Start Wissenschaft E-Zigaretten mit Stoffwechselveränderungen assoziiert

E-Zigaretten mit Stoffwechselveränderungen assoziiert

E-Zigaretten stehen erneut wegen möglicher gesundheitlicher Folgen im Fokus. Eine aktuelle Meta-Analyse mit Daten von mehr als 2,8 Millionen Menschen findet einen Zusammenhang mit Prädiabetes und Insulinresistenz. Doch wie belastbar sind diese Ergebnisse tatsächlich?

Welche Auswirkungen E-Zigaretten auf den Blutzuckerstoffwechsel haben, ist bislang nicht ausreichend geklärt. Ein internationales Forschungsteam hat deshalb die vorhandene wissenschaftliche Literatur zu E-Zigaretten, Diabetes mellitus, Prädiabetes und Insulinresistenz ausgewertet. An der im Fachjournal „Internal and Emergency Medicine“ veröffentlichten Arbeit war auch Othmar Moser von der Universität Graz und der Medizinischen Universität Graz beteiligt.

Insgesamt berücksichtigte die systematische Übersichtsarbeit zehn Studien mit zusammen mehr als 2,8 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Neun davon waren Querschnittsstudien. Sie erfassen Daten zu einem bestimmten Zeitpunkt und können damit Zusammenhänge aufzeigen, aber nicht klären, ob die Nutzung von E-Zigaretten einer Stoffwechselveränderung zeitlich vorausging. Nur eine war eine prospektive Kohortenstudie.

Zusammenhang mit Prädiabetes

Bei Personen, die ausschließlich E-Zigaretten nutzten, zeigte sich ein statistischer Zusammenhang mit Prädiabetes. Auch bei Personen, die sowohl E-Zigaretten als auch herkömmliche Zigaretten konsumierten, zeigte sich ein solcher Zusammenhang. Gleiches galt für ehemalige Nutzerinnen und Nutzer von E-Zigaretten.

Die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen unterschieden sich bei einem Teil dieser Analysen allerdings deutlich voneinander. Entscheidend ist daher die Interpretation: Die Meta-Analyse zeigt statistische Zusammenhänge. Sie belegt nicht, dass die Nutzung von E-Zigaretten Prädiabetes verursacht.

Kein signifikanter Zusammenhang mit Diabetes

Beim Diabetes ergibt sich ein anderes Bild. Bei Personen, die ausschließlich E-Zigaretten nutzten, fand die zusammengefasste Auswertung keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mit Diabetes. Auch bei ehemaligen Nutzerinnen und Nutzern zeigte sich kein signifikanter Unterschied.

Ein statistisch signifikanter Zusammenhang bestand hingegen bei Personen, die sowohl E-Zigaretten als auch herkömmliche Zigaretten verwendeten.

Besonders relevant für die Einordnung ist die einzige prospektive Kohortenstudie der Übersichtsarbeit. Sie fand keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen ausschließlicher E-Zigaretten-Nutzung und neu auftretendem Typ-2-Diabetes.

Hinweise auch bei Insulinresistenz

Auch bei der Insulinresistenz fand die Meta-Analyse einen Zusammenhang. Personen, die ausschließlich E-Zigaretten verwendeten, schnitten bei diesem Stoffwechselparameter schlechter ab als Personen, die nie E-Zigaretten genutzt hatten.

Eine Insulinresistenz bedeutet, dass Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin reagieren. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Prädiabetes und Typ-2-Diabetes.

Langzeitstudien sollen offene Fragen klären

Die Autorinnen und Autoren betonen selbst die Grenzen der verfügbaren Evidenz. Da die Ergebnisse zu Prädiabetes und Insulinresistenz überwiegend aus Querschnittsstudien stammen, lassen sich daraus keine Aussagen über Ursache und Wirkung ableiten.

Die Forschungsgruppe fordert daher große prospektive Studien mit längerer Nachbeobachtung. Künftige Untersuchungen sollten zudem den tatsächlichen Konsum objektiv erfassen und standardisierte, laborbasierte Messgrößen für den Glukosestoffwechsel verwenden.

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