Schwangerschafts-Bluthochdruck betroffen, die häufigste Form ist die Präeklampsie. Die Studie zeigt, dass betroffene Frauen ein erhöhtes Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen innerhalb der folgenden rund zwölf Jahre tragen können.
Als Konsequenz wurde am Universitätsklinikum Freiburg eine spezialisierte Nachsorge-Sprechstunde eingerichtet. Ziel ist eine strukturierte Nachbetreuung mit standardisierten Kontrollterminen wenige Wochen nach der Geburt sowie erneut nach einem Jahr, um Risikopatientinnen frühzeitig zu identifizieren und präventive Maßnahmen einzuleiten.
Frauenherzgesundheit rückt stärker in den Fokus
Die aktuellen Ergebnisse fügen sich in eine breitere Diskussion zur Frauenherzgesundheit ein. Erst Anfang Februar rückte der GoRed Day in Österreich das Thema verstärkt in die Öffentlichkeit. Initiativen wie GoRed Austria machen darauf aufmerksam, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen häufig anders verlaufen und Risiken oft unterschätzt werden.
Die Freiburger Daten liefern nun zusätzliche wissenschaftliche Evidenz dafür, wie wichtig eine geschlechtersensible Prävention und strukturierte Nachsorge sind – bereits in frühen Lebensphasen wie der Schwangerschaft.
Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren: • GoRed Day am 6. Februar – aktiv werden für mehr Sichtbarkeit




