Start Wissenschaft Jeder vierte Prostatakrebs-Befund wird nach der Operation hochgestuft

Jeder vierte Prostatakrebs-Befund wird nach der Operation hochgestuft

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Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse liefert neue Erkenntnisse zur Risikobewertung bei Prostatakrebs. Bei rund einem Viertel der Patienten mit einem Gleason-Score von 3 + 4 in der Biopsie wird der Tumor nach einer radikalen Prostatektomie als aggressiver eingestuft. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer sorgfältigen Risikobewertung, insbesondere wenn eine aktive Überwachung als Behandlungsoption in Betracht gezogen wird.

Die Einschätzung der Aggressivität eines lokal begrenzten Prostatakarzinoms ist entscheidend für die Wahl der geeigneten Behandlung. Neben Operation oder Strahlentherapie kommt bei ausgewählten Patienten mit niedrigem oder günstigem intermediärem Risiko auch eine aktive Überwachung (Active Surveillance) infrage. Dabei wird der Tumor zunächst engmaschig kontrolliert und erst behandelt, wenn Anzeichen für ein Fortschreiten der Erkrankung auftreten. Voraussetzung dafür ist jedoch eine möglichst genaue Beurteilung des Tumors.

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zeigt nun, dass sich die Einstufung des Tumors nach einer radikalen Prostatektomie nicht selten verändert.

Rund jeder vierte Tumor wurde höher eingestuft

Für die Metaanalyse wurden 48 Studien mit insgesamt 63.119 Patienten eingeschlossen. Alle Patienten hatten in der Biopsie einen Gleason-Score von 3 + 4. Für sie lag zusätzlich der pathologische Befund nach einer radikalen Prostatektomie vor. 

Der Gleason-Score gibt anhand des mikroskopischen Erscheinungsbildes der Tumorzellen Hinweise darauf, wie aggressiv ein Prostatakarzinom ist. Ein Wert von 3 + 4 gilt als günstiger als 4 + 3, obwohl beide zusammen einen Gleason-Score von 7 ergeben. Der Unterschied: Bei 4 + 3 überwiegt das aggressivere Wachstumsmuster.

Das Ergebnis: Bei 23,4 Prozent der Patienten wurde der Gleason-Score nach der Operation auf mindestens 4 + 3 hochgestuft. Bei 3,6 Prozent ergab die pathologische Untersuchung sogar einen Gleason-Score von mindestens 8. Da nach der Operation das gesamte entfernte Prostatagewebe untersucht werden kann, ist die Beurteilung häufig genauer als anhand der zuvor entnommenen Biopsieproben.

Mehrere Faktoren beeinflussen das Risiko

Mehrere Faktoren waren mit einem höheren Risiko für ein späteres Upgrading verbunden. Dazu zählten das Alter der Patienten, das klinische Tumorstadium (cT), der PI-RADS-Wert der Magnetresonanztomografie, ein hoher Tumoranteil in einer Biopsieprobe sowie die Anzahl der Biopsieproben, in denen Krebszellen nachgewiesen wurden. Keinen Einfluss hatte hingegen die Art der Biopsie. Weder zwischen systematischer und MRT-gezielter Biopsie noch zwischen transrektalem und transperinealem Zugang fanden die Autoren signifikante Unterschiede beim Risiko einer späteren Hochstufung.

Bedeutung für die Therapieentscheidung

Nach Einschätzung der Studienautoren verdeutlichen die Ergebnisse, dass Patienten mit einem Gleason-Score von 3 + 4 sorgfältig ausgewählt werden sollten, wenn eine aktive Überwachung geplant ist. Da etwa jeder vierte Tumor nach der Operation aggressiver eingestuft wurde, könnte das tatsächliche Risiko in einzelnen Fällen vor der Behandlung unterschätzt werden.

Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass ein pathologisches Upgrading mit ungünstigeren onkologischen Ergebnissen, insbesondere einem höheren Risiko für ein biochemisches Rezidiv, verbunden sein kann. Gleichzeitig betonen sie, dass weitere Studien erforderlich sind, um die Auswahl geeigneter Patienten für eine aktive Überwachung weiter zu verbessern.

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