Start Meinung Kommentar Liberalisierung des Arzneimittelmarkts? Wozu?

Liberalisierung des Arzneimittelmarkts? Wozu?

Werbung

Die Diskussion um den OTC-Verkauf in Drogerien ist zurück – diesmal unter dem Deckmantel von Online-Apotheken und Versorgungslücken. Ein Kommentar zur aktuellen Debatte und zur Rolle der Apotheke in Österreich.

Die deutsche Drogeriemarktkette dm steht kurz davor, den nächsten (wiederholten) Schritt zu gehen, um am österreichischen Arzneimittelmarkt mitzumischen.

„Meine ganze Familie geht nur in diese Apotheke. Ihr seid für uns da, ihr beantwortet alle Fragen und nehmt euch so viel Zeit für uns – danke!“

„Mein Mann war letztes Jahr wegen Ihnen drei Wochen im Spital. Wenn Sie ihn nicht hingeschickt hätten, wäre er heute vielleicht nicht mehr da.“

Diese Kundenfeedbacks haben mich bewegt, als ich sie kürzlich auf LinkedIn gelesen habe. Gepostet von einem engagierten PKA aus Wien. Dabei sind das nur zwei von Abertausenden täglichen Kundenerlebnissen in der Apotheke. Sie werden jetzt denken: Das ist doch völlig normal. Das ist unser Job. Wir sind für Menschen da. Doch so klar ist das nicht jedem: In den letzten Wochen wurde wieder einmal die Diskussion um die Liberalisierung des Arzneimittelmarkts in Österreich angestoßen.

dm ante portas

Länger schon angekündigt, jetzt ist es Realität: dm verkauft OTC-Arzneimittel über seine eigene Online-Apotheke, vorerst nur in Deutschland. Aber auch Österreich hat der Drogeriekonzern im Visier – wieder einmal. Auch hierzulande soll das Trojanische Pferd dm-Online-Apotheke heißen. Das ausgegebene Ziel ist aber klar: der Verkauf von OTC-Arzneimitteln in den Filialen der Handelskette. Dafür ist aber freilich eine Gesetzesänderung vonnöten, bevor die Träume von dm-Geschäftsführer Harald Bauer wahr werden können.

Shop-Apotheke fordert Liberalisierung

dm ist hier nicht der einzige Akteur, der von solchen neuen Geschäftsfeldern träumt. Auch Redcare, besser bekannt als Shop-Apotheke, ist in den letzten Wochen besonders stark medial aufgefallen. Neu ist dessen Angebot nicht, die Forderung nach Aufweichung des Rx-Versandverbots auch nicht. Als Gesicht hat sich die niederländische Online-Apotheke in Österreich schon vor einiger Zeit Martina Egger ausgesucht. Bis vor einigen Jahren versuchte sie noch ein Start-up für Lieferdienste von Arzneimitteln in Österreich aufzuziehen. Die Rechnung ging nicht auf. Nun steht sie an vorderster Front und Argumentationslinie für Liberalisierungsbestrebungen. Mit dem Mascherl des Schließens von Versorgungslücken wird argumentiert. Man wolle stationäre Apotheken nicht verdrängen. Die Shop-Apotheke sehe sich eher als Ergänzung, heißt es in diversen Medien. Eggers mediale Präsenz häufte sich in letzter Zeit u.a. im Kurier, auf Ö1 und einem Podcast der Pharmabranche.

Profit oder Gesundheitsversorgung?

Ich beobachte diese Debatte schon lange. Jedes Mal bin ich dankbar, dass bisher bei allem politischen Dissens der kleinste gemeinsame Nenner das Bekenntnis zur Apotheke war. Zumindest bis jetzt. Alle Jahre wieder kommen dann aber solche an Profitmaximierungsfantasien erinnernde Vorhaben. Dabei frage ich mich immer: Worüber diskutieren wir hier eigentlich?

  • Wer von diesen Akteuren ist wirklich für die Menschen da, auch in der Nacht, und hat dabei Arzneimittelsicherheit statt Profit im Sinn?
  • Wer nimmt sich für die Beantwortung der Kundenfragen viel Zeit?
  • Wer sieht das große Ganze der Krankheitsgeschichte und kann bei Bedarf intervenieren und damit Menschenleben retten?

Es sind die Apothekerinnen und Apotheker in Österreich. Sie sind es, die den Hilfe suchenden Menschen in die Augen sehen, sie verstehen, ihnen zuhören und ihnen individuell passende Gesundheitslösungen bieten. Aber vor allem: Sie sind die Fachkräfte, die Expertinnen und Experten, wenn es um Arzneimittelsicherheit, Medikationsmanagement und vieles mehr geht. Ob das eine Online-Apotheke oder eine Drogerie drauf hat? Ich bezweifle das.

Wunsch an das Christkind

Daher wünsche ich mir heuer vom Christkind, dass auf dem Wunschzettel von Gesundheitsministerin Korinna Schumann steht: „Lasst uns die parlamentarische Mehrheit dafür finden, die österreichische Apotheke nicht nur zu bewahren, sondern zu fördern“. Dann bin ich für dieses Jahr zufrieden.

  • Schlagworte
  • dm

Neue Artikel

TikTok: Nur jeder fünfte Beitrag zu psychischer Gesundheit ist korrekt

Eine aktuelle Analyse zeigt: Inhalte zu psychischen Erkrankungen auf TikTok sind häufig falsch oder irreführend. Besonders problematisch ist das...

Neuer Pollenservice für Events startet

Zum Start der Outdoor-Saison erweitert der Österreichische Polleninformationsdienst sein Angebot. Parallel dazu fällt der Vienna City Marathon 2026 in...

Lange Nacht der Forschung: Apothekerlabor zeigt Pharmazie hautnah

Die lange Nacht der Forschung geht am 24. April 2026 in die nächste Runde.  Österreichweit geben tausende Programmpunkte Einblick in...

Tumormikrobiota beeinflusst Therapieerfolg

Mikroorganismen in Tumoren wirken aktiv auf Tumorbiologie und Immunantwort. Ein internationales Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung fordert nun standardisierte Methoden...

 Weitere Artikel

TikTok: Nur jeder fünfte Beitrag zu psychischer Gesundheit ist korrekt

Eine aktuelle Analyse zeigt: Inhalte zu psychischen Erkrankungen auf TikTok sind häufig falsch oder irreführend. Besonders problematisch ist das...

Neuer Pollenservice für Events startet

Zum Start der Outdoor-Saison erweitert der Österreichische Polleninformationsdienst sein Angebot. Parallel dazu fällt der Vienna City Marathon 2026 in...

Lange Nacht der Forschung: Apothekerlabor zeigt Pharmazie hautnah

Die lange Nacht der Forschung geht am 24. April 2026 in die nächste Runde.  Österreichweit geben tausende Programmpunkte Einblick in...