Start Wissenschaft Nikotinbeutel werden bei Jugendlichen immer beliebter

Nikotinbeutel werden bei Jugendlichen immer beliebter

Nikotinbeutel gewinnen bei Jugendlichen an Bedeutung. Bei 15-Jährigen hat sich der Anteil des täglichen Konsums zwischen 2022 und 2024 verdoppelt. Gleichzeitig weisen aktuelle Berichte auf ein hohes Abhängigkeitspotenzial, gesundheitliche Risiken und weiterhin bestehende Forschungslücken hin.

Der Konsum von Nikotin verändert sich. Während klassische Tabakerzeugnisse an Bedeutung verlieren, werden neuere Produkte wie E-Zigaretten und Nikotinbeutel häufiger genutzt. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei Jugendlichen.

Nach Angaben von Gesundheit Österreich konsumieren sechs Prozent der 15-Jährigen täglich Nikotinbeutel. Zwei Jahre zuvor lag dieser Anteil noch bei drei Prozent. Die Produkte kommen ohne Tabak aus und lassen sich weitgehend unauffällig verwenden. Das enthaltene Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen.

Nikotingehalt unterscheidet sich erheblich

Wie viel Nikotin ein einzelner Beutel enthält, kann stark variieren. Bei Untersuchungen wurden Mengen zwischen 2 und 50 mg pro Beutel festgestellt. Eine uneinheitliche Kennzeichnung kann es zusätzlich erschweren, die tatsächlich aufgenommene Dosis einzuschätzen.

Das ist auch deshalb relevant, weil Nikotinbeutel nicht nur gelegentlich verwendet werden. Die von Gesundheit Österreich ausgewerteten Studien zeigen einen durchschnittlichen Konsum von mehr als acht Beuteln täglich. Damit befinden sich die Produkte häufig insgesamt mindestens vier Stunden pro Tag im Mund.

Nikotin besitzt ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Bei Nikotinbeuteln setzt die Wirkung ähnlich rasch ein wie bei Zigaretten. Für Jugendliche kommt hinzu, dass Nikotin die Entwicklung des Gehirns während der Pubertät beeinträchtigen kann.

Von Übelkeit bis zu Schäden der Mundschleimhaut

Akut können nach dem Konsum unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Benommenheit und Kopfschmerzen auftreten. Auch Reizungen der Mundschleimhaut sind möglich. Die Vergiftungsinformationszentrale verzeichnet laut Gesundheitsportal eine kontinuierlich steigende Zahl von Anrufen wegen Vergiftungen durch Nikotinbeutel.

Der direkte und teilweise stundenlange Kontakt mit Zahnfleisch und Mundschleimhaut ist auch für mögliche längerfristige Folgen relevant. Auswirkungen auf die Mundgesundheit sind bereits gut dokumentiert. Genannt werden Entzündungen und Schäden der Mundschleimhaut sowie ein erhöhtes Risiko für Zahnerkrankungen.

Nikotin wirkt jedoch nicht nur lokal. Der aktuelle Wissensstand weist auch auf Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem hin. Studien liefern zudem Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko.

Langzeitfolgen noch nicht ausreichend geklärt

Bei der Bewertung der gesundheitlichen Folgen bleibt eine wesentliche Einschränkung: Nikotinbeutel sind vergleichsweise neue Produkte. Für zahlreiche mögliche Langzeitfolgen fehlen daher bislang entsprechende Langzeitstudien. Auch die Auswirkungen der verwendeten Aromen sind noch nicht ausreichend untersucht.

Die steigenden Konsumzahlen bei Jugendlichen rücken damit neben der weiteren Forschung auch Prävention und Jugendschutz in den Mittelpunkt. In Österreich ist der Konsum von Nikotinbeuteln für Jugendliche unter 18 Jahren nicht erlaubt.

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