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Erste Hilfe bei Harnwegsinfektionen: Cranberry aus der Familie der Ericaceae

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Pflanzen derselben Familie weisen häufig ähnliche Merkmale und Inhaltsstoffe auf – ein wichtiger Ansatz für die Phytotherapie. Am Beispiel der Ericaceae beleuchtet dieser Artikel das therapeutische Potenzial ihrer Vertreter und zeigt, welche Rolle insbesondere die Cranberry in der pflanzlichen Medizin spielt.

Wie ihr deutscher Name schon verrät, besiedelt die Pflanzenfamilie der Ericaceae vor allem Heidelandschaften in gemäßigten und alpinen Zonen. Besonders gut gedeiht sie auf sauren, kalk- und nährstoffarmen Böden in Nadelwäldern oder am Rand von Mooren. Meist handelt es sich bei ihren Vertretern um niedere Zwergsträucher, seltener um kleine Bäume, die immergrün und bodendeckend sind. Wer sich ab und zu auf Wanderungen in unsere heimische Bergwelt begibt, der kann sie in ihrer gesamten Vielfalt bestaunen. Zu den wohl bekanntesten Vertretern der Heidekrautgewächse zählen Vaccinium myrtillus L. (die Heidelbeere), Vaccinium vitis-idaea L. (die Preiselbeere), Calluna vulgaris L. (die Besenheide) oder auch Rhododendron ferrugineum L. (die Alpenrose, im Volksmund „der Almrausch“).

Pflanzenanatomie

Um Ericaceae in freier Wildbahn erkennen zu können, lohnt es sich, einen Blick auf ihre typischen Familienmerkmale zu werfen: Die Heidekrautgewächse besitzen immergrüne, wechselständig angeordnete Blätter mit ledriger Oberseite und heller Unterseite. Ihre radiärsymmetrischen bis leicht zygomorphen, 5-zähligen Blüten tragen oft einen verwachsenen Kelch und eine glocken- bis röhrenförmige Krone. Zum Zeitpunkt der Fruchtreife bilden sie Beeren oder Kapselfrüchte aus, die je nach Pflanzenart genießbar oder giftig sein können. Da sie auf den ersten Blick oft gleich aussehen, ist es nicht immer einfach, die unterschiedlichen Arten auseinanderzuhalten. Die wohl bekanntesten Irrtümer ranken sich um die Preiselbeere und ihre Verwandte, die Cranberry. 

Cranberry oder Preiselbeere – was ist der Unterschied?
Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea)
Preiselbeere
© ANGHI – stock.adobe.com
Cranberry (Vaccinium macrocarpon)
Cranberry
© ira_kalinicheva – stock.adobe.com

Kennen Sie den Unterschied zwischen Preiselbeere und Cranberry? Obwohl häufig behauptet wird, es würde sich um dieselbe Pflanzenart handeln, ist dies botanisch inkorrekt.

Vaccinium vitis-idaea L., die bei uns heimische Preiselbeere, wächst als aufrechter Zwergstrauch und trägt von Mai bis Juni weiß-rosafarbige, glockenförmige Blüten. Reifen diese heran, entwickeln sich rot glänzende, kugelige Früchte, die für ihren säuerlich-herben Geschmack bekannt sind.

Die Cranberry hingegen, Vaccinium macrocarpon oder auch „Großfrüchtige Moosbeere“, ist eine in Nordamerika kultivierte Art, die nicht aufrecht, sondern als kriechender Strauch gedeiht. Ihr Name stammt von der englischen Bezeichnung „crane berry“ (Kranichbeere) und bezieht sich auf die Optik ihrer Blüten. Aufgrund der stark zurückgeschlagenen Kronblätter erinnert ihr Aussehen an den Kopf eines Kranichs – ein wichtiges Bestimmungsmerkmal.

Jedoch unterscheiden sich auch die Früchte der Cranberry deutlich von unserer Preiselbeere. Sie sind wesentlich größer, weicher, haben eine länglich-ovale Form und schmecken säuerlich-süßlich.

Ericaceae bei Harnwegsinfektionen

Abseits von Preiselbeere und Cranberry gibt es noch einen weiteren Doppelgänger unter den Heidekrautgewächsen: die Bärentraube, Arctostaphylos uva-ursi L. Sie gehört zwar zur selben Pflanzenfamilie, stellt allerdings eine andere Gattung dar. Auf den ersten Blick kann auch sie mit Preiselbeere und Cranberry verwechselt werden – nicht jedoch, wenn man ein geschultes Auge besitzt. Ihre Früchte sind rötlich matt, kugelig und haben einen mehligen Geschmack. Verglichen mit den anderen beiden Arten besitzen die Früchte der Bärentraube eine punktförmige Narbe an der Fruchtspitze. Bei Preiselbeere und Cranberry sticht einem stattdessen ein sternförmiger Kelchrest ins Auge.

Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) mit roten Beeren in alpiner Umgebung.
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Der für die Pharmazie dennoch wichtigste Unterschied aller drei Arten liegt in ihren Inhaltsstoffen. Die offizinelle Bärentraube ist bekannt für das in ihren Blättern enthaltene Arbutin. Dieses wird von Enzymen der Leber verstoffwechselt und in weiterer Folge zu Hydrochinon, einem bakteriziden Wirkstoff, gespalten. Hydrochinon wirkt vor Ort in den ableitenden Harnwegen, wo es die auslösenden Erreger effektiv bekämpft. Indiziert ist eine Therapie mit Bärentraubenblättern, sobald eine akute (unkomplizierte) Harnwegsinfektion vorliegt. Aufgrund der potenziellen Nebenwirkungen (Leberschäden) ist die Behandlung auf eine Woche zu beschränken und sollte höchstens fünfmal pro Jahr erfolgen. 

Die Cranberry – Vaccinium macrocarpon

Verglichen mit der Bärentraube zeigen Cranberry und Preiselbeere eine etwas andere Zusammensetzung an Inhaltsstoffen. Hier sind es vor allem Proanthocyanidine (PACs), die ein Anhaften der pathogenen Bakterien an der Schleimhaut im Harntrakt verhindern und damit eine vorbeugende Wirkung bei Harnwegsinfektionen besitzen. Da sie praktisch kein Arbutin beinhalten, ist ihre Anwendungsdauer nicht beschränkt. Aufgrund der höheren Konzentration an PACs und der umfassenden Datenlage ist die Cranberry unserer heimischen Preiselbeere überlegen und findet sich daher bevorzugt in apothekenexklusiven Präparaten zur Prävention von Harnwegsinfektionen.

Wenn die Blase keine Ruhe lässt

Brennen, Schmerzen im Unterbauch und ständiger Harndrang – mehr als die Hälfte aller Frauen leidet mindestens einmal im Leben an einer Blasenentzündung, auch „akute Zystitis“ genannt. Damit sind sie doppelt so häufig betroffen wie Männer, was an der kurzen weiblichen Harnröhre und deren unmittelbarer Nähe zu Vagina und Anus liegt. In 70 bis 80 Prozent aller Fälle ist Escherichia Coli, ein bekannter Bakterienstamm, Auslöser der Infektion. Begünstigt wird sie außerdem durch Unterkühlungen, unzureichende Intimpflege, häufigen Geschlechtsverkehr oder hormonelle Veränderungen. Sind die Bakterien einmal in die Harnröhre eingedrungen, wandern sie Richtung Harnblase, wo sie sich an die Schleimhaut anheften und vermehren. Dadurch kommt es zu einer Entzündungsreaktion, die mit den genannten Symptomen einhergeht.

Wann ärztliche Behandlung notwendig ist

Die meisten Blasenentzündungen stellen unkomplizierte Infektionen dar, deren Beschwerden nach rechtzeitiger Behandlung rasch wieder abklingen. Halten die Symptome jedoch länger als drei Tage an und kommen Warnsignale wie Blut im Urin, erhöhte Temperatur, Schüttelfrost oder Erschöpfung hinzu, ist dringend ein Arzt aufzusuchen. Obwohl die Phytotherapie großartige Möglichkeiten bietet, ist sie in schwerwiegenden Fällen nicht indiziert und muss dem Antibiotikum den Vortritt lassen.

Bei wem es gefährlich werden kann

Obwohl Männer deutlich seltener von Harnwegsinfektionen betroffen sind, können diese umso schneller zur Gefahr werden. Grund dafür sind die anatomischen Gegebenheiten und die deutlich längere Harnröhre. Üblicherweise werden infektiöse Keime schnell wieder ausgespült und erreichen damit nicht die oberen Harnwege. Ist der Urinabfluss hingegen verengt, beispielsweise aufgrund einer gutartigen Vergrößerung der Prostata, kann Restharn in der Blase zurückbleiben und Infektionen verursachen. Neben Männern stellen auch Diabetiker eine Patientengruppe mit hohem Risiko dar. Sie scheiden bei schlechter medikamentöser Einstellung oder aufgrund bestimmter Arzneimittel (SGLT-2-Hemmer) Glucose mit dem Urin aus, der ein optimales Milieu für bakterielle Infektionen bietet. Immungeschwächte Personen oder Patientinnen und Patienten mit künstlichen Harnausgängen (Katheter) stellen ebenso Risikogruppen dar und sollten umgehend ärztlich behandelt werden.

Wie kann man Harnwegsinfektionen vorbeugen?

Gerade in der Badesaison kann bereits das rasche Wechseln nasser Badekleidung eine mögliche Blasenentzündung verhindern. Weiters sollte auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Toilettengänge geachtet werden. Eine adäquate Intimpflege mit sanften, parfümfreien und pH-neutralen Reinigungsprodukten ist die Voraussetzung einer gesunden Intimflora und kann zusätzlich mit probiotischen Präparaten (Laktobazillen) gestärkt werden.   

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