Start Wissenschaft Studie untersucht Immunzellen als Prognosemarker nach Herzinfarkt 

Studie untersucht Immunzellen als Prognosemarker nach Herzinfarkt 

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Forschende der Universität Münster haben einen Laborwert identifiziert, der bereits bei der Aufnahme ins Krankenhaus Hinweise auf das Sterberisiko nach einem Herzinfarkt liefern könnte. Der Parameter ist Teil des routinemäßigen Differential-Blutbilds und könnte die Risikoeinschätzung erleichtern. Bevor ein Einsatz im klinischen Alltag möglich ist, sind jedoch weitere Studien erforderlich.

Nach einem Herzinfarkt reagiert nicht nur das Herz-Kreislauf-System. Auch das Immunsystem wird aktiviert und setzt verstärkt neutrophile Granulozyten frei, die häufigste Gruppe der weißen Blutkörperchen. Unter starker Belastung gelangen dabei auch unreife Vorstufen dieser Zellen aus dem Knochenmark in den Blutkreislauf. Ein Forschungsteam der Universität Münster hat nun untersucht, ob diese Immunreaktion Rückschlüsse auf den weiteren Krankheitsverlauf zulässt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Cardiovascular Research veröffentlicht.

Mehr unreife Immunzellen bei schweren Verläufen

Für die Studie analysierten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter Blutproben von mehr als 200 Patientinnen und Patienten mit Herzinfarkt, Herzschwäche oder Schlaganfall sowie von gesunden Personen. Mithilfe einer hochauflösenden spektralen Durchflusszytometrie bestimmten sie die verschiedenen Reifestadien neutrophiler Granulozyten.

Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen der Schwere der Erkrankung und dem Anteil unreifer Zellvorstufen im Blut. Besonders ausgeprägt war dieser Befund bei Patientinnen und Patienten mit einem ST-Hebungsinfarkt, bei dem ein Herzkranzgefäß vollständig verschlossen ist. In diesen Fällen fanden die Forschenden sogar sogenannte Preneutrophile – besonders frühe Vorläuferzellen der neutrophilen Granulozyten. Parallel dazu beobachteten sie ein charakteristisches Muster entzündungsfördernder Botenstoffe im Blutplasma.

IG-Wert könnte zusätzliche Informationen liefern

Nach Angaben des Forschungsteams lassen sich die unreifen Zellvorstufen im routinemäßigen Differential-Blutbild als sogenannte unreife Granulozyten (IG) erfassen. Dieser Laborwert ist in den meisten Krankenhäusern verfügbar und erfordert keine zusätzlichen Spezialuntersuchungen.

Um die Aussagekraft des IG-Werts zu überprüfen, analysierten die Forschenden zwei weitere unabhängige Patientenkohorten mit mehreren hundert Personen. Sowohl in einer rückblickenden als auch in einer vorausschauenden Kohorte erwies sich der Wert als aussagekräftiger für das Sterberisiko innerhalb der ersten dreißig Tage als etablierte Biomarker. Auch nach Berücksichtigung weiterer bekannter Risikofaktoren blieb der IG-Wert ein unabhängiger Prädiktor.

Nach Einschätzung des Forschungsteams liefert der Laborparameter somit zusätzliche Informationen für die Risikobewertung unmittelbar nach der Aufnahme ins Krankenhaus.

Potenzial für die frühe Risikoeinschätzung

Ein Vorteil des Verfahrens liegt laut den Autorinnen und Autoren darin, dass der benötigte Laborwert bereits im klinischen Alltag verfügbar ist. Dadurch könnten Patientinnen und Patienten mit einem erhöhten Risiko früh identifiziert und gegebenenfalls intensiver überwacht werden, ohne dass zusätzliche oder aufwendige Analysen erforderlich sind.

Die Forschenden betonen allerdings, dass der prognostische Nutzen des IG-Werts zunächst in weiteren unabhängigen Studien bestätigt werden muss, bevor ein breiter Einsatz in der klinischen Praxis infrage kommt.

„Wir verstehen jetzt besser, dass das geschädigte Herz und das Knochenmark eng miteinander kommunizieren. Welche Signale diese verstärkte Zellausschüttung genau auslösen, wollen wir als Nächstes klären, denn darin könnten künftige Ansatzpunkte für neue Behandlungen liegen“, sagt Prof. Dr. Oliver Söhnlein, Letztautor der Studie.

An der Studie waren neben der Universität Münster und dem Universitätsklinikum Münster auch das Universitätsklinikum Düsseldorf, das LMU Klinikum München, das Universitätsklinikum Essen, das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, das Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften (ISAS) Dortmund, die Medizinische Universität Innsbruck sowie weitere Einrichtungen beteiligt.

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