Die Masern breiten sich weltweit wieder stärker aus. Eine internationale Studie zur Krankheitslast bei Kindern unter fünf Jahren schätzt für 2023 weltweit 15,6 Millionen Erkrankungen und 118.000 Todesfälle. Stagnierende Impfquoten gefährden die bisherigen Fortschritte. Auch in den USA nehmen die Erkrankungen zu. Österreich hat seinen Masern-Eliminationsstatus bereits verloren.
Jahrzehntelang gingen Maserninfektionen und damit verbundene Todesfälle weltweit deutlich zurück. Seit 2020 hat sich diese Entwicklung jedoch umgekehrt. Eine internationale Analyse mit Daten aus 204 Ländern und Gebieten zeigt, dass die geschätzte Zahl der Erkrankungen im Jahr 2023 um 40 Prozent über dem Niveau von 2019 lag. Die geschätzte Zahl der Todesfälle stieg im selben Zeitraum um zwölf Prozent.
Die im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichte Untersuchung konzentriert sich auf die Masernbelastung und die Impfquoten bei Kindern unter fünf Jahren. Das internationale Forschungsteam um den Epidemiologen Benn Sartorius von der University of Washington analysierte die Entwicklung zwischen 1990 und 2023.
Jahrzehntelange Fortschritte gefährdet
Zwischen 1990 und 2019 sank die Maserninzidenz um etwa 80 Prozent. Die Sterblichkeitsrate ging im selben Zeitraum um rund 90 Prozent zurück. Seit 2020 stiegen beide Kennzahlen jedoch wieder deutlich an.
Für 2023 schätzen die Wissenschafterinnen und Wissenschafter weltweit 15,6 Millionen Masernfälle und 118.000 Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren. Dabei beruhen die Ergebnisse auf Modellschätzungen der Global Burden of Disease Study 2023 und nicht ausschließlich auf behördlich gemeldeten Fällen.
Weltweite Impfquoten stagnieren
Parallel dazu stagniert die weltweite Durchimpfung. Die Impfquote für die erste Masernimpfung (MCV1) sank von 83,6 Prozent im Jahr 2019 auf 81 Prozent im Jahr 2023. Bei der zweiten Masernimpfung (MCV2) stieg sie im selben Zeitraum von 68,4 auf 71,4 Prozent.
Damit bleiben die Impfquoten deutlich unter dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angestrebten Niveau von mindestens 95 Prozent mit zwei Impfstoffdosen. Die Studienergebnisse zeigen, dass frühere Fortschritte bei der Masernbekämpfung nicht dauerhaft gesichert sind.
USA: Todesfälle und steigende Fallzahlen
Auch in den USA nehmen die Masernerkrankungen zu. Im Bundesstaat New York wurde zuletzt der erste Masern-Todesfall eines Kindes seit 30 Jahren bekannt.
In Pennsylvania meldeten die Gesundheitsbehörden bis 23. Oktober insgesamt 1.338 Erkrankungen, 255 Krankenhausaufenthalte und sechs Todesfälle, darunter zwei Kinder. Laut einem Bericht im Fachjournal JAMA betraf weniger als ein Prozent der registrierten Fälle vollständig mit zwei Dosen des Masern-Mumps-Röteln-Impfstoffs (MMR) geimpfte Personen.
Angesichts der anhaltenden Ausbrüche steht auch der Masern-Eliminationsstatus der USA infrage.
Österreich hat Eliminationsstatus verloren
Österreich gilt nach einer WHO-Bewertung nicht mehr als Land mit eliminierten Masern (PharmaNow hat berichtet). Ausschlaggebend war insbesondere die Entwicklung im Jahr 2024 mit 542 gemeldeten Erkrankungen. Davon mussten laut AGES zudem 120 Personen stationär behandelt werden. Davon benötigten vier intensivmedizinische Betreuung. Im Jahr 2025 wurden weitere 152 Masernfälle registriert. Mehr als 20 Prozent der Erkrankten mussten dabei im Krankenhaus behandelt werden.
Die Entwicklung unterstreicht die Bedeutung einer hohen Durchimpfungsrate. In Österreich steht die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln daher für Kinder und Erwachsene kostenlos zur Verfügung. Für Apotheken bleibt insbesondere die Beratung zum Impfstatus und zum Nachholen fehlender Impfungen relevant.




