Rund 40 Prozent der Menschen in Österreich, Deutschland und der Schweiz berichten über Einschränkungen beim Riechen oder Schmecken. Eine aktuelle Umfrage zeigt deutliche Zusammenhänge mit der COVID-19-Pandemie und anhaltende Belastungen für Betroffene.
Eine aktuelle Studie zeigt: Geruchs- und Geschmacksstörungen sind in der Bevölkerung deutlich verbreiteter als oft angenommen. Rund 40 Prozent der Befragten in Österreich, Deutschland und der Schweiz berichten über zumindest ein entsprechendes Symptom. Grundlage ist eine Online-Umfrage mit insgesamt 2.340 Erwachsenen, deren Ergebnisse in den European Archives of Oto-Rhino-Laryngology veröffentlicht wurden.
Unter den Autoren finden sich auch österreichische Wissenschafter, darunter Christian Müller (HNO-Universitätsklinik MedUni Wien/AKH) und Andreas Huber (Tirol Kliniken/Innsbruck).
Häufige Symptome und Auswirkungen
Die Auswertung zeigt ein breites Spektrum an Störungen. Am häufigsten treten in allen drei Ländern:
- Geruchsintoleranz (29 Prozent)
- Phantosmie – Geruchswahrnehmung ohne reale Ursache (27 Prozent) und
- Parosmie – veränderte Geruchswahrnehmung (19 Prozent) auf.
Besonders belastend sind laut der Studie Phantom-Geruchsempfindungen, also Gerüche ohne reale Quelle, die sich negativ auf die Lebensqualität auswirken können.
In Österreich berichten 10,7 Prozent der Befragten über einen Geruchsverlust, 17,5 Prozent über eine veränderte Geruchswahrnehmung und 25,5 Prozent über Phantosmie.
Auch Geschmacksstörungen sind relevant: 16,4 Prozent der österreichischen Teilnehmer sind betroffen.
Unterschiede zwischen den Ländern
Im Ländervergleich zeigt sich: Österreich und Deutschland liegen bei vielen Werten nahe beieinander. In der Schweiz hingegen werden teilweise deutlich höhere Raten berichtet. So liegt etwa die Geruchsintoleranz dort bei 39,5 Prozent, während sie in Österreich und Deutschland jeweils 27,9 Prozent beträgt.
Auch bei Geschmacksstörungen fällt die Schweiz mit 26,9 Prozent deutlich auf, verglichen mit 16,4 Prozent in Österreich und 19,1 Prozent in Deutschland.
COVID-19 als möglicher Treiber
Ein zentraler Erklärungsansatz für die hohe Prävalenz liegt in der COVID-19-Pandemie. Geruchs- und Geschmacksverlust zählen zu den Leitsymptomen einer SARS-CoV-2-Infektion und treten häufig bereits früh im Krankheitsverlauf auf. Viele Betroffene verlieren vorübergehend ihren Geruchs- oder Geschmackssinn oder nehmen Gerüche verändert wahr. Bei einem Teil der Betroffenen bleiben die Symptome langfristig bestehen. Die aktuelle Studie bestätigt diese Beobachtung. Laut den Autoren blieben bei 48 bis 62 Prozent der Betroffenen die Beschwerden unverändert oder verschlechterten sich sogar.
Langfristige Folgen für Betroffene
Persistierende Geruchs- und Geschmacksstörungen können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Neben dem Verlust von Genuss beim Essen sind auch Sicherheitsaspekte betroffen, etwa das Erkennen von Rauch oder verdorbenen Lebensmitteln.
Zudem zeigen Studien, dass Betroffene häufiger unter psychischen Belastungen wie Angst oder depressiven Verstimmungen leiden. Die eingeschränkte Sinneswahrnehmung wirkt sich somit nicht nur physisch, sondern auch psychosozial aus.
Geruchs- und Geschmacksstörungen sollten nicht bagatellisiert werden – insbesondere dann nicht, wenn sie über Wochen oder Monate bestehen bleiben.
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