Start Wissenschaft Post-Covid-Reha: Fitness steigt, Psyche leidet

Post-Covid-Reha: Fitness steigt, Psyche leidet

Eine Wiener Studie zeigt: Post-Covid-Patientinnen und -Patienten verbessern durch ambulante Rehabilitation deutlich ihre körperliche Leistungsfähigkeit. Im Vergleich zu anderen Erkrankungen bleiben jedoch Einschränkungen der Lebensqualität bestehen – besonders in Bezug auf psychische Belastungen und Fatigue.

Ambulante Post-Covid-Reha

Eine mehrwöchige ambulante Rehabilitation verbessert bei Post-Covid-Betroffenen nachweislich die körperliche Leistungsfähigkeit. Das zeigen aktuelle Daten einer Studie, die von Ferdinand Prüfer und seinen Co-Autoren vom Ludwig Boltzmann Institut für Rehabilitationsforschung in Wien durchgeführt und in den „Archives of Rehabilitation Research and Clinical Translation“ veröffentlicht wurde.

Insgesamt nahmen knapp 600 Patientinnen und Patienten im Rehabilitationszentrum der Therme Wien an der Studie teil. Davon litten 227 am Post-Covid-Syndrom, während die übrigen an verschiedenen anderen Erkrankungen behandelt wurden. Auffällig war, dass die Post-Covid-Betroffenen im Durchschnitt 44,7 Jahre alt und zu 75,4 Prozent weiblich waren. Die ambulante Rehabilitation umfasste ein multidisziplinäres Programm. Dieses lief über sechs bis zehn Wochen mit Kraft- und Ausdauertraining, Physiotherapie, psychologischer Betreuung und Ernährungsberatung.

Größter Zugewinn bei körperlicher Leistungsfähigkeit

Post-Covid-Betroffene konnten ihre körperliche Funktionsfähigkeit im Sechs-Minuten-Gehtest durchschnittlich um 60,4 Meter steigern – der höchste Wert aller untersuchten Gruppen. Auch nach Bereinigung der Ausgangswerte wiesen sie die besten Ergebnisse hinsichtlich körperlicher Fitness auf. Die durchschnittlich zurückgelegte Strecke am Ende der Reha lag bei 632,4 Metern (Gesamtgruppe: 603,4 Meter).

Lebensqualität bleibt signifikant eingeschränkt

Trotz körperlicher Fortschritte zeigten sich in der Lebensqualität deutliche Unterschiede: Post-Covid-Betroffene berichteten sowohl zu Beginn als auch am Ende der Rehabilitation von den niedrigsten Werten – gemessen mit dem EuroQuol-5D-Fragebogen und einer Selbsteinschätzung auf einer 100-Punkte-Skala. Ein ähnlich niedriges Niveau zeigte sich nur bei Patientinnen und Patienten mit COPD.

„Obwohl die ambulante Rehabilitation mit Verbesserungen der körperlichen Funktionsfähigkeit bei Patienten mit Post-Covid einherging, bestehen weiterhin Defizite in der Lebensqualität …“, so die Autorinnen und Autoren der Studie. Diese Befunde stehen im Kontrast zu anderen Indikationen für ambulante Reha, bei denen sich auch die psychische Gesundheit meist deutlich verbessert.

Empfehlung: gezielte Strategien gegen Fatigue und psychische Belastung

Die Studienautorinnen und -autoren betonen den Bedarf an spezifischen Rehabilitationsstrategien, um die psychische Gesundheit zu stärken und Fatigue gezielt zu behandeln. Die Entwicklung von Therapieansätzen, die über körperliches Training hinausgehen, sei jedenfalls essenziell für eine nachhaltige Erholung nach Post-Covid.

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