Protein liegt im Trend. Fachleute warnen jedoch vor überzogenen Erwartungen an eine besonders hohe Eiweißzufuhr. Stattdessen sprechen sie sich für eine bedarfsgerechte Ernährung, hochwertige Proteinquellen und mehr pflanzliche Alternativen aus.
Protein gilt derzeit als einer der gefragtesten Nährstoffe. Ob Lebensmittel mit zusätzlichem Eiweiß oder Nahrungsergänzungsmittel – der Markt wächst. Nach Einschätzung von Fachleuten ist die Sorge, die Bevölkerung sei generell unzureichend mit Protein versorgt, jedoch nicht durch die wissenschaftliche Evidenz gedeckt.
Ausreichende Versorgung bei ausgewogener Ernährung
Beim Business Breakfast des forum. ernährung heute (f.eh) betonte Ao. Univ.-Prof. Dr. Cem Ekmekcioglu von der Medizinischen Universität Wien, dass die durchschnittliche Proteinzufuhr in Österreich bereits über den empfohlenen Werten liege. Für gesunde Erwachsene sei eine abwechslungsreiche Mischkost in der Regel ausreichend. Proteinangereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel seien deshalb für die Allgemeinbevölkerung meist nicht notwendig.
Darüber hinaus komme es nicht allein auf die Menge an. Ebenso wichtig seien die Qualität der Proteinquellen, eine gleichmäßige Verteilung der Aufnahme über den Tag sowie regelmäßige Bewegung.
Trend als Chance für pflanzliche Proteinquellen
Nach Einschätzung von Mag. Hanni Rützler vom futurefoodstudio Wien spiegelt der Proteintrend das wachsende Interesse an gesundem Altern und individueller Gesundheitsvorsorge wider. Gleichzeitig steige dadurch häufig auch der Konsum tierischer Proteinquellen.
Aus ernährungs- und umweltwissenschaftlicher Sicht sei jedoch eine stärkere Orientierung an pflanzlichen Proteinen sinnvoll. Innovative Lebensmittel und neue Produktkonzepte könnten dazu beitragen, Gesundheit und Nachhaltigkeit besser miteinander zu verbinden.
Landwirtschaft vor neuen Herausforderungen
Auch die Landwirtschaft steht laut DI Georg Sladek vom Agro Innovation Lab vor Veränderungen. Klimawandel, Trockenperioden und die hohe Importabhängigkeit bei Eiweißfuttermitteln erhöhen den Druck, neue Lösungen für die Proteinversorgung zu entwickeln. Dazu zählen klimaresistente Kulturpflanzen, alternative Proteinquellen sowie neue Verarbeitungsverfahren.
Nach Angaben des forum. ernährung heute bietet der aktuelle Protein-Hype die Möglichkeit, den Fokus von einer höheren Eiweißaufnahme auf eine nachhaltigere und ausgewogenere Proteinversorgung zu verlagern.




